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LINDT & SPRÜNGLI: Forrest Gumps Pralinés laufen schlecht

Der neue Mann an der Spitze des Schokoladenkonzerns baut die internationalen Verkäufe weiter aus. In den USA muss der Konzernchef allerdings einen Rückschlag in Kauf nehmen. Eine zuckerfreie Schokolade soll nun neuen Erfolg bringen.
Ernst Meier
Dieter Weisskopf, CEO von Lindt & Sprüngli, steht unter Druck. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Kilchberg, 6. März 2017))

Dieter Weisskopf, CEO von Lindt & Sprüngli, steht unter Druck. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Kilchberg, 6. März 2017))

Ernst Meier

«Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinés: Man weiss nie, was man bekommt.» Das Zitat von Forrest Gump respektive seiner Mutter im gleichnamigen Film ging um die Welt. Vor genau drei Jahren kaufte Lindt & Sprüngli die US-Schokoladenfirma Russell Stover, deren Pralinés im Film vernascht werden. Auf 1,2 bis 1,4 Milliarden Dollar schätzten Analysten damals den Kaufpreis. Eine stolze Summe für ein Unternehmen mit 500 Millionen Dollar Umsatz. Dank des Zukaufs stieg Lindt zur Nummer 3 auf dem nordamerikanischen Markt auf – und zum Marktführer bei Premiumschokolade in den USA.

An die Lebensweisheit von Mutter Gump wurde auch Lindt & Sprüngli-Chef Dieter Weisskopf in den letzten Monaten erinnert, denn der börsen­kotierte Schokoladenkonzern präsentierte gestern Halbjahreszahlen, die durch das schleppende US-Geschäft gebremst wurden. Namentlich Russell Stover «versalzte mit einem Umsatzrückgang von 20 Prozent das süsse Ergebnis von Lindt», wie es gestern aus Analystenkreisen hiess. Aktienbroker Baader Helvea kritisierte, dass die US-Schoggitochter bereits das zweite Jahr in Folge im Minus stehe. «Es stellt sich die Frage, ob der Zukauf der richtige strategische Schritt war», schreibt der Vermögensverwalter. Wo liegt das Problem mit den Pralinés von Forrest Gump? «Die Neuausrichtung der Marke dauert länger als bisher erwartet», muss CEO Dieter Weisskopf zugeben. Er hat vor einem halben Jahr den langjährigen Konzernchef Ernst Tanner abgelöst. Tanner legte von 1993 bis 2016 als CEO des Unternehmens eine einzigartige Wachstumsstory hin. Eine Vorgabe, die Weisskopf mit allen Mitteln weiterführen muss, wenn ihm sein Job lieb ist. Denn Tanner wacht als Verwaltungsratspräsident über ihm – und sein Sohn Derek Tanner (36) verdient sich als Leiter der Abteilung Global Retail seine Sporen in der Firma. Er könnte dereinst für höhere Aufgaben berufen werden.

Gesunde Snacks statt Schokoriegel

Nordamerika trägt über einen Drittel zum Gesamtumsatz von Lindt & Sprüngli bei. Dieser Markt ist in den letzten Monaten um 3 Prozent geschrumpft. Die Gründe: Der US-Markt ist gesättigt, durch den wachsenden Onlinehandel ändern sich die Shoppinggewohnheiten, und die Konsumenten berücksichtigen bei Einkäufen vermehrt gesundheitliche Aspekte. US-Konsumenten seien an einem Punkt angelangt, wo sie sich sagen, «lieber weniger essen, dafür Qualität», sagt Weisskopf. Entsprechend würde sich Premiumschokolade – beispielsweise Lindor-Kugeln – in den USA gut verkaufen. Gewöhnliche Schokoriegel oder günstigere Pralinés werden aber vermehrt gemieden, da Amerikaner zu kalorienarmen Snacks wie Proteinriegeln wechseln. Dieser Trend zeigt sich auch im Angebot der in den USA weit verbreiteten sogenannten Drugstores – eine Mischung zwischen Lebensmittelladen und Drogerie. Die Drugstores verkleinern zunehmend die Verkaufsfläche mit Süssigkeiten. Laut Dieter Weisskopf habe Lindt & Sprüngli den Trend rechtzeitig erkannt. So baue man das Sortiment von Russell Stover komplett um. «Nicht rentable Produkte werden eliminiert und neue, innovative Konzepte entwickelt.» Als Beispiel nannte Weisskopf eine neue zuckerfreie Linie von Russell Stover. Die mit Stevia gesüsste Schokolade werde demnächst in den USA lanciert, verriet er.

Die Bank Vontobel rechnet ab 2018 wieder mit Wachstum und guten Profiten für Lindt & Sprüngli in den USA. Vorausgesetzt, die Amerikaner greifen bei der «sugarfree chocolate» fleissig zu.

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