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810'000 Franken für Helsana-CEO: Bei neun der zwölf grössten Versicherer sind die Chefsaläre gestiegen

Die meisten Chefs der grössten Krankenkassen in der Schweiz haben im vergangenen Jahr mehr verdient. Die Vergütungen kletterten um bis zu 18 Prozent. Nach welchen Kriterien sich der Bonus bei den Krankenversicherungen wie Helsana bemisst, ist nicht bekannt.
Andreas Möckli

Mit einem Lohn von 810'000 Franken ist Daniel Schmutz der Topverdiener. Der Chef der Helsana hat unter den zwölf grössten Krankenkassen für das Jahr 2018 die höchste Vergütung erhalten. Der zweite und dritte Platz gehen an CSS-Chefin Philomena Colatrella und Assura-Chef Ruedi Bodenmann (siehe Grafik unten). Wird die Zahl der Grundversicherten als Massstab herangezogen, sind die drei Krankenversicherer die grössten Kassen des Landes.

Auffallend bei der Auswertung ist die Veränderung der Löhne im Vergleich zum Jahr 2017. Bei neun der zwölf grössten Versicherer sind die Chefsaläre gestiegen. Nur die Groupe Mutuel und die ÖKK haben weniger ausbezahlt. Bei der Basler Sympany ist ein Vergleich nicht möglich, da das Unternehmen 2017 den Chef wechselte. Stark gestiegen ist der Lohn etwa bei Helsana-Chef Schmutz, der im Vergleich zu 2017 beachtliche 18 Prozent mehr erhielt. «Die Vergütungen nahmen gegenüber 2017 leicht zu», sagt eine Sprecherin des Versicherers. Ausschlaggebend sei der variable Teil der Vergütung gewesen, sprich der Bonus. Helsana sei es unter anderem gelungen, die Zufriedenheit der Kunden und auch deren Zahl zu steigern.

«Aus Sicht der Grundversicherten gibt es wenig Verständnis für solche Löhne»: Bea Heim, Nationalrätin (SP/SO)

Ein Blick in die Zahlen der grössten Krankenversicherer liefert Erklärungsansätze für die gestiegenen Löhne. Viele Kassen haben im Versicherungsbereich besser abgeschnitten. So stiegen die Leistungskosten nicht mehr so stark oder sanken gar, wie etwa bei der Helsana oder Swica. Bei diesem Posten handelt sich etwa um Ausgaben für die Behandlungen der Kunden in Spitälern, bei Ärzten oder Medikamentenkosten. Gleichzeitig mussten die Versicherer einen Dämpfer bei den Kapitalanlagen hinnehmen. Aufgrund der schwachen Entwicklung, etwa an den Aktienmärkten, verbuchten einige Kassen wie Helsana hier einen Verlust oder mussten zumindest einen Einnahmerückgang hinnehmen.

Bonus-Kriterien unbekannt

Nach welchen Kriterien sich der Bonus bei den Krankenversicherungen wie Helsana bemisst, ist nicht bekannt. Die Kassen müssen die Löhne der Chefs und des Verwaltungsrats zwar seit 2016 offenlegen. Vielmehr als diese Zahlen lassen sich jedoch in den Geschäftsberichten der Versicherer nicht finden. Bei Helsana sind die Lohnschwankungen ihres Chefs in den letzten Jahren gross. So stieg der Lohn von Schmutz 2015 um 40 Prozent auf knapp 940'000 Franken. Im Jahr darauf sank das Salär um rund 30 Prozent.

Nicht immer lässt sich der ­Anstieg der Löhne mit dem Geschäftsgang begründen. Bei der Sanitas etwa ist ein Chefwechsel für die hohe Lohnsumme verantwortlich. So wurde Max Schönholzer vom Verwaltungsrat Ende Januar 2018 per sofort freigestellt. Er erhielt jedoch während seiner sechsmonatigen Kündigungsfrist weiterhin sein Salär. Zudem sei sein Bonus aus dem Jahr 2017 erst im vergangenen Jahr ausbezahlt worden, sagt ein Sprecher.

«Mit der Diskussion wird eine alte Neiddebatte aufgefrischt»: Roland Eberle (SVP/TG)

Unabhängig von den jährlichen Schwankungen wird schön länger über die Löhne der Kassenchefs diskutiert. Schliesslich verdienen die Versicherer einen beachtlichen Teil ihrer Prämien in der Grundversicherung, die in der Schweiz obligatorisch ist. Oft wird daher der Lohn eines Bundesrats herangezogen, der gut 480'000 Franken inklusive Spesen verdient. Das Argument bringt etwa SP-Gesundheitspolitikerin Bea Heim vor. «Es kann nicht angehen, dass mit Prämien der Grundversicherten höhere Löhne bezahlt werden, als ein Bundesrat erhält.» Gleichzeitig wüssten viele Menschen im Land kaum noch, wie sie die dauernd steigenden Prämien zahlen sollen, sagt die Solothurnerin. Sie sei daher überzeugt, dass es aus Sicht der Grundversicherten wenig Verständnis für solche Löhne gebe.

Erhöhte Anforderungen

Bürgerliche Gesundheitspolitiker halten dagegen wenig von dieser Kritik. «Mit der Diskussion wird eine alte Neiddebatte aufgefrischt», sagt der Thurgauer SVP-Ständerat Roland Eberle. Ohnehin würde auch bei den Bundesbetrieben wie der Post oder den SBB über eine Limitierung der Managerlöhne gestritten, was er auch mit dem laufenden Wahlkampf in Verbindung bringt. Wer tiefere Löhne fordere, erwecke den Eindruck, es brauche gar keine unternehmerische Leistung, um eine Krankenkasse zu führen. Das sei jedoch falsch. Der Krankenversicherungsbereich werde laufend komplexer, sagt Eberle, der Vizepräsident der Groupe Mutuel ist. Gerade die zunehmende staatliche Regulierung erhöhe die Anforderungen an die Führungsequipe.

CVP-Nationalrätin Ruth Humbel sitzt ebenfalls im Verwaltungsrat einer Krankenkasse, der Concordia mit Sitz in Luzern. «Aus Sicht der obligatorischen Krankenversicherung sind solche Löhne zu hoch.» Dies gelte insbesondere für einen Bereich, in dem sehr vieles vom Staat reguliert werde. Jedoch müssten auch die anderen Geschäftsbereiche einer Krankenversicherung einbezogen werden. So würden diese etwa Zusatz- oder Unfallversicherungen anbieten.

Es sei wichtig, dass keine exorbitanten Löhne bezahlt würden, sagt BDP-Nationalrat Lorenz Hess. Er ist Präsident der Krankenkasse Visana. «Die Vergütung für unseren CEO von 567'000 Franken ist adäquat.» Als Argumente führt er die Grösse des Unternehmens ins Feld, aber auch die Verantwortung, die ein Chef trägt, sowie die hohe Regulierungsdichte in der Branche.

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