Raiffeisen
Liebespaare bei Raiffeisen gaben zu reden – jetzt kappt Chef Gisel seine Beziehung

In einer Mitarbeiterbefragung aus dem Jahr 2011 empfanden Beschäftigte am Hauptsitz die Liaison zwischen Pierin Vincenz und Nadja Ceregato als eine Belastung in ihrer täglichen Arbeit. Die Beiden sind nicht das einzige Raiffeisen-Paar.

Beat Schmid
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Raiffeisen-Chef Patrik Gisel.

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel.

KEYSTONE

In der Raiffeisen-Zentrale haben sich schon manche Paare gebildet. Das bekannteste war Langzeitchef Pierin Vincenz und Nadja Ceregato. Als dominierender Manager in St. Gallen boxte er die Beziehung jahrelang gegen interne und externe Bedenken durch. Er nahm sich sogar die Freiheit, seine eigene Partnerin und spätere Ehefrau zu befördern. Am Schluss sass sie in der erweiterten Geschäftsleitung der Raiffeisen und war für den wichtigen Bereich Legal und Compliance zuständig.

Seit Wochen ist klar, dass Nadja Ceregato nicht mehr zu Raiffeisen zurückkehrt. De facto befindet sie sich seit Oktober in einem Sabbatical. «Die neuen Erkenntnisse rund um Pierin Vincenz haben die Ausgangslage bezüglich der Personalie Nadja Ceregato verändert», erklärte eine Raiffeisen-Sprecherin letzten Sonntag. Es liege weder in ihrem noch im Interesse von Raiffeisen, dass Ceregato zu Raiffeisen zurückkehre, meinte sie.

Swisscom machte es vor

In vielen professionell geführten Unternehmen wäre eine Verbindung zwischen einem Firmenchef und der Rechtschefin ein absolutes No-Go. Als die Beziehung eines früheren Swisscom-Chefs mit einer Angestellten – einer Grafikerin, notabene etliche Hierarchiestufen unter ihm angesiedelt – intern zum Gesprächsthema wurde, wurde dieser vom Verwaltungsrat kurzerhand vor die Wahl gestellt: Entweder er oder sie. Die Frau verliess kurz darauf das Unternehmen.

Alarmsignale bei Raiffeisen gab es schon seit Jahren: In einer Mitarbeiterbefragung aus dem Jahr 2011 empfanden Beschäftigte am Hauptsitz die Liaison als eine Belastung in ihrer täglichen Arbeit. Sie mussten immer damit rechnen, dass Rechtsgeschäfte ohne Umwege am Frühstückstisch des Ehepaars besprochen werden. Die Raiffeisen-Führung brauchte lange, bis sich bei ihr die Einsicht durchrang, dass es selten gut kommt, wenn der Chef eines Unternehmens mit einer Kaderfrau liiert ist.

Ebenfalls zu reden gibt die Beziehung von Raiffeisen-Chef Patrik Gisel und seiner Partnerin, die ebenfalls bei Raiffeisen angestellt ist. Früher war sie die Assistentin des Informatikchefs, seit zwei Jahren nun sitzt sie im Vorzimmer des Risikochefs. Seit über zwei Jahren ist Gisel nun Chef der Raiffeisen Schweiz. Er und seine Partnerin hätten also genügend Zeit gehabt, eine Lösung ausserhalb der Raiffeisen zu suchen. Das empfand man offenbar nicht für nötig.

Status ist «Privatsache»

Das Paar scheint nun das schwelende Corporate-Governance-Problem auf seine Weise gelöst zu haben – nämlich, indem es sich vor kurzem trennte, wie eine vertraute Quelle aus dem Innern der Bank zu berichten weiss. Die Kommunikationsstelle von Raiffeisen behandelt das Beziehungsleben ihres Chefs als reine «Privatsache» und will sich dazu nicht äussern. Man erhält jedoch den Eindruck, dass man bei Raiffeisen nicht unglücklich ist, dass das Governance-Problem gelöst ist – auf welche Weise es sich auch immer gelöst zu haben scheint.