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Löhne steigen auch in der Finanzkrise

Teile der Schweizer Wirtschaft trotzten der internationalen Finanzkrise oder der Frankenstärke. Anders als etwa in Deutschland gleichen sich auch die Löhne zwischen Top- und Geringverdiener immer mehr an.
Niklaus Vontobel

Das Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichte seine neue Lohnstrukturerhebung. 1,7 Millionen Arbeitnehmer aus 37'000 Unternehmen verrieten alles, was das Bundesamt über ihre Löhne wissen wollte. Aus ihren Antworten hat das BFS den mittleren Bruttomonatslohn errechnet. 6502 Franken betrug dieser 2016 – 6,9 Prozent mehr als 2008.

Eine Lohnsteigerung um nominal fast 7 Prozent – und das trotz Frankenüberbewertung –, das lässt sich sehen. Zumal es in dieser Zeit so gut wie keine Teuerung gab, die Preise sanken teilweise sogar. Das klingt so, als wäre die Schweiz eine Insel der Glückseligen. Doch statistisch lässt sich dies für die Lohnentwicklung nicht stützen. Im internationalen Vergleich der OECD liegt die Schweiz zurück.

Die Schweiz kennt keine Ein-Euro-Jobs

Von 2008 bis 2016 sind die durchschnittlichen Löhne in der Schweiz lediglich um 2 Prozent gestiegen. In den OECD-Zahlen wird die Lohnsumme in der jeweiligen Landeswährung geteilt durch die Anzahl von vollzeitäquivalenten Stellen. In dieser Statistik kommt etwa Deutschland auf ein Plus von 20 Prozent. Sogar das krisengeplagte Spanien kommt auf 8 Prozent. Die dortige Wirtschaft hat auf die Finanzkrise wohl eher mit Stellenabbau reagiert als mit Lohnsenkungen.

Daniel Lampart, Chefökonom des Gewerkschaftsbundes, warnt vor den Tücken internationaler Vergleiche, nicht immer würden Äpfel mit Äpfeln verglichen. Mit Deutschland hingegen liessen sich durchaus Rückschlüsse ziehen, weil die Wirtschaftsstruktur ähnlich sei. Der Zuwachs der realen Löhne blieb von 2013 bis 2016 hinter Deutschland zurück. Insgesamt häufte sich ein Rückstand von 2,5 Prozent an. Anders gesagt: Die Löhne in der Schweiz wären 2016 ungefähr 2,5 Prozent höher gewesen, hätten sie sich so dynamisch wie in Deutschland entwickelt. Gemessen am Medianlohn wären es 160 Franken mehr gewesen. Andererseits werden in der Schweiz höhere Löhne bezahlt als in Deutschland. Gemäss OECD-Zahlen war der Durchschnittslohn im Jahr 2016 rund doppelt so hoch. Zudem konnte die Schweiz extreme Tieflöhne vermeiden, wie sie Deutschland mit den Ein-Euro-Jobs kennt.

Der Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft, Boris Zürcher, bezeichnete solche Arbeitsverhältnisse als «pitoyable» und strich als Erfolg heraus, dass man deren Verbreitung vermieden habe. Entsprechend erfreut zeigte sich Zürcher auch, dass sich die Lohnschere von 2008 bis 2016 etwas geschlossen hat, wenn man die obersten 10 Prozent der Löhne mit den untersten 10 Prozent vergleicht. Die Topverdiener legten zwar zu, um 6,3 Prozent. Doch die untersten 10 Prozent konnten dies überbieten, mit einem Zuwachs um 9,9 Prozent.

Die Relation der Toplöhne zu den Tieflöhnen verringerte sich so von 2,7 leicht auf 2,6. Das freute den Arbeitgeberverband. «Diese Zahlen weisen darauf hin, dass die Arbeitgeber das ganze Personal fair am Unternehmenserfolg teilhaben lassen», kommentierte Direktor Roland Müller. Zu den Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen lieferte die Erhebung ebenfalls neue Zahlen. So nahm die Differenz zwischen den monatlichen Bruttolöhnen leicht ab: 2016 betrug der Unterschied 12 Prozent, 2014 noch 12,5 Prozent. Was diese Differenz genau aussagt, darüber streiten Gewerkschaften und Arbeitgeber. Die Gewerkschaften reden von unhaltbaren Zuständen. Arbeitgeber weisen darauf hin, dass ganz unterschiedliche Berufe zusammengewürfelt würden. Es würden Löhne von Floristinnen und Nuklearphysikern verglichen, so der Arbeitgeberverband.

Pharmabranche erweist sich als krisenresistent

Inmitten der Finanzkrise gerieten in der Schweiz auch die Toplöhne unter Druck. Von 2010 bis 2016 gingen die obersten 10 Prozent der Löhne schweizweit zurück, im Durchschnitt um 8,5 Prozent. Im Detailhandel waren es gar 11,4 Prozent weniger. Die Topmanager der Banken hingegen konnten sich diesem Trend entziehen. Zwar wurden auch die Banken von der Finanzkrise schwer getroffen, die Grossbanken halbierten fast ihre Bilanzen, altgediente Banker wurden kurz vor der Pensionierung vor die Tür gestellt – dennoch stiegen die Toplöhne um satte 16,4 Prozent.

2016 verdienten Topmanager monatlich rund 6900 Franken mehr als 2010. Der Bankenpersonalverband sieht in diesen Zahlen die Bestätigung, dass sich bei den Banken die Lohnschere weiter öffne. Denise Chervet, die Geschäftsführerin, sagt dazu: «Das ist schwer verständlich angesichts der Leistungen, die die Angestellten in den letzten Jahren erbringen mussten.» Der Rückgang der Topmanagerlöhne im Detailhandel dürfte hingegen vor allem eine Folge des boomenden Einkaufstourismus gewesen sein.

Im Baugewerbe gingen die Toplöhne ebenfalls zurück, und zwar um 4,1 Prozent. In der Forschung und Entwicklung gab es ein Minus um 2,1 Prozent. In der Pharmaindustrie hingegen wurde 2016 monatlich fast ein Viertel mehr bezahlt als noch 2010. Die Branche konnte auch in der Finanzkrise ihre Wertschöpfung deutlich steigern, die Frankenstärke hatte auf ihre Exporte keinen Einfluss.

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