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Der Referenzzinssatz Libor macht Platz für Saron

Der Libor diente bislang als Grundlage für Geldmarkt-Hypotheken. Nach Manipulationsskandalen wird der in Verruf geratene Referenzzinssatz 2021 abgeschafft. An seine Stelle tritt der besser abgestützte Saron.
Rainer Rickenbach
Eine Wohnüberbauung bei Maur im Kanton Zürich. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone (2. August 2014))

Eine Wohnüberbauung bei Maur im Kanton Zürich. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone (2. August 2014))

Libor ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld ausleihen. Der Begriff steht als Abkürzung für «London Interbank Offered Rate», wurde 1986 eingeführt und dient als Grundlage zur Festlegung von Zinsen für Sparkonten sowie für Firmenkredite und Hypotheken. Letz­tere sind bei der Finanzierung von Wohnimmobilien als Teil der Gesamthypothek weit verbreitet, weil ihre Zinsen wegen der kurzen Laufzeiten sehr tief sind. Am Libor hängt viel: Gemäss früheren Angaben der Schweizerischen Nationalbank richten sich alleine im Franken-Markt Verträge im Wert von rund 6 Billionen Franken nach diesem Referenzzinssatz. Auch die Nationalbank stützt sich bei ihrer Geldpolitik auf den Libor.

Ermittelt wird die Höhe des Libors in der britischen Finanzmetropole nicht etwa aufgrund der tatsächlich abgewickelten Geschäfte, sondern indem eine Auswahl von Banken nach dem Zins gefragt wurde. Was einige Schlaumeier an den Auskunftsstellen sich in Absprache mit Kollegen anderer Banken zunutze machten und einen anderen Zins angaben, als er tatsächlich zwischen den Banken verrechnet wurde. Einige Geldinstitute verdienten reichlich am unkorrekt ermittelten Referenzzinssatz. Vor sieben Jahren flog der Manipulationsskandal auf und zog für die beteiligten Banken – unter ihnen die UBS – saftige Bussen nach sich.

Saron basiert auf tatsächlichen Transaktionen

Die britische Finanzaufsicht, in deren Einflussbereich der Referenzzinssatz festgesetzt wird, drängte nach dem Skandal auf eine Ablösung des Libors durch ein zuverlässigeres System. Das wird nun bis Ende 2021 geschehen. In der Schweiz machte sich eine nationale Arbeitsgruppe ans Werk und kam zum Schluss, den bereits bestehenden Saron (Swiss Average Rate Overnight) als Ersatz für den Libor einzuführen. Der Schweizer Börsenbetreiber SIX hat Saron bereits lizenziert. Der Handel mit den Futures-Kontrakten wird am kommenden Montag aufgenommen.

Wie unterscheidet sich Saron von Libor? «Beim Saron handelt es sich um einen Referenzsatz, der täglich aufgrund von tat­sächlichen Transaktionen am Schweizer Geldmarkt ermittelt wird», erklärt Daniel von Arx, Sprecher der Luzerner Kantonalbank. Um den Libor zum Beispiel für Hypotheken ersetzen zu können, brauche es nebst dem Tagessatz zusätzlich eine drei- und eine sechsmonatige Saron-Variante. Von Arx: «Es ist noch nicht klar, wie diese im Detail ausgestaltet werden. Die nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze in Franken wird Vorschläge ausarbeiten.» Was immer dabei herauskommt – die neue Zinsermittlung soll auf ­jeden Fall nicht mehr anfällig für Manipulationen sein.

Für die Kreditnehmer bleibt Saron eine günstige Variante. Wie beim Libor handelt es sich dabei um einen kurzfristigen Geldmarktsatz für Anlagen. «Der Zinssatz ist derzeit ebenfalls auf einem tiefen Niveau und weicht nicht gross vom Libor ab», sagt von Arx.

Wer Liborkredite hat, wird vermutlich spätestens Ende 2021 einen geräuschlosen Übergang zu Saron erleben. Von Arx: «Mit Beendigung des Libors kommt voraussichtlich auto­matisch der Saron zum Einsatz. Individuelle Neuverhandlungen zwischen Bank und Kunden sind deshalb nicht notwendig.» Die Geschäftsbanken und die Nationalbank würden allerdings gut ­daran tun, den Systemwechsel genau zu beobachten, heisst es in Bankenkreisen. Denn der ­Saron muss seine Krisenfestigkeit erst noch unter Beweis stellen.

Als sich die Geschäftsbanken auf dem Höhepunkt der Finanzkrise gegenseitig misstrauten, war das Geschäft auf dem Londoner Interbankenmarkt faktisch eingefroren. Es gab damals kaum mehr effektive Kredittransaktionen zwischen den Banken. Solche sind aber notwendig, damit ein aussagekräftiger Referenzzinssatz wie Saron gebildet werden kann.

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