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LUFTFAHRT: Air France ohne Pilot

Streik, Chaos und ein gestürzter Chef: Die französische Fluggesellschaft Air France fliegt in eine schwere Krise – und verliert den Anschluss an ihre Konkurrenten Lufthansa und British Airways.
Eine Maschine der Air France wird am Flughafen Schiphol entladen. (Bild: Robin Utrecht / EPA (Amsterdam, 7. Mai 2018))

Eine Maschine der Air France wird am Flughafen Schiphol entladen. (Bild: Robin Utrecht / EPA (Amsterdam, 7. Mai 2018))

Seit Februar streiken die 47 000 Air-France-Bediensteten für eine sofortige Lohnerhöhung um 6 Prozent. Die Direktion will den Anstieg auf vier Jahre strecken. Dagegen sind namentlich die Piloten, die zu den bestbezahlten der Welt zählen: Ein erfahrener Bordkommandant verdient heute brutto rund 20 000 Euro im Monat, mehr als alle Piloten bei Lufthansa oder British Airways.

Air-France-KLM-Vorsteher Jean-Marc Janaillac platzte nach wochenlangen, aber fruchtlosen Verhandlungen der Kragen: Er setzte im April eine betriebsinterne Abstimmung über seinen Tarifplan an, wobei er den Ausgang mit seinem eigenen Mandat verknüpfte. Doch die Piloten sind intern weniger isoliert, als Janaillac annahm: Am Freitag lehnten 55 Prozent der Angestellten die neue Lohnskala ab. Der Konzernvorsteher kündigte umgehend seinen Rücktritt auf den 15. Mai an.

Air France schlittert damit führungslos in die schwerste Krise seit ihrer Fusion mit der niederländischen KLM im Jahr 2003. Gestern verlor die Aktie zeitweise bis zu 14 Prozent an Wert. Im letzten Geschäftsjahr hat das Unternehmen zwar noch einen Gewinn ausgewiesen; dieser ging aber vor allem auf die starke Leistung des holländischen Partners zurück.

Laufend Marktanteile verloren

Air France allein hat im ersten Quartal 2018 einen Verlust von 269 Millionen Euro eingeflogen – und das trotz eines weltweit steigenden Passagieraufkommens. Die wiederholten Streiktage gehen ebenso ins Geld wie die steigenden Kerosen-Preise. Die KLM-Manager in Amsterdam murren immer lauter, bisher aber ohne jeden Erfolg. Kapitalmässig haben sie nichts zu sagen, während der französische Staat faktisch mehr Einfluss hat, als es sein Kapitalanteil von 14,3 Prozent glauben macht. Andere Air-France-Partner wie Delta und China Eastern halten je 8,8 Prozent der Anteile.

Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire rief die Belegschaften von Air France am Sonntag zur Besonnenheit auf und warnte sie: «Wenn die Gesellschaft die nötigen Anstrengungen für ihre Wettbewerbsfähigkeit unterlässt, wird sie verschwinden.» Er verwies auf andere Fluggesellschaften wie Alitalia, Swiss oder Austrian, die ihre Unabhängigkeit verloren hätten.

Air France hatte nach dem Kauf von KLM vorübergehend den grössten Umsatz aller Airlines ausgewiesen. Seither verliert sie in Europa aber Marktanteile. Während Lufthansa heute rund 130 Millionen Passagiere im Jahr befördert, kommt Air France-KLM auf 100 Millionen. Mit ein Grund ist der bescheidene Erfolg der Billigflugairline Transavia. Statt eine schlagkräftige Airline aufzubauen, die den Lowcost-Rivalen wie Ryanair oder Easyjet Paroli bieten könnte, streiten sich Piloten und Direktion bei Air France seit Jahren über die Arbeitsbedingungen bei Transavia. Die Airline verfügt deshalb bis heute nur über eine Flotte von 40 Flugzeugen – die Hälfte des ausgewiesenen Bedarfs.

Stefan Brändle, Paris

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