LUFTFAHRT: Emirates Bestellung rettet den A380

Grosses Aufatmen bei Airbus: Die Golfairline Emirates bestellt weitere 36 Maschinen des Riesenflugzeugs A380. Der europäische Flugzeugbauer rettet damit sein Vorzeigemodell.
Stefan Brändle, Paris
Der Poker ist zu Ende: Airbus kann die Produktion des A380 dank der Bestellung von Emirates aufrechterhalten. (Bild: Kamran Jebreili/AP Photo (Dubai, 17. November 2017))

Der Poker ist zu Ende: Airbus kann die Produktion des A380 dank der Bestellung von Emirates aufrechterhalten. (Bild: Kamran Jebreili/AP Photo (Dubai, 17. November 2017))

Stefan Brändle, Paris

Happy End für John Leahy: Der in Pension gehende Verkaufsleiter von Airbus beschliesst seine über dreissigjährige Karriere bei dem europäischen Flugzeugbauer mit einem Bravourstück. In Dubai konnte er am Donnerstag bekanntgeben, dass die Fluggesellschaft Emirates 36 A380-Maschinen bestellt. Der Auftrag im offiziellen Wert von 16 Milliarden Dollar – abzüglich der handelsüblichen Mengenrabatte – teilt sich auf in 20 Festbestellungen und 16 Optionen.

Die A380-Produktion ist damit für mindestens ein weiteres halbes Jahrzehnt gesichert. Anfangs dieser Woche hatte der ebenfalls abtretende Airbus-Generaldirektor Fabrice Brégier ankündigen müssen, dass pro Jahr nur noch sechs A380 aus der Endmontage in Toulouse (Südfrankreich) rollen würden. Und Leahy fügte mit steinerner Miene an, dass die Herstellung ganz eingestellt werde, «wenn Hauptkunde Emirates keine neuen Maschinen bestellt».

Airbus kann in gesicherte Zukunft blicken

Nachträglich erweist sich dieser Wink als letzter Bluff in einer monatelangen Pokerpartie. Emirates-Direktor Tim Clark, der in einem Jahrzehnt fast die Hälfte aller 222 ausgelieferten A380 gekauft hat, versuchte Airbus zu einer Renovation des A380-Programms zu überreden. Doch Airbus-Vorsteher Tom Enders erachtet die Ausrüstung des Doppeldeck-Flugzeugs mit neuen Motoren für zu kostspielig. Im November zahlten es ihm die Gastgeber der Airshow in Dubai heim – und bestellten keine A380, sondern gingen beim Konkurrenten Boeing auf Shopping-Tour. Von Airbus verlangte Clark, dass die Produktion des A380 auf zehn Jahre hinaus garantiert werde. Leahy liess sich aber nicht ins Bockshorn jagen und drohte am Montag postwendend, die Fertigung des A380 ganz zu stoppen.

Bluff oder nicht, sind die Emirates nun darauf eingegangen. Als guter Gewinner gab Leahy generös die Zusage, «den A380 noch mindestens zehn Jahre lang zu produzieren». Womit auch Tim Clark sein Gesicht gewahrt hat und Airbus auf den Totalumbau des Riesenflugzeugs mit neuen Triebwerken verzichten kann. Als Folge legte die Airbus-Aktie stark zu.

Für die Europäer ist der Coup doppelt wichtig. Nach einem ganzen Jahr ohne Bestellung kann der A380 einer mittelfristig gesicherten Zukunft entgegenblicken. Das freut und betrifft alle 134000 Airbus-Mitarbeiter, ist doch der Supervogel, der 12 Milliarden Euro an Entwicklungskosten verschlang, ein wichtiger Bestandteil der ganzen Modellpalette von Airbus. Das Ausbleiben von A380-Aufträgen überschattete am Montag sogar die Ankündigung, dass Airbus mit 1109 Bestellungen über alle Modelle 2017 einen neuen Jahresrekord weit vor Boeing (912 Bestellungen) erzielt habe. Unter anderem erhielten die Europäer Ende Jahr von Indigo Partners eine Megaorder über mehr als 400 A320-Maschinen.

«Der A380 wird bis weit in die dreissiger Jahre gebaut»

Mit dem unerwarteten Milliardenauftrag A380 kann Leahy nicht seinen grössten, aber wohl wichtigsten Erfolg feiern. Paradoxerweise schaffte er es als Amerikaner, das Monopol von Boeing in der internationalen Luftfahrt zu brechen und den europäischen Herausforderer Airbus von einem Marktanteil von 20 Prozent im Jahr 1985 auf heute 50 Prozent hochzutreiben. Und das vermutlich ohne okkulte Schmiergelder, die derzeit anderen Airbus-Managern von der Justiz etlicher Länder vorgehalten werden. Am Gesamterfolg des europäischen Konsortiums hat der scheidende Verkaufsleiter Leahy wohl mehr Anteil als so mancher Airbus-Boss der letzten Jahrzehnte. Mit der A380-Order durch Emirates macht er sich selber das schönste Abschlussgeschenk. Für den A380 bleibt 2017 allerdings ein schwarzes Jahr ohne jeden Bestellungseingang. Der Supervogel mit 500 bis 800 Sitzplätzen ist einfach kein Verkaufsschlager.

Kleinere Airbus- und Boeing-Modelle wie der A350 oder der B777 sind heute gefragter. Das kann sich aber mit steigenden Ölpreisen wieder ändern. Der A380 werde bis «weit in die dreissiger Jahre gebaut» werden, zeigte sich John Leahy jedenfalls überzeugt. Dies aber nur, wenn sein Nachfolger Eric Schulz ab Februar ebenso gute Arbeit leisten wird wie sein Vorgänger Leahy.

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