TV-Fussball
Live und «Liver»: Auch an der WM in Brasilien jubeln Kabelkunden als Erste

Ärgerlich: Der Nachbar jubelt schon, während man den Fussball noch in der Spielmitte sieht. DSL-Kunden haben gegenüber Kabelkunden eine lange Leitung. Die Verzögerung beträgt teils über 10 Sekunden. Das wird sich auch bei der WM im Juni nicht ändern.

Matthias Niklowitz
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«Goal, Goooaaal!» schallte es am 15. Oktober letzten Jahres zwei Minuten vor halb zehn Uhr abends, als die Schweiz mit 1:0 gegen Slowenien alles klarmachte für die Fussball-WM im Juni in Brasilien.

In Fussball-Bars und Haushalten, die über ein Kabelnetzbetreiber wie Cablecom fernsehen, kam der Torjubel fünfzehn Sekunden früher. «Das nervt gewaltig, wenn ich über Swisscom-TV den Fussball noch im Mittelfeld sehe, und meine Nachbarn schon im Torjubel sind», so ein Fussballfan. Und noch etwas später jubeln die Zuschauer, die über ihre Smartphones via Mobilnetze an den Spielen teilhaben.

Die Unterschiede wird es auch an der diesjährigen Fussball-WM geben, wie ein Swisscom-Sprecher bestätigte. Auch Sunrise-Kunden werden ihre Nachbarn zuerst jubeln hören, denn beim zweitgrössten Telekom-Netzbetreiber kommen die Signale über Telefonleitungen. «Die Verzögerung entsteht durch die Umwandlung des Signals ab Satellit oder Kabel auf den IPTV-Standard», so Sunrise-Sprecher Markus Werner. «Das Signal muss für das digitale Fernsehen erst komprimiert, umgewandelt und gepuffert werden. Deshalb gibt es beim digitalen TV gegenüber dem analogen Signal eine Verzögerung.»

Bündel verhindern Wechsel

Technisch könne man nichts dagegen tun, denn die Verzögerung habe nichts mit der Kapazität der Leitung zu tun, so Werner weiter. Weil jedoch immer mehr Kunden digitales TV und HD schauen, werde es immer seltener vorkommen, dass der Nachbar ein paar Sekunden früher jubelt.

«Kabelnetze wie unseres haben eine höhere Kapazität», sagt Cablecom-Sprecher Andreas Werz. «Dadurch muss das Signal nicht so hoch verschlüsselt werden wie bei den Telefon-Netzbetreibern.» Auch sei die Bildqualität etwas besser, was sich insbesondere bei Grossbildschirmen bemerkbar mache, so Werz weiter. «Besonders wenn zwei Fussballer-Beizen, die nebeneinander sind, ihre Signale über unterschiedliche Netze beziehen, kann das zu merkwürdigen Situationen führen. Während die einen bereits ein Tor bejubeln können, müssen die anderen ein paar Sekunden länger darauf warten.»

Noch länger warten müssen die Fans, die über ihre iPhones oder Galaxy-Smartphones an der Fussball-WM dabei sind.

Offen ist, ob und wie stark sich das bei den Kunden-Abonnements bemerkbar machen wird. Telekom-Analysten verweisen darauf, dass Netzbetreiber ihre Produktebündel (Mobil, Festnetztelefonie, Internet und Fernsehen) auch deshalb so eng schnüren, damit die Kunden nicht gleich wieder abwandern, nur weil die Nachbarn früher jubeln.