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LUFTFAHRT: Alitalia ist erneut in Turbulenzen

Die von Grossaktionär Etihad verordnete Kur hat nicht gewirkt: Italiens fliegendes Milliardengrab, die Alitalia, benötigt erneut eine Finanzspritze. Und es droht ein neuer Jobabbau.
Dominik Straub, Rom
Alitalia-Flugzeuge kurz vor dem Start. Bild: Luca Bruno/AP (Mailand, 7. Mai 2014)

Alitalia-Flugzeuge kurz vor dem Start. Bild: Luca Bruno/AP (Mailand, 7. Mai 2014)

Dominik Straub, Rom

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Etihad-Chef James Hogan hatte viel versprochen, nachdem die Emire aus Abu Dhabi 49 Prozent der Alitalia-Anteile übernommen hatten. «Alitalia wird die ‹most sexy airline› Europas werden», sagte Hogan Anfang 2015. Und tatsächlich: Im vergangenen Mai sind die Hostessen der Alitalia mit spektakulären neuen Designer-Uniformen eingekleidet worden. Es gibt sie in einer roten und einer grünen Variante – beide «molto elegante», wie sich die italienischen Medien einig waren. Innerhalb von wenigen Monaten sind unter der Ägide von Etihad auch die Kabinen der gut 120 Flugzeuge modernisiert worden, ebenso die Lounges an den Flughäfen und der allgemeine Auftritt – eine echte Frischzellenkur.

Deutlich weniger sexy als der Auftritt am Himmel und am Boden sind die Zahlen in den Bilanzen: Laut Medienberichten hat die Alitalia im vergangenen Jahr einen Verlust von mindestens 400 Millionen Euro eingeflogen; täglich wird also mehr als 1 Million Euro an Cash verbrannt. Im Jahr 2015, dem ersten Jahr unter der Führung von Etihad, hatte der Verlust 380 Millionen Euro betragen. Den Kaufpreis von 550 Millionen Euro eingeschlossen, hat Etihad bis Ende 2016 schon gegen 1,5 Milliarden Euro in die Alitalia gepumpt. Nun wird laut Alitalia-Chef Cramer Ball eine neue kräftige Finanzspritze fällig, um einen finanziellen Crash zu verhindern. Die Alitalia, deren Rettung und Privatisierung im Jahr 2008 unter dem ­damaligen Premier Silvio Berlusconi die italienischen Steuerzahler rund 6 Milliarden Euro gekostet hatte, ist auch unter arabischer Führung ein fliegendes Milliardengrab geblieben. Daran vermochten auch drastische Sparprogramme nichts zu ändern, in deren Verlauf der Personalbestand von 21 000 im Jahr 2008 auf heute rund 12 000 Angestellte reduziert worden ist. Laut einem neuen Sanierungsplan, der allerdings noch nicht offiziell vorliegt, sollen im laufenden Jahr weitere 2000 Stellen eingespart werden, laut anderen Berichten sogar deren 4000. Zusammen mit anderen Massnahmen sollen 160 Millionen Euro an Kosten eingespart werden.

Widerstand der Gewerkschaften

Die Alitalia-Gewerkschaften, die als besonders militant gelten, sind nach Bekanntwerden der Sparpläne umgehend auf die Barrikaden gegangen. Für morgen Donnerstag haben die Arbeitnehmerverbände einen 24-stündigen Streik angekündigt; das Alitalia-Management hat bereits 60 Prozent aller Flüge vorsorglich gestrichen. Nach all den Opfern, die das Personal bereits erbracht habe, gehe es nicht an, dass die Sanierung erneut hauptsächlich auf dem Buckel der Angestellten erfolgen solle, betonten in diesen Tagen nicht nur Gewerkschaftsvertreter, sondern auch Transportminister Graziano Delrio. Das Problem der Alitalia seien nicht die Personalkosten, sondern die fehlenden Einnahmen wegen der Konkurrenz durch die Billigflieger.

Weder Etihad noch die italienischen Aktionäre rund um die beiden Grossbanken Intesa-SanPaolo und Unicredit Banca sowie Piaggo-Chef Roberto Colaninno sind allerdings bereit, auch nur ­einen einzigen weiteren Euro in die Geldvernichtungsmaschine Alitalia zu stecken, ohne dass der Sanierungsplan akzeptiert wird. Als Alternative fordern die Gewerkschaften bereits die Rückverstaatlichung der Gesellschaft – eine Option, die freilich wenig realistisch scheint. «Die Situation der Alitalia ist sehr ernst, wir sind besorgt», erklärte Delrio am Montag – ein Satz, den man im Römer Verkehrsministerium in den letzten Jahren unzählige Male gehört hat. Die Alitalia scheint ein hoffnungsloser Fall zu sein.

Die italienische Airline ist nicht das einzige Sorgenkind der Emire: Auch die Beteiligung von Etihad an der deutschen Air Berlin hat sich als teurer Fehlschlag erwiesen. Die mit über 1 Milliarde Euro verschuldete Airline befindet sich mitten in der Zerschlagung: Air Berlin hat gerade 38 Mittelstreckenjets samt Personal an den Lufthansa-Konzern vermietet. Zudem soll das Touristikgeschäft ihrer österreichischen Tochter Niki in ein Bündnis mit dem deutschen Ferienflieger Tui­fly und Etihad eingebracht werden. Die Strategie der Emire, sich durch Zukäufe und Beteiligungen Marktanteile in Europas Flugraum zu sichern, ist bisher jedenfalls grandios gescheitert.

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