LONDON/EDINBURGH: «Nein» der Schotten gibt Börsen Auftrieb

Gross war die Unsicherheit, umso grösser ist nun die Erleichterung: Das «No» der Mehrheit der Schotten zur Unabhängigkeit hat die angespannten Finanzmärkte beruhigt. Die Londoner Börse notierte fester, der Schweizer Leitindex erreichte ein neues Mehrjahreshoch.

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An der Londoner Börse wurde das Nein der Schotten positiv aufgenommen. (Bild: Keystone)

An der Londoner Börse wurde das Nein der Schotten positiv aufgenommen. (Bild: Keystone)

Kein Bruch mit London, kein Durcheinander in Wirtschafts- und Währungsfragen: Finanzmärkte und Ökonomen reagierten erleichtert. Das Ergebnis habe das Vereinigte Königreich vor einer Phase starker Unsicherheit bewahrt und Zweifel beseitigt, hiess es am Freitag in Kommentaren und Analysen.

«Der Ausgang des Referendums ist zwar keine allzu grosse Überraschung, da die jüngsten Umfragen bereits in diese Richtung gedeutet haben», sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. Dennoch dämpfe es die Verunsicherung, die Anleger in den vergangenen Wochen von Investitionen in Aktienmärkte abgehalten habe.

Der Stoxx50, der die grössten Aktienwerte der Eurozone, der Schweiz und Grossbritanniens vereint, stieg zeitweise auf ein Sechs-Jahres-Hoch von 3301,15 Punkten. In Tokio war der Nikkei-Index zuvor auf dem höchsten Stand seit November 2007 aus dem Geschäft gegangen. Auch der Schweizer Leitindex erreichte im Verlauf des Vormittags den höchsten Stand seit Ende 2007.

Schottische Firmen im Plus

Schottische Unternehmen standen ganz oben auf den Einkaufslisten der Investoren. Die Geldhäuser Royal Bank of Scotland und Lloyds, der Versorger SSE sowie der Versicherer Standard Life verbuchten deutliche Kursgewinne. Sie hatten in den vergangenen Wochen besonders stark unter der Furcht vor den wirtschaftlichen Konsequenzen einer schottischen Unabhängigkeit gelitten.

«Das Worst-Case-Szenario konnte vermieden werden», schrieb ein Analyst der italienischen Grossbank Unicredit. Er sah die britische Wirtschaft nach dem «Ja» der Schotten zum Verbleib im Königreich auf einem robusten Wachstumspfad.

Auch Spanien profitiert

Neben britischen Aktien standen spanische Werte hoch im Kurs. Der Leitindex der Börse Madrid legte deutlich zu. Spanien ist nach Einschätzung von Jan von Gerich, Chef-Anleiheanalyst der Nordea Bank, der Hauptprofiteur des Wahlausgangs in Schottland. Das Votum nehme den Separatisten in Katalonien den Wind aus den Segeln.

Am Devisenmarkt verteuerte sich das Pfund Sterling, das vergangene Woche aus Furcht vor einer schottischen Unabhängigkeit zeitweise auf ein Zehn-Monats-Tief von 1,6050 Dollar gefallen war. Am Freitagmorgen wurde die Währung bei 1,6473 Dollar gehandelt.

sda