Detailhandel

Lidl backt grössere Brötchen und macht damit Druck auf Denner

Lidl und Aldi wachsen stärker als die Schweizer Konkurrenten Migros, Coop & Co. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Lina Giusto
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Das Angebot von frischem Brot - morgens bis abends - lockte mehr Schweizer Kunden in den Laden.

Das Angebot von frischem Brot - morgens bis abends - lockte mehr Schweizer Kunden in den Laden.

Gaetan Bally/Keystone

Wer heute einen Lidl betritt, trifft nicht als Erstes auf lieblos arrangierte Esswaren in Kartons auf Paletten. Heute steht bei Lidl beim Eingang ein Regal mit Blumen. Danach folgt die Gemüse- und Früchteabteilung. Der Duft von frisch gebackenem Brot liegt in der Luft. Speziell eingerichtete Bereiche gibt es für Wein und Kosmetik. Ganz anders noch als beim Eintritt des Harddiscounters in der Schweiz. Auch die meterweise aneinandergereihten Tiefkühltruhen wurden dem grösseren Angebot an regionalem Gemüse verkleinert. Das gleiche Bild bei Aldi. Auch dieser deutsche Discounter setzt vermehrt auf Gemüse und Früchte aus der Region. Und auch Aldi verfügt inzwischen über Backstationen.

Lidl zieht davon
Offenbar steht den Deutschen ihr neues Kleid gut — denn im Gegensatz zu Denner — konnte Aldi den Umsatz im Jahr 2015 um 2,5 Prozent erhöhen. Lidl legt gar ein Spitzenwachstum von neun Prozent hin. Und das in einem der schwierigsten Jahre für den Detailhandel, wie das Marktforschungsinstitut GfK in einer gestern veröffentlichten Studie schreibt.

Während Aldi und Lidl starke Schritte vorwärtsgehen, konnte Migros-Tochter Denner seinen Umsatz auf gleichem Niveau halten. Wie ist dies zu erklären? Die beiden deutschen Discounter fuhren bis anhin eine klare Expansionsstrategie. Durchschnittlich 20 Verkaufsstellen eröffnete Aldi seit dem Markteintritt 2005 pro Jahr. Die Kehrtwende kam nun im vergangenen Jahr. Nur gerade fünf Läden waren es da. Und in dieser Geschwindigkeit soll es laut Aldi in Zukunft weitergehen.

Lidl nimmt es mit der Eröffnung von lediglich vier Geschäften noch etwas gemütlicher als sein deutscher Konkurrent. Das Expansionszenit der deutschen Discounter ist folglich erreicht. Trotz dieser geringen Zahl an neuen Geschäften hat der Umsatz pro Quadratmeter Ladenfläche bei Lidl deutlich zugenommen. Damit ist klar: Lidl hat der Konkurrenz in einem schrumpfenden Markt Umsatz geklaut.

Discounter im neuen Gewand
Der klare Fokus auf eine Schweiz-Strategie, die Verfügbarkeit von frischem Brot von morgens bis abends, keine Billigware mehr im Karton auf Paletten, dafür aber hochwertigere und damit teurere Lebensmittel und Hygieneartikel scheinz bei den Schweizer Konsumenten anzukommen. Und die Nachhaltigkeitsstrategie stösst auf offenes Gehör. Denn bei der Lidl-Eigenmarke sollen Kakao, Tee, Kaffee und Palmöl künftig nur noch aus zertifizierten Quellen stammen. Beim Blick auf die Homepage von Lidl – mit dem Schweizerkreuz im Logo – fällt das Zertifikat für klimaneutrale Unternehmen auf.

Die neue Ausrichtung von Lidl, aber auch bei Aldi, sie ist inhaltlich und äusserlich erkennbar. Auch der Kompass ist klar auf «Schweiz» eingestellt. Sind sie einst als Harddiscounter in den Schweizer Markt eingestiegen, möchten sie mittlerweile lieber als Discounter bezeichnet werden. Ohne sich von den tiefen Preisen gänzlich zu verabschieden.

Denner passt sich an
Dadurch ist der Druck auf Denner — noch immer die klare Nummer eins unter den Discountern in der Schweiz — deutlich gestiegen. Die Reaktion darauf folgt promt: Die Migros-Tochter zieht, laut GfK, bis Ende Jahr nach und führt die Brotbackstationen in allen Läden der Schweiz ein. Und auch in die optische Auffrischung der Denner-Filialen soll 2016 investiert werden.

Auch ein Pilotversuch für die Bezahlung mit Kreditkarte ist bei Denner am Laufen. Etwas, dass für einen Discounter vor kurzem noch undenkbar schien. Lidl und Aldi haben bereits im vergangenen Jahr die Kreditkartenzahlung eingeführt.