Lieferdienste
Liefert die Migros bald innert 40 Minuten nach Hause? In der Deutschschweiz läuft ein Test mit einem umstrittenen Dienst

Die Migros hat diese Woche das Gebiet ihres Lieferdienstes MyMigros ausgedehnt. Dabei soll es nicht bleiben. Ein Test läuft mit einem Anbieter, der von Gewerkschaften heftig kritisiert wurde.

Stefan Ehrbar
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Bald in Zürich mit Migros-Produkten unterwegs? Ein Smood-Kurierauto.

Bald in Zürich mit Migros-Produkten unterwegs? Ein Smood-Kurierauto.

zvg

Vor einem Jahr, als das Coronavirus das Land in den ersten Lockdown zwang, machten viele Schweizer Bekanntschaft mit dem Einkaufen von Lebensmitteln im Internet. Sie wurden enttäuscht. Bei Migros und Coop waren die Lieferfenster teils tagelang ausgebucht. Das soll sich nun ändern. Mit dem Dienst «myMigros» liefert die Detailhändlerin Einkäufe etwa am selben Tag aus.

Seit dieser Woche ist myMigros auch in Teilen der Stadt Zürich aktiv, wie eine Sprecherin bestätigt. Bei myMigros handelt es sich um ein Projekt der Genossenschaft Migros Aare, das bereits 2018 gestartet wurde, zunächst allerdings nur in kleinen Teilen der Stadt Bern. Letztes Jahr wurde das Liefergebiet auf mehr Postleitzahlen im Raum Bern, aber auch in Thun, Solothurn, Aarau oder Spreitenbach ausgeweitet.

Lieferung innert 60 Minuten?

Eine Sprecherin der Migros Genossenschaft Zürich bestätigt, dass nun auch Testläufe mit myMigros in einer beschränkten Anzahl Postleitzahlen in der Stadt Zürich laufen. Wer bei myMigros vor 11 Uhr bestellt, wird am selben Tag ab 18 Uhr beliefert.

Im Vergleich zu kleineren Online-Supermärkten ist das allerdings immer noch langsam. Anbieter wie Bringr, Bringgo oder die Kioskette Valora mit «Avec Now» versprechen in vielen urbanen Gebieten eine Lieferung innert 60 Minuten mit tiefen Gebühren. Dafür arbeiten sie mit lokalen Velo- oder Autokurieren zusammen. Die Migros hat in diesem Geschäft ebenfalls einen Fuss drin: Der Convenience-Ableger Migrolino verspricht mit seinem Dienst «heymigrolino» ebenfalls eine Lieferung innert 60 Minuten in verschiedenen Orten rund um die Stadt Zürich und in Winterthur.

Wie fair ist das Geschäftsmodell?

Nun deuten Anzeichen daraufhin, dass die Migros auch mit ihren Kern-Supermärkten in diesen Bereich vorstossen will. Diese Woche hat sie in der Stadt Zürich einen Test mit dem Kurierdienst Smood durchgeführt, wie CH Media weiss. Während eines kurzen Zeitraums konnten Kunden Produkte der Migros-Filiale am Zürcher Limmatplatz bestellen, die innert 40 bis 45 Minuten geliefert wurden.

Mit der Westschweizer Firma Smood, die in 18 Städten mit ihrem Kurierdienst präsent ist, arbeitet die Migros bereits in der Westschweiz, im Wallis und im Tessin zusammen. Smood stand vor einem Jahr in der Kritik: Die Gewerkschaft Syndicom hatte im «Kassensturz» das Geschäftsmodell kritisiert. Die Kuriere würden brutto nur 19 Franken pro Stunde verdienen und müssten für Auslagen wie das Handy oder das Fahrzeug mehrheitlich selber aufkommen. Ihre Arbeitspläne würden sehr kurzfristig definiert. Die Vorwürfe seien haltlos, dementierte ein Migros-Sprecher gegenüber dieser Zeitung. Der Umgang von Smood mit den Mitarbeitern sei fair. Sie seien vollwertig angestellt und profitierten von Sozialversicherungen.

Lieferservices werden wichtiger

Kommen schnelle Migros-Lieferungen mit Smood nun auch in der Deutschschweiz zum Einsatz? «Smood ist ein interessantes Konzept mit Vor- und Nachteilen für unsere Kundinnen und Kunden sowie auch für den Filial-Betrieb, entsprechend muss es erst getestet werden», sagt eine Sprecherin der Migros Genossenschaft Zürich.

Die Migros wolle nahe an ihren Kunden sein. Online-Shops, das sogenannte Store Picking und Lieferservices für Einkäufe des täglichen Bedarfs würden immer wichtiger, sagt sie. «Insbesondere in urbanen Gebieten wie dem Wirtschaftsgebiet der Migros Zürich möchte die Kundschaft von diesen bequemen Einkaufsmöglichkeiten profitieren.»