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LIEFERUNG: Inspiration für ideenlose Köche

Der Markt für Online-Lebensmittelhandel ist ins Stocken geraten. Aber innovative Firmen wie Kochpost, welche Rezeptpakete mit Zutaten liefern, legen zu.
Nena Weibel und Lukas Scharpf
Keine Idee, was Sie kochen sollen? Im Internet hilft man Ihnen gerne. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Keine Idee, was Sie kochen sollen? Im Internet hilft man Ihnen gerne. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Derzeit reiht sich am Fernsehen eine Kochshow an die andere. Spätestens seit Jamie Oliver als der «naked chef» das Format jung und cool gemacht hat, liegen Kochsendungen auch für jüngere Leute im Trend. Aber die Shows dienen vor allem der Unterhaltung. Die hohen Einschaltquoten bedeuten noch nicht, dass fleissig nachgekocht wird. «Das alleinige Zuschauen motiviert nicht zum Mitmachen, es weckt eher Erinnerungen an die Zeiten, wo Mama am Herd stand und die Zubereitung der Speisen ein Familienereignis darstellte», erklärt Mirjam Hauser vom Gottlieb-Duttweiler-Institut in Rüschlikon. Die Gerichte in den Kochshows würden selten nachgekocht.

Zeit am Herd nimmt ab

«Studien zeigen, dass die Zeit am Herd kontinuierlich abnimmt», sagt die Trendforscherin Hauser. Man ist viel unterwegs, wobei viel Zeit verloren geht. Hauser sieht aber eine Trendwende in Sachen Ernährung: weg von den schnellen Convenience- und Konservenprodukten wieder hin zum Zubereiten frischer, gesunder Zutaten. «Es wird wieder vermehrt Wert auf Selbstgemachtes gelegt. Deshalb ist die heutige Gesellschaft auf Angebote angewiesen, die beides vereinen: schnell und selbst gemacht», so Hauser weiter. Dies zeige sich auch in den vielen neuartigen Restaurantkonzepten, bei denen frisch, gesund und natürlich die Devise sei – auch im Fast-Food-Bereich.

Die Schweizer Firma Kochpost widmet sich diesem Gesellschaftsbedürfnis von gesundem, selbst gemachtem und schnellem Essen. Seit 2011 gibt es nun die Möglichkeit, bei der Firma Kochpost ein Wochenmenü mit Rezept und den benötigten Lebensmitteln, die saisonal und frisch sind, übers Internet zu bestellen. Die Produkte stammen nach Angaben von Kochpost fast ausschliesslich aus der Schweiz und sind mehrheitlich biologisch. «Das Ziel von Kochpost ist es, mit wenig Zeit und Aufwand eine vollwertige, gesunde und abwechslungsreiche Ernährung anbieten zu können», sagt Christian Ersing, der zusammen mit Marc Pallioppi Kochpost gründete. Denn der Hobbykoch vermisse mit seinen Standardrezepten oftmals Abwechslung im täglichen Menüplan. Zudem stecke in Grosspackungen grosses Verschwendungspotenzial, insbesondere für Paare und Alleinstehende, so Ersing.

Zeit beim Einkaufen sparen

Bisher scheint das Konzept sehr erfolgversprechend – dies schlage sich auch in den Zahlen nieder. «Wir sind stark wachsend, beliefern die gesamte Deutschschweiz und Teile der Romandie und des Tessins. Das Geschäft läuft noch besser, als wir es erwartet hatten», sagt Ersing. Im Moment wird pro Woche eine hohe dreistellige Anzahl der Kochboxen geliefert. Inzwischen wurde das Angebot ausgeweitet: Seit kurzem gibt es eine vegetarische Variante sowie eine Singlebox. Auch die Trendforscherin Hauser bescheinigt der Essenbestellung über das Internet ein grosses Wachstumspotenzial. «Dadurch können Menschen, die mit anderen Dingen beschäftigt sind, eine Wertschätzung und Freude für das Essen entwickeln und sich vermehrt mit dem Kochen auseinandersetzen», so Hauser. Denn wer weniger lange inspirationslos Zeit mit dem Einkauf verschwendet, hat mehr Zeit für die schönen Dinge am Herd: selber den Löffel schwingen und das eigene Essen geniessen.

Der Pöstler bringts

Die Post bringt den Einkauf. Profiköche machen sich Gedanken darüber, womit man sich heute wohl den Magen füllen könnte, und kreieren die Rezepte. Es gibt keine Reste, keine Essensverschwendung, Mikrowelle und Dosenöffner werden überflüssig. Das neue Geschäftsmodell Kochpost entspricht somit den Bedürfnissen vieler Berufstätigen. Wenn das Paket von Kochpost am Montag- oder Dienstagabend vor der Haustüre liegt, hat man für jeden Abend bereits die Ernährung gesichert. Denn in der Kochpost befinden sich die Zutaten und die Rezepte für drei oder vier gesunde Mahlzeiten. Frischeprodukte kommen auch frisch an. Die Boxen werden im Kühlwagen frühmorgens zur Post geliefert. Anschliessend sorgt eine Passivkühlung mit Kühltaschen und so genannten Kühlakkus für die notwendigen tiefen Temperaturen.

«Mit der Kochpost wollen wir wieder Freude an den heimischen Herd bringen. So können sich die Leute abwechslungsreicher ernähren und neue Inspiration holen», sagt Mitbegründer Ersing zur Idee, die ihre Anfänge in Schweden fand. Dort sind ähnliche Geschäftskonzepte schon länger hoch im Kurs. Begonnen hat diese Essensbelieferung 2007 mit dem Anbieter Middagsfrid (zu Deutsch Abendessenfrieden). Heute sind es bereits 30 Anbieter in Schweden. Auch bei den deutschen Nachbarn wird das Essen vermehrt über das Internet abgestimmt in Paketen bestellt. Hello Fresh etwa liefert deutschlandweit Boxen, aber es gibt diverse Anbieter.

Der Erfolg ihrer Idee hat Nachahmer auf den Plan gerufen. «Wir haben von allen Mitbewerbern das grösste Produkteportfolio und das weiteste Liefergebiet. Auch haben wir unseres Wissens nach das beste Preis-Leistungs-Verhältnis», so Ersing. Auch der grosse Detailhändler Coop hat Angebote in der Richtung. Auf dem Onlineshop Coop@home können Rezepte ausgewählt und auf Knopfdruck die Produkte dafür in den Warenkorb abgelegt werden. Das Angebot von Kochpost ist allerdings weit ausgefeilter. Offen bleibt, wie viel Potenzial der Onlinehandel mit Lebensmitteln tatsächlich hat. Der Umsatz von Le Shop zum Beispiel stagnierte 2012 bei 150 Millionen Franken.

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