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Tenor am Africa Business Day in Zug: Der Kontinent braucht Infrastruktur

Die Handelsbeziehungen der Schweiz mit afrikanischen Ländern sind bescheiden. Für Aufschwung könnten neue Bezahllösungen sorgen. Noch wichtiger aber scheint die Entwicklung der Infrastruktur in Afrika.
Raphael Bühlmann
Die chinesische Baufirma China Wu Yi erweitert eine Strasse nördlich der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Bild: Daniel Irungu/EPA (Kiambu, 9. April 2019)

Die chinesische Baufirma China Wu Yi erweitert eine Strasse nördlich der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Bild: Daniel Irungu/EPA (Kiambu, 9. April 2019)

Gerade einmal 5,2 Milliarden Franken beträgt das Handelsvolumen der Schweiz mit afrikanischen Ländern. Das entspricht einem Anteil von 1,3 Prozent am gesamten Aussenhandel. Dabei konzentrieren sich die Beziehungen auf wenige Hotspots des Kontinents. Ein Drittel des wertmässigen Warenumschlags entfällt allein auf Südafrika. Zählt man Ägypten, Nigeria, Marokko, Tunesien und Algerien dazu, kommt man auf drei Viertel des Volumens. Und was passiert in den restlichen 49 Ländern?

Am gestrigen Africa Business Day stand diese Frage im Zentrum. Der durch den Swiss-African Business Circle organisierte Event fand auf dem Siemens-Campus in Zug statt. Bereits der COO von Siemens Smart Infrastructure und CEO von Siemens Schweiz, Matthias Rebellius, unterstrich in seiner Begrüssungsrede die Aktualität der Veranstaltung: «Es ist der richtige Zeitpunkt, um über die Beziehungen zwischen der Schweiz und Afrika zu sprechen.»

China sichert sich mit Investitionen Rohstoffe

Gemeint hat Rebellius, dass sich der afrikanische Kontinent in einem ökonomischen Umbruch befindet. Neue Technologie und die Digitalisierung, die die Welt näher zusammenrücken liessen, seien ein Vorteil für Afrika. Immer wieder wurde am Freitag das Beispiel der neuen Facebook-Währung «Libra» genannt. Der als sicher und von Kursschwankungen unabhängig angepriesene Geldtransfer soll die Entwicklung des Kontinents vorantreiben.

Doch Fintech ist das eine. Strassen, öffentlicher Verkehr oder sichere Gebäude das andere. Denn Afrika lebt nach wie vor vom Verkauf von Bodenschätzen und Commodities. In Richtung der Schweiz heissen die drei Exportschlager fossile Energien, Agrarprodukte und Textilien. Sie machen drei Viertel der aus Afrika importierten Güter aus. Und für deren Förderung, Abbau, Transport und die Weiterverarbeitung braucht es vor allem Infrastruktur. Hier besteht in Afrika nach wie vor massiver Nachholbedarf. Die Entwicklungsbank schätzt das jährliche Infrastrukturdefizit auf 68 bis 108 Milliarden US-Dollar. Und der Run auf die Rohstoffe wird immer heftiger. Genau das sei der Knackpunkt für die Zukunft.

Deji Alli, Vorsitzender und CEO von Mixta Africa, einer Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die in Afrika getätigten Investitionen auf ihre Nachhaltigkeit zu prüfen, zieht dazu eine eher durchzogene Bilanz. Vor allem China investiere nach wie vor unglaubliche Summen in die Infrastruktur. Dies mit der klaren Absicht, sich die Rohstoffvorräte langfristig zu sichern. «Die Regierungen der jeweiligen Länder haben keine Strategie», konstatierte Alli am Freitag in Zug. Ebenfalls kritisch sieht der Nigerianer, dass China seine Direktinvestitionen ausschliesslich mit Regierungen verhandelt. «Eine sonst übliche und von uns gern gesehene Private-Public-Partnership kommt für die Verantwortlichen in Peking nicht in Frage.» Dabei sei die Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor eines der wichtigsten Kriterien für ein nachhaltiges Investment.

Gelder aus der Schweiz nehmen deutlich zu

«Wenig nachhaltig investiert» – ein Vorwurf, den sich jüngst auch ein Zentralschweizer Unternehmen in Afrika hat gefallen lassen müssen. Nachdem Bundesrat Ignazio Cassis im Januar vor Ort eine Glencore-Kupfermine in Sambia für deren Ausbildung ­gelobt hatte, hagelte es Kritik von Nichtregierungsorganisationen. Die Richtwerte für Schwefeldioxidemissionen sollen deutlich überschritten worden sein. Glencore hat Teile der Mine in der Zwischenzeit geschlossen.

Insgesamt investieren Schweizer Unternehmen heute deutlich mehr in Afrika. Laut dem Swiss-African Business Circle haben sich die Direktinvestitionen auf dem Kontinent in den letzten 15 Jahren auf rund 13,5 Milliarden Franken verdreifacht. Investieren tut unter anderem auch das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco. Dessen Vertreter Jürg Sprecher betonte am Freitag, dass die Infrastruktur nach wie vor der wichtigste Meilenstein in der Entwicklung Afrikas ist. «Libra ist gut, aber es braucht Strassen», so Sprecher.

Swiss-African Business Circle: 80 Branchen vertreten

(rab) Wie steht es um die Geschäftsbeziehungen zwischen den Ländern des afrikanischen Kontinents und der Schweiz? Dies ist die zentrale Fragestellung des Swiss-African Business Circle (SABC). Der vor neun Jahren gegründete Verein, in dem rund 80 Branchen vertreten sind, fördert die Geschäftskontakte und Verbindungen zwischen der Schweiz und Afrika. Er bietet seinen Mitgliedern ein Netzwerk und eine Plattform für den Austausch von Fachwissen, Erfahrungen, Projekten und Ideen, um Partnerschaften zu fördern und neue Geschäftsperspektiven zu eröffnen. 135 Veranstaltungen mit 2500 Teilnehmern hat die Organisation seit 2010 durchgeführt. Präsidiert wird der SABC von Verena Utzinger von der Schweizerischen Exportrisikoversicherung (SERV).

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