LÖHNE: Millionen trotz Milliardenverlust

Die UBS bezahlt ihren elf Konzern­leitungsmitgliedern insgesamt 70,4 Millionen Franken Gehalt. Dabei profitieren sie von der Art der Berechnung der Vergütung.

Roman Schenkel
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Andrea Orcel, Chef des UBS-Investmentbankings, kassierte 25 Millionen Antrittsgeld. (Bild: Keystone)

Andrea Orcel, Chef des UBS-Investmentbankings, kassierte 25 Millionen Antrittsgeld. (Bild: Keystone)

Das Jahr 2012 war kein gutes für die grösste Schweizer Bank: 2,5 Milliarden Franken Verlust musste die UBS am Ende des Jahres hinnehmen. Das operative Ergebnis wurde von diversen Sondereffekten belastet: die Rückstellungen in Milliardenhöhe wegen der Liboraffäre und anderer Rechtsfälle, die Aufwertung der eigenen Schulden und die Goodwill-Abschreiber. Hinzu kamen die Kosten für den Konzernumbau, dem in den nächsten Jahren 10 000 Stellen zum Opfer fallen werden.

Die Frage, ob die Konzernspitze vor diesem Hintergrund und der aktuellen politischen Stimmung im Land auf ihre Boni verzichten würde, kann mit einem klaren Nein beantwortet werden. Der Blick in den Vergütungsbericht, der gestern zusammen mit dem Geschäftsbericht der UBS veröffentlicht wurde, zeigt, dass die elf Mitglieder der UBS-Konzernleitung mit insgesamt 70,4 Millionen Franken entschädigt wurden. Das sind 6,4 Millionen Franken pro Kopf.

Die Gesamtvergütung der UBS-Konzernleitung blieb 2012 im Vergleich zum Vorjahr praktisch gleich hoch. 2011 hatte sich die Gesamtvergütung für die Konzernleitung auf 70,1 Millionen Franken belaufen, 2010 auf 91 Millionen Franken.

Ermotti verdient am meisten

Bestbezahlter UBS-Manager ist Konzernchef Sergio Ermotti. Die UBS steht ihrem Konzernchef für das letzte Jahr einen Lohn und Boni in Höhe von 8,9 Millionen Franken zu. Das ist deutlich mehr als im Vorjahr, als Ermotti allerdings erst im Frühling zur UBS stiess und erst im Oktober auf den Chefsessel gehievt wurde.

Allerdings wird Ermotti «nur» 2,5 Millionen Franken in bar ausbezahlt, der Rest wird nicht sofort ausgerichtet, sondern um drei bis fünf Jahre aufgeschoben. Die letztlich ausgerichteten Summen werden somit auch noch von Leistungen in den kommenden Jahren abhängen. Diese sogenannte «Deferred Compensation» wird quer durch die Bank angewendet. Das Aufschieben von Lohn- und Bonusansprüchen soll die Eigenverantwortung des Topmanagements stärken.

Nummer zwei hinter Ermotti in der Geschäftsleitung ist Robert McCann, der Leiter der Vermögensverwaltung in Nord- und Südamerika. Er erhielt insgesamt 8,6 Millionen Franken und damit rund 600 000 Franken weniger als 2011. Im letzten Jahr war McCann noch bestbezahlter Manager der UBS.

Bereits bei der Präsentation des Jahresergebnisses im Februar hatte die UBS bekannt gegeben, dass sie ihren Angestellten Boni von insgesamt 2,5 Milliarden Franken ausschütten werde. Der Boni-Topf ist damit um 7 Prozent kleiner ausgefallen als noch 2011, wobei allerdings gleichzeitig auch die Zahl der Mitarbeitenden sank. Dass die Grossbank UBS trotz eines Milliardenverlustes von 2,5 Milliarden Franken der Geschäftsleitung Boni bezahlt, begründet Verwaltungsratspräsident Axel Weber mit der guten Entwicklung der Bank. «Wir haben 2012 wichtige Weichen für die Zukunft von UBS gestellt und gute Fortschritte bei der Lösung vergangenheitsbezogener Probleme gemacht», so Weber in einer auf dem UBS-Intranet veröffentlichten Stellungnahme.

Vorsteuergewinn entscheidend

Die Begründung des Verwaltungsratspräsidenten zeigt sich auch in der Berechnung der Boni für die Chefetage. Der Bonuspool für die Konzernspitze richtet sich nämlich nicht nach dem ausgewiesenen Gesamtergebnis 2012 – also dem Verlust von 2,5 Milliarden Franken. Für die Berechnung der Boni von Ermotti und Co. ist der «bereinigte Vorsteuergewinn» massgebend. Dieser beträgt laut UBS-Geschäftsbericht 3 Milliarden Franken. In diesem bereinigten Ergebnis sind die Goodwill-Abschreiber, die Abbaukosten und die Aufwertung der eigenen Schulden eben gerade ausgeklammert. Nicht ausgeklammert für die Boni-Berechnung hat die UBS aber die Bussen im Zusammenhang mit dem Libor-Fall – das waren rund 1,6 Milliarden Franken.

Umstrittene Antrittsgage für Weber

Axel Weber selber kam allerdings ebenfalls nicht zu kurz. Der ehemalige Chef der deutschen Zentralbank, der im Frühjahr 2012 in sein Amt gewählt wurde, erhielt ein Honorar von 3,6 Millionen Franken. Gemäss dem Vergütungsbericht 2011 wurden Weber zum Amtsantritt zusätzliche 2 Millionen Franken plus 200 000 UBS-Aktien zugesprochen. Diese Antrittsgabe hatte Weber im letzten Jahr einen frostigen Empfang in der Schweiz bereitet. Insgesamt erhielten die Mitglieder des UBS-Verwaltungsrates eine Entschädigung von 11,8 Millionen Franken.

25 Millionen Franken für Andrea Orcel

Den Chef des UBS-Investmentbankings, Andrea Orcel, lockte die Grossbank laut Geschäftsbericht mit einem horrenden Antrittsgeld von 25 Millionen Franken in die Schweiz. Gerade solche Antrittsgagen würde die Abzockerinitiative – wenn sie in Kraft ist – verhindern. Orcel kam im Juli vom US-Institut Bank of America Merrill Lynch (BAC) und ist seit November alleiniger Chef des Investmentbankings. Wegen seines Erfolgs gilt er als «Regenmacher» in der Branche. Die Antrittsgage entspricht faktisch einer Transfersumme, welche die UBS für Orcel bezahlt hat. Gemäss UBS handelt es sich um eine Ersatzvergütung: «Im Einklang mit der Marktpraxis» habe Orcel dafür zu den gleichen Bedingungen entsprechende Zuteilungen als Ersatz erhalten, schreibt die Bank in ihrem Geschäftsbericht. Dies entspreche der Unternehmenspolitik der UBS. Die «Ersatzzuteilungen» für Orcel bestehen aus einer aufgeschobenen Barvergütung von 6,4 Millionen Dollar und aus einem UBS-Aktienpaket im Wert von 18,5 Millionen Franken. Orcel kann auf das Paket in Tranchen ab den Jahren 2013, 2014 und 2015 zugreifen.

rom