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Leuthard öffnet den Schweizer Firmen die Tür

Staatsbesuch Lachend wechseln Bundespräsidentin Doris Leuthard und Boliviens Präsident Evo Morales einige Worte, während die Chefbeamten ein Dokument unterschreiben: eine Absichtserklärung zum «Tren Bioceanico». Das Milliardenprojekt hat Morales gestern in die Schweiz geführt – er sucht Experten beim Bau von Eisenbahnen. «Ich brauche das Know-how und das Wissen, das in Europa bei diesen Technologien vorhanden ist», erklärte Morales nach dem Gespräch mit Leuthard. Diese sagte: «Als Bahnland unterstützen wir gerne Bahnprojekte.»

Angesichts der geschätzten Kosten von bis zu 14 Milliarden wittert manch eine Firma ein Geschäft. Die Schweizer Unternehmen haben sich bereits in Stellung gebracht: Die Bahnindustrieverbände der Schweiz und Deutschlands gründeten im März die Arbeitsgemeinschaft «Bioceanico». Gemeinsam wollen sie der Konkurrenz aus China die Stirn bieten. Und bislang sieht es gut aus für sie. Morales sagte gestern: «Für uns ist die Unterstützung durch das schweizerisch-deutsche Konsortium von unermesslichem Wert.»

Leuthard betonte, die Schweiz sei ein verlässlicher Partner. Gegen die fernöstliche Konkurrenz platzierte sie einen feinen Seitenhieb: Sie habe mit Morales ­darüber diskutiert, dass die deutsch-schweizerische Zusammenarbeit die Berufsbildung unterstützen könnte, sagte sie. So würden Menschen in Bolivien Arbeit finden «und nicht andere Unternehmen aus ferneren Staaten ihre eigenen Arbeitskräfte schicken».

Stadler mit Zahnrad-Lok in den Startlöchern

Finanziell beteiligt sich die Schweiz nicht am Projekt. Die unterzeichnete Erklärung hat vielmehr symbolische Bedeutung. «Sie dient insbesondere der Schweizer Industrie als Türöffner», erklärt der Direktor des Bundesamtes für Verkehr, Peter Füglistaler.

Wirtschaftsvertreter bestätigen dies: Die Absichtserklärung und der Besuch Morales’ hätten eine grosse Bedeutung, sagt Michele Molinari, Chef der Technologiefirma Molinari Rail Gruppe, der Südamerika gut kennt. «Der offizielle Kontakt ist in diesen Ländern sehr wichtig», sagt er. Morales sprach in Bern auch mit Firmenvertretern über das Projekt. Mit dabei war Peter Jenelten, Präsident des Bahnindustrieverbands Swissrail und Verkaufschef von Stadler Rail. Die Schweizer Firmen rechnen sich gute Chancen aus, am Projekt mitarbeiten zu können. «Wir bringen gute Referenzen und einen grossen Erfahrungsschatz mit, vor allem auch beim Bau im Gebirge», sagt Jenelten. Grösste Herausforderung der geplanten Zuglinie seien die Anden – und gerade hier habe Stadler Rail einiges zu bieten.

Der Thurgauer Schienenfahrzeughersteller hat für Brasilien die weltweit stärkste Zahnradlokomotive gebaut. Diese würde er gerne auch nach Bolivien verkaufen. Doch noch steht das Projekt erst am Anfang. «Das nächste Jahr wird entscheidend sein», sagt Jenelten. Eine Task Force soll dann ihre Arbeit aufnehmen, Finanzierung und Businessplan sollen auf die Beine gestellt werden. Geplant seien auch geologische Untersuchungen, sagt Jenelten. Erst danach werde entschieden, welche Technologien zum Einsatz kommen. Kommt das Projekt zu Stande, müssen sich die Schweizer Firmen wie alle anderen um die Aufträge bewerben. Dennoch ist es laut ­Jenelten wichtig, dass sich die Schweizer Firmen bereits jetzt einbringen können. Denn wer bei der Planung mitreden kann, kann diese auch zu seinen Gunsten beeinflussen.

Maja Briner

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