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LUFTFAHRT: Grounding der Darwin Airline

Nach dem Entzug der Betriebsbewilligung durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt blieben die Maschinen der Tessiner Fluggesellschaft gestern am Boden. Der kürzlich abgetretene CEO gibt sich völlig überrascht.
Gerhard Lob, Lugano
Als die Geschäfte noch gut liefen: ein Flugzeug der Tessiner Fluggesellschaft Darwin auf dem Flughafen Leipzig/Halle. (Bild: Peter Endig/Keystone (2. September 2013))

Als die Geschäfte noch gut liefen: ein Flugzeug der Tessiner Fluggesellschaft Darwin auf dem Flughafen Leipzig/Halle. (Bild: Peter Endig/Keystone (2. September 2013))

Gerhard Lob, Lugano

Die Turbulenzen rund um die als Adria Airways Switzerland operierende Fluggesellschaft Darwin haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Am gestrigen Dienstag blieben deren Flugzeuge am Flughafen Lugano am Boden. Die Flüge nach Genf wurden annulliert. Grund war der Entzug der Betriebsbewilligung durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl).

«Darwin darf keine gewerbsmässigen Linienflüge mehr durchführen», teilte das Bazl mit. Für den Entzug dieser Bewilligung nannte das Bundesamt wirtschaftliche Motive. Tatsächlich hatte die Darwin Airline SA am Montag ein Gesuch um Nachlassstundung beim Konkursrichter eingereicht. Das Unternehmen habe keine liquiden Mittel mehr, hiess es. Das Bazl wurde davon offenbar vollkommen überrascht: «Das Amt wurde vorgängig nicht informiert, obwohl man aufgrund der finanziellen Situation in regelmässigem Kontakt mit Darwin stand.» Mit einem Gesuch um Nachlassstundung sei aber die Betriebsbewilligung mit sofortiger Wirkung hinfällig geworden.

UBS-Chef gehörte zu den Gründern

Darwin Airline war 2003 von Tessiner Unternehmern, darunter dem heutigen UBS-CEO Sergio Ermotti, gegründet worden, um Linienflüge nach Lugano zu erhalten, nachdem die Swiss die Destination aufgegeben hatte. Im November 2013 wurde bekanntgegeben, dass Etihad Airways einen Anteil von 33,3 Prozent übernehmen sollte. Das Bazl segnete diesen Deal ab; ab 2015 flog Darwin unter dem Logo der Regionalfluggesellschaft Etihad Regional.

Doch auch mit diesem strategischen Partner aus den Vereinigten Arabischen Emiraten waren die Probleme nicht gelöst. Im Juli dieses Jahres verkauften die Aktionäre ihre Anteile an die in Luxemburg domizilierte Finanzgruppe 4K Invest. Diese ist Besitzerin von Adria Airways, der nationalen Fluggesellschaft von Slowenien mit Sitz in Ljubljana. Damit wurde Darwin Teil der slowenischen Airline. Die jetzigen Probleme mit Darwin begründet Adria Airways mit der Kündigung von Wet-Lease-Verträgen durch Alitalia. Auch die «überraschende Insolvenz von Air Berlin» habe die Marktsituation verschlechtert, heisst es in einer Mitteilung.

Schon vergangene Woche war bekannt geworden, dass Darwin seine Linienflüge nun noch bis Ende des Jahres weiterführen wolle. Nun kam das vorzeitige Ende des Linienverkehrs. Doch die Airline will nicht aufgeben. Sie soll zu einem Wartungsbetrieb für Saab 2000 und zu einem Personalpool für Piloten und Flugbegleiter werden. Allerdings braucht es dafür nur noch rund 100 Mitarbeiter. Im Moment ist die doppelte Zahl beschäftigt.

Die Turbulenzen um Darwin verschärfen die Probleme des Airports Lugano, der seit Jahren Passagiere verliert und eine Zukunftsperspektive sucht. Die Stadt Lugano als Eigentümerin will den Airport eigentlich mit einer 20-Millionen-Franken-Spritze aufpäppeln, doch aufgrund der ungewissen Situation gibt es politischen Widerstand.

Die Funktionsfähigkeit des Flughafens sei in keiner Weise kompromittiert, schrieb die Airport Lugano SA gestern in einer Mitteilung. Die Swiss-Flüge zwischen Lugano und Zürich würden planmässig abgewickelt. Es sind die einzig verbliebenen Linienflüge. Swiss hat bereits im Vorfeld erklärt, kein Interesse an den bisher von Darwin bedienten Verbindungen nach Genf und Rom zu haben.

Vollkommen überrascht zeigte sich Luganos neuer Flughafendirektor Maurizio Merlo, der bis Ende Juli CEO von Darwin Airline war. «Ich habe eine gesunde, gut strukturierte und liquide Gesellschaft hinterlassen», sagte er am Fernsehen RSI. Er könne sich nicht erklären, was in diesen vier Monaten passiert sei.

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