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LIQUIDITÄTSPROBLEME: Chinesische Beteiligungsgesellschaft HNA wird zur Belastung für die Börse

Der hochverschuldete chinesische Finanz- und Beteiligungskoloss HNA weckt als Grossaktionär beim Reisedetailhändler Dufry und bei der Deutschen Bank Bedenken unter den Miteigentümern.
Daniel Zulauf
Haupteingang zum Hauptsitz der Dufry Group in Basel: Mit 20,9 Prozent ist HNA die grösste Aktionärin des Schweizer Reisedetailhändlers. (Bild: Patrick Straub/Keystone (8. Februar 2017))

Haupteingang zum Hauptsitz der Dufry Group in Basel: Mit 20,9 Prozent ist HNA die grösste Aktionärin des Schweizer Reisedetailhändlers. (Bild: Patrick Straub/Keystone (8. Februar 2017))

Daniel Zulauf

Der Druck der internationalen ­Finanzmärkte auf die hochverschuldete HNA Group ist nicht kleiner geworden, seit Chairman Adam Tan am Dienstag in Peking die Liquiditätsprobleme des Unternehmens öffentlich eingestehen musste. Tan sagte, HNA ziehe zur Stärkung der Bilanz auch den Verkauf von Vermögenswerten in Erwägung. Nur Stunden später bestätigte die zu HNA gehörende Schweizer Airline-Catering-Firma Gategroup, die Gesellschaft prüfe die Möglichkeiten für eine Rückkehr an die Schweizer Börse.

HNA hatte Gategroup 2016 für 1,4 Milliarden Franken übernommen und anschliessend dekotieren lassen. Durch den Rückverkauf der Beteiligung an ein breites Anlegerpublikum könnte HNA an Mittel gelangen, die sie zur Tilgung ihrer immensen Schulden benötigt. Finanzanalysten zufolge muss HNA bis Juni 2018 nicht weniger als 28 Milliarden Dollar Schulden zurückzahlen. Die Schulden sind das Ergebnis einer beispiellosen Serie von Firmenkäufen, für die HNA seit Anfang 2016 über 40 Milliarden Dollar ausgegeben hat.

Inzwischen hat die Regierung in Peking HNA und andere Unternehmen auf ihrem scharfen Expansionskurs im Westen zurückgepfiffen und Restriktionen für Engagements in verschiedenen Sektoren wie Immobilien, Hotels, Film, Unterhaltung und Sport erlassen. Doch die Desinvestition einiger Immobilien wird kaum ausreichen, um die angespannte bilanzielle Situation von HNA entscheidend zu entschärfen.

Konsequenzen des Reputationsverlusts

«Es ist wahrscheinlich, dass die (HNA, Anm. d. Red.) ihre liquidesten Vermögenswerte zuerst verkauft, einschliesslich jener, die bereits an der Börse gehandelt werden», sagte Finanzanalyst Nigel Stevenson von GMT Research in Hongkong nach Tans Auftritt der Nachrichtenagentur Bloomberg. «Jeder weiss, dass sie schwer verschuldet ist und versucht zu verkaufen. Es gibt schwierige Verhandlungen.»

René Weber, Finanzanalyst der Bank Vontobel, beobachtet die Konsequenzen des Reputationsverlustes von HNA schon seit geraumer Zeit am Verlauf des Aktienkurses des Schweizer Dutyfreehändlers Dufry. HNA ist mit 20,9 Prozent die grösste Aktionärin des Reisedetailhändlers, und seit Mitte Juli haben die Aktien mehr als 12 Prozent an Wert verloren, während der Gesamtmarkt um fast 6 Prozent gestiegen ist. Für René Weber ist dieser negative Kursverlauf ganz klar Ausdruck dafür, dass sich die Investoren vor einem Ausverkauf bei Dufry fürchten. Als HNA im Februar bei Dufry eingestiegen sei, habe die Börse noch klar positiv reagiert und sogar auf eine vollständige Übernahme spekuliert, erinnert sich Weber.

Einen ähnlichen Effekt in den Aktien der Deutschen Bank will Daniel Regli, Finanzanalyst beim deutschen Wertpapierbroker Mainfirst, bislang noch nicht beobachtet haben. Ein Berufskollege, der nicht genannt werden möchte, meint aber, dass die Chinesen mit ihrem knapp 10-prozentigen Aktienanteil am führenden deutschen Kredithaus sicher keinen positiven Einfluss ausüben würden. Pikanterweise war es just die besonders auf Sicherheit bedachte UBS, die HNA den Grossteil der über 3 Milliarden Euro teuren Finanzierung der Deutsche-Bank-Beteiligung ermöglicht hatte.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht verlangt, dass die Schweizer Banken ihre Risiken, einschliesslich die Reputationsrisiken, angemessen im Griff ­haben. Vor diesem Hintergrund ist man bei der UBS gut beraten, den weiteren Verlauf der HNA-Saga gut im Auge zu behalten.

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