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Fachhochschul-Absolventinnen verdienen gut, aber weniger als Absolventen

Verglichen mit anderen Regionen des Landes verdienen Frauen in der Zentralschweiz überdurchschnittlich viel. Jedenfalls, wenn sie an einer Fachhochschule waren, wie eine Studie zeigt. Trotzdem: Der unterschied zwischen den Geschlechtern ist eklatant.
Kilian Küttel

Über Geld spricht man nicht, man hat es. Das Zitat, das dem amerikanischen Öl-Tycoon Jean Paul Getty zugeordnet wird, trifft für den Schweizer Dachverband der Fachhochschulabsolventen nicht zu. Alle zwei Jahre erhebt FH Schweiz die Löhne seiner Mitglieder, wertet sie aus und veröffentlicht seine Resultate. Haupterkenntnis der aktuellen Studie, an der 10'462 Personen teilgenommen haben: Der Medianlohn aller Teilnehmer liegt bei 101'000 Franken brutto jährlich. Der Median ist jene Zahl, die in der Mitte zwischen dem höchsten und dem tiefsten Wert liegt. «Er bleibt, verglichen mit den Löhnen der letzten Jahre, stabil – Tendenz leicht steigend», schreibt dazu der Verband in einer Medienmitteilung.

Dennoch gibt es Überraschungen, wie Toni Schmid, Geschäftsführer von FH Schweiz, auf Anfrage sagt: «Erstaunlich ist der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in der Zentralschweiz.» Schweizweit liegt der Median bei den Frauen bei 88'010 Franken. Höher ist er in der Zentralschweiz: 91'000 Franken. Das sind knapp 2000 Franken mehr als 2017, als der Verband seine letzte Lohnstudie durchgeführt hat. Die Medianlöhne in anderen Regionen sind allerdings noch höher. Im Raum Zürich liegt der Median der Frauen bei 95'000 Franken. Und in der Ostschweiz, die am ehesten mit unserer Region vergleichbar ist, sind es 91'111 Franken. Regionen, die hinter der Zentralschweiz liegen, sind das Mittelland (85'800 Franken) oder das Tessin (78'000 Franken). Dabei bleibt der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau gross. Der Medianlohn der befragten Männer liegt schweizweit bei 110'000 Franken, in der Zentralschweiz sind es gleich viel – also rund 20'000 Franken mehr.

Toni Schmid sagt selber, er würde eine Angleichung der Löhne begrüssen: «Zumindest bei Neuabsolventinnen und -absolventen mit gleichem Abschluss und vergleichbarer Berufserfahrung.»

Hochschule freut sich, Gewerbeverband relativiert

Zu den relativ hohen Medianlöhnen von Fachhochschulabsolventinnen, die bei Firmen in unserer Region arbeiten, sagt er: «Sie zeigen, dass der Wirtschaftsstandort Zentralschweiz für den Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern offenbar besser sensibilisiert ist als andere Teile der Schweiz.» Mit ein Grund dafür sei das Engagement der Hochschule Luzern, die Lohnunterschiede in ihren Studiengängen und Weiterbildungen thematisiere.

Auf das Kompliment aus Zürich angesprochen, schreibt die Medienstelle der Hochschule Luzern: «Wenn es Indikatoren dafür gibt, dass sich bei den Berufseinsteigerinnen und -einsteigern die Gehälter von Männern und Frauen angleichen, sehen wir das als positive Entwicklung.» Man bemühe sich, das Thema einfliessen zu lassen «und insbesondere Frauen dafür zu sensibilisieren, dass sie in Bewerbungs- und Jahresgesprächen ein stärkeres Augenmerk auf den Lohn legen». Solche Gespräche führen Chefs und Unternehmer.

Und diese gehören mitunter dem Luzerner Gewerbeverband an. Direktor Gaudenz Zemp sagt zu den Löhnen der Frauen in der Region: «Das höhere Niveau ist sehr erfreulich. Wir unterstützen die Chancengleichheit der Frauen in der Berufsbildung und während der beruflichen Laufbahn.» Doch der Direktor des Gewerbeverbandes ortet die Verantwortung nicht komplett bei den Firmen. Die Erfahrung zeige, so Zemp, dass die Ursachen von tieferen Löhnen bei Frauen nicht bei den Unternehmen liegen würden: «Es ist vielmehr so, dass Frauen oft kleinere Pensen wählen oder Berufspausen einlegen, weil sie mehr Verantwortung in der Familien übernehmen wollen oder müssen.» Ein gesellschaftliches Problem, das schwer zu lösen sei.

Weiterbildungen lassen Lohn steigen

Spricht man von gesellschaftlichen Strömungen, ist der Weg zu einer anderen Erkenntnis der FH-Lohnstudie nicht weit. Geschäftsführer Toni Schmid sagt: «Weiterbildungen liegen hoch im Trend.» Das schlägt sich auch bei den Löhnen nieder: Der Medianlohn der Teilnehmer, die eine Weiterbildung wie CAS oder MAS absolviert haben, liegt laut der Studie bei 123'000 Franken. «Eine Weiterbildung zahlt sich aus, und gehört heute bei vielen dazu», so Schmid. Ähnlich sieht das Gaudenz Zemp: «Wir leben in einem wirtschaftlichen Umfeld, das ein lebenslanges Lernen erfordert. Dass wir in Luzern eine Fachhochschule haben, die insbesondere auf die Weiterbildung spezialisiert ist, wirkt sich deshalb sehr positiv auf die regionale Wirtschaft aus.»

Die hohe Nachfrage schlägt sich daher auch in den Zahlen der Hochschule Luzern nieder. Im letzten Jahr haben 12'030 Personen eine Weiterbildung besucht. Sei es einen Master of Advanced Studies (MAS), ein Certificate of Advanced Studies (CAS), ein Diploma of Advanced Studies (DAS) oder einen Fachkurs. Alleine im Vergleich zum Jahr 2017 ist die Zahl um über 2000 Personen gestiegen. «Der Trend geht vor allem in Richtung kürzere Weiterbildungen, wie CAS und DAS sowie Seminare und Kurse», heisst es in der Stellungnahme der Hochschule.

Zugenommen hätten aber auch Anfragen von Unternehmen und Institutionen für «massgeschneiderte Inhouse-Weiterbildungen». Eine Tendenz, die auch Toni Schmid von FH Schweiz bemerkt: «Auch der Stellenwert der betriebseigenen Weiterbildungen steigt. Arbeitgeber erwarten von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie solche Programme absolvieren.»

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