LOGISTIK: Jeder dritte Neuwagen kommt aus Altishofen

Polieren, waschen, technisch aufbereiten: Die Hälfte aller in die Schweiz importierten Autos durchläuft das Fahrzeuglogistikcenter der Firma Galliker in Altishofen. Jetzt baut der Marktführer seine Autosparte weiter aus.

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Rolf Galliker, Leiter des Bereichs Car Logistics, vor einer der riesigen Hallen, in denen die Fahrzeuge aufbereitet werden.

Rolf Galliker, Leiter des Bereichs Car Logistics, vor einer der riesigen Hallen, in denen die Fahrzeuge aufbereitet werden.

Livio Brandenberg

Mit schnellen Schritten geht Rolf Galliker (49) voran. Der Rundgang mit unserer Zeitung führt zuerst durch die grell ausgeleuchtete Spenglereihalle, wo Mitarbeiter Hagelschäden und andere kleinere Blessuren aus den Karosserien von Autos oder Lieferwagen weghämmern und -polieren. Kurz, aber genau erklärt der Geschäftsführer der Sparte Car Logistics in Altishofen, wer was macht. Hier erfahren wir mehr über einen in der Öffentlichkeit fast noch unbekannten Geschäftszweig des Transport- und Logistikunternehmens.

Galliker grüsst alle paar Meter einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin. Die meisten kennt er mit Namen. Auch wenn er der Chef ist, wirkt die Stimmung familiär, man duzt sich. Was auffällt: Alles wirkt sauber beinahe klinisch – und von A bis Z durchorganisiert. Rolf Galliker sagt nicht ohne Stolz: «Wir legen grossen Wert auf Sauberkeit und Ordnung. Nur so kann ein solcher Betrieb funktionieren.»

Bis zu 700 Autos am Tag

Immer wieder klingelt sein Handy. Nach einer knappen Antwort nimmt Rolf Galliker den Faden unseres Gesprächs nahtlos wieder auf und führt weiter über das Firmenareal. Das Gelände ist so gross, dass man mit dem Auto von Halle zu Halle fahren muss. Überall stehen rote Lastwagen und Camions mit dem Galliker-Logo.

Rund 230 Autotransporter sind schweizweit und in Europa im Dauereinsatz und bringen Autos von 14 Marken an den Hauptsitz nach Altishofen. «Wir transportieren rund 300 000 PKW pro Jahr», sagt Rolf Galliker. Von den europäischen Produktionsstandorten oder von den Seehäfen in Antwerpen, Zeebrugge und Bremerhafen, wo Fahrzeuge aus japanischer, koreanischer und amerikanischer Produktion ankommen, gelangen die Autos in die Schweiz. Die Lastwagen müssen an der Schweizer Grenze nicht lange anhalten, denn die Verzollung findet ebenfalls in Altishofen statt. Die Firma Galliker erledigt dies mittels Onlineformularen; das Zollamt Aarau macht Stichproben vor Ort.

Zirka 120 000 Fahrzeuge passieren pro Jahr das Galliker-Car-Center. Somit wird rund jedes dritte Auto, das in der Schweiz verkauft wird, in Altishofen fit gemacht für den Kunden. «Pro Arbeitstag liefern wir zwischen 500 und 700 Autos an Händler in der ganzen Schweiz aus», sagt Rolf Galliker. Momentan sind es viele Premiummarken, «uns sind aber alle Marken wichtig», betont er.

Das Autogeschäft verlaufe sehr saisonal: «Nach dem Auto-Salon in Genf, in den Sommermonaten und vor Jahresende, wenn noch Budget für ein Auto da ist, gehen die Aufträge jeweils steil nach oben», sagt Rolf Galliker.

Wie in einem James-Bond-Film

Inzwischen stehen wir in einer der zwei riesigen Autologistik-Hallen. Es sieht ein wenig aus wie in einem der Hightech-Geheimverstecke in einem James-Bond-Film. Geschäftiges Treiben, überall Bildschirme und von der Decke hängen Kabel, an denen Autos angeschlossen sind. Hier passiert, was kaum jemand weiss, aber am Schluss alle wahrnehmen. Hier werden die Fahrzeuge gelagert, gewaschen und «technisch aufbereitet».

Was das heisst, zeigt Rolf Galliker gleich an einem Beispiel: Ein Mitarbeiter, der an einem Kombi mit offener Motorhaube arbeitet, reicht ihm ein Tablet. Darauf kann die Wunschliste der einzelnen Autohändler im Detail aufgerufen werden, beispielsweise welche Radiosender in welcher Reihenfolge gespeichert werden sollen, welche Farbe das Frostschutzwasser haben soll oder welcher Nummerrahmen montiert werden soll. Die Galliker-Diagnostiker und -Mechaniker kontrollieren aber auch den Ölstand, den Reifendruck und schalten das Navigationsgerät frei. Die dazu nötigen Computerprogramme und Spezialwerkzeuge liefern die jeweiligen Hersteller.

Darüber hinaus führt das Unternehmen Galliker im Car Center auch Spezialumbauten an Privatautos oder Firmenfahrzeugen aus: Werkbänke werden in Lieferwagen eingebaut und Postfahrzeuge für den Einsatz hergerichtet. Das Altishofer Unternehmen rüstet ganze Firmenflotten aus, nimmt aber auch gebrauchte Fahrzeuge und Mietwagen zurück und stellt diese in Stand, unter anderem für den Export in den Osten oder nach Afrika.

«Geschäft hat sich ergeben»

Gut 200 Personen arbeiten in Altishofen im Bereich Car Logistics. Dazu kommen über 200 Chauffeure, die für die Sparte mit Autotransport-Lastwagen europaweit unterwegs sind. «Mit den Angestellten in der Administration sind insgesamt rund 450 Personen in der Sparte Car Logistics tätig», sagt Rolf Galliker. 15 davon seien Lehrlinge. Autos zu lagern, umzubauen und aufzupolieren, all das kam im Laufe der Jahre zum ursprünglichen Transportgeschäft hinzu. «Diese Dienstleistungen haben sich wie auch Pflege- und Kontrollarbeiten sowie das Einlösen der Fahrzeuge – über die Jahre aus unserem Kerngeschäft, dem Transport von Autos und Nutzfahrzeugen, und aus der Nachfrage ergeben», sagt Galliker (siehe Box).

Geschäftszahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht. Rolf Galliker macht auch keine Angaben dazu, wie viel der Familienbetrieb bis heute in die ganze Car-Logistics-Anlage investiert hat. Bereits im Bau ist eine weitere Lagerhalle für 1000 weitere Autos gleich neben dem heutigen Areal. Schon jetzt lagern in den drei Hallen und den Aussenparkplätzen in Altishofen im Durchschnitt über 10 000 Fahrzeuge.

«Wir bewegen uns auf einem hohen Qualitätsniveau», sagt Galliker am Schluss der Führung, als wir auf jenen Bereich zugehen, in dem die Autos noch einmal gründlich gereinigt und gestaubsaugt werden. «Unsere Kunden wollen und schätzen das», sagt er. Am Schluss werden die Karosserien sogar mit einer LED-Lampe auf Staub und andere Partikel abgeleuchtet.

Dritte Generation führt Firma

Galliker lb. Die Firma Galliker wurde 1918 gegründet, und der Transportbereich ging 1962 an Peter und Helene Galliker, die Eltern von Rolf Galliker, über. Galliker transportierte Güter (vor allem Holz) und betrieb ein Reisecar-Geschäft, bis 1965 mit dem ersten Autotransporter die Geschäftssparte Car Logistics hinzukam: der Transport von Neuwagen für Schweizer Importeure. 1980 zog die Firma an ihren heutigen Hauptsitz in Altishofen.

Über die Jahre übernahm die Firma Galliker neben dem Transport auch immer mehr die Endaufbereitung der neuen Fahrzeuge und begann, sich auf diesen Geschäftsbereich zu spezialisieren. 2013 wurde in Altishofen das Car Center eröffnet. Dort rüstet Galliker unter anderem den Grossteil der Mobility-Autos mit den Zählgeräten aus und betreibt ein eigenes Fotostudio für Online-Autohändler. Die Sparte Car Logistics macht aktuell zirka einen Drittel des gesamten Unternehmens aus. Details oder Zahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Galliker Transport & Logistics wird heute von den Geschwistern Peter Galliker (52), Bereich Cargo- und Food Logistics, Rolf (49), Bereich Car Logistics und International, und Esther (46), Bereich Administration, in dritter Generation geführt und beschäftigt knapp 2500 Mitarbeiter in sechs Ländern.

Eine Lieferung Importfahrzeuge kommt in Altishofen an. Die Autos werden fit gemacht für die Kunden.

Eine Lieferung Importfahrzeuge kommt in Altishofen an. Die Autos werden fit gemacht für die Kunden.

Mitarbeiterinnen des Car Logistics Center von Galliker reinigen Neuwagen.

Mitarbeiterinnen des Car Logistics Center von Galliker reinigen Neuwagen.