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LÖHNE: Reibach für die Mittelständler

Die Manager der Grosskonzerne bleiben die Topverdiener unter den Schweizer Publikumsgesellschaften. Doch die Chefs der mittelgrossen Firmen holen auf.
Daniel Zulauf
Einer der Manager von mittelständischen Unternehmen, die mehr verdienen: Georg-Fischer-CEO Yves Serra. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Einer der Manager von mittelständischen Unternehmen, die mehr verdienen: Georg-Fischer-CEO Yves Serra. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Daniel Zulauf

Seit dem Volks-Ja zur Minder-Ini­tiative müssen sich die Aktionäre der Schweizer Publikumsgesellschaften jedes Jahr von neuem entscheiden, wie viel die Chefs ihrer Unternehmen wirklich kosten dürfen. Astronomische Bezüge wie jene des früheren Novartis-Chefs Daniel Vasella, welche die statistischen Durchschnittswerte der CEO-Gehälter einst in verblüffender Weise nach oben gezogen hatten, hat man seit Minder nicht mehr gesehen.

Doch davon abgesehen hat sich das Bild mindestens optisch nicht grundlegend verändert. Nach der ersten Welle von Jahresabschlüssen lässt sich feststellen: Für die Topmanager geht es lohnmässig weiter sportlich aufwärts, und dies in einem Jahr, in dem die breite Masse der Arbeitnehmer nur auf minimale Gehaltsaufbesserungen hoffen können.

Spitzenlöhne steigen nicht mehr so stark an

UBS-Konzernchef Sergio Ermotti trug 2017 dennoch 14,2 Millionen Franken nach Hause. Das sind immerhin 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr, während das Heer der Schweizer Bankangestellten heuer mit weniger als 1 Prozent vorliebnehmen muss. Trotzdem ist Ermotti nicht wirklich vorangekommen. Sein Gehalt ist wieder da, wo es schon 2015 gewesen war – in seinem bislang erfolgreichsten Jahr.

Der UBS-Chef ist kein Einzelfall. Die Spitzenlöhne in den nach Börsenwert 20 wertvollsten Firmen des Landes entwickeln sich bei weitem nicht mehr so spek­takulär wie in früheren Jahren. ABB-Chef Ulrich Spiesshofer musste sich 2017 mit 9,3 Millionen Franken zufrieden geben, gerade mal 100 000 Franken mehr als 2016, obschon seine Aktionäre in der gleichen Zeit einen Kursgewinn von 20 Prozent einstreichen konnten. Der inzwischen ab­getretene Novartis-Chef Joseph Jimenez konnte in seinem letzten Jahr zwar noch einmal 10 Prozent auf 13,1 Millionen Franken nachlegen. Aber sein Nachfolger Vasant Narasimhan dürfte heuer deutlich weniger als 10 Millionen Franken erhalten.

Steiler aufwärts geht es mit den Cheflöhnen im Schweizer Mittelstand. Bei Yves Serra, dem langjährigen Chef des Industriekonzerns Georg Fischer, steckten 2017 knapp 3,5 Millionen Franken in der Lohntüte – rund 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Die mittelgrossen Unternehmen haben in puncto Managerlöhne gegenüber den 20 wertvollsten Firmen an der Schweizer Börse aufgeholt, weiss Alexander Wagner, Finanzprofessor an der Universität ­Zürich. Der Shareholder-Value-Spezialist hilft dem Beratungsunternehmen PwC bei dessen jährlicher Untersuchung über die Entwicklung der Managergehälter in der Schweiz. Der jüngste Bericht, der im November erschienen ist, zeigt: Von den 100 untersuchten Firmen ist der ­Mittelwert (Median) eines CEO-Gehalts der 30 Gesellschaften aus dem Mittelstand (21 bis 50) im Zeitraum von 2009 bis 2016 um zwei Drittel auf 3,6 Millionen Franken hochgeschnellt. Der Median-Lohn für die Chefs der 20 SMI-Firmen ist in der gleichen Zeit um knapp 40 Prozent gestiegen.

Deutlich zurück blieben die Chefs der sogenannten Small-Cap-Firmen (51 bis 100). Der Median-Lohn dieser Kategorie ist in der Beobachtungsperiode lediglich um 17 Prozent gestiegen.

Trend zur Vereinfachung

Für diesen Trend gibt es selbstredend viele Gründe. Einer davon ist, dass auch die mittelständischen Firmen ihre Chefs zunehmend mit Aktien bezahlen. Und die Mid-Cap-Titel laufen seit einiger Zeit überdurchschnittlich gut. Im vergangenen Jahr haben sie ihren Wert im Durchschnitt um über 30 Prozent gesteigert – doppelt so viel wie die Large-Cap-Aktien. Es bestehe ein positiver Zusammenhang zwischen Leistung beziehungsweise Kursentwicklung und dem Managerlohn, sagt ­Alexander Wagner.

Doch dieser statistische Zusammenhang ist in seinem Urteil «bescheiden». Bewegt sich der Aktienkurs eines Unternehmens im oberen Drittel der Vergleichsgruppe (Branche), steigt im Mittel auch der Gehalt des Konzernchefs um 9,5 Prozent. Im umgekehrten Fall fällt der Lohn aber um 3,8 Prozent.

Managementforscher fragen sich schon lange, weshalb dieser Zusammenhang nicht stärker ist. «In der Erklärung der Vergütungssysteme und der konkreten Bonus-Entscheidungen gibt es noch viel Spielraum nach oben», sagt Finanzprofessor Wagner. «Viele Systeme sind immer noch zu komplex und kaum verständlich. Immerhin gibt es inzwischen ­einen Trend zur Vereinfachung, der zu begrüssen ist.»

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