Händetrockner
Lufttrockner oder Baumwolle: Im WC tobt der Hygiene-Kampf

Ob grosses oder kleines Geschäft: Hinterher wäscht man sich die Hände. Spätestens beim Trocknen gehen die Meinungen aber auseinander. Die Textillobby greift nun mit einer Studie den Luft-Händetrockner von Dyson an.

Sabina Galbiati
Merken
Drucken
Teilen

In öffentlichen Toiletten trocknen sich die Leute immer öfter mit einem Luftstrom-Trockner von Dyson ihre Hände. Auch in der Schweiz ist der Dyson Airblade im Aufwind. Nun nimmt ihm aber eine Studie förmlich die Luft weg. Das Resultat: «Lufttrockner erfüllen nicht die Mindestanforderungen der europäischen Norm». Diese besagt, dass nach dem Trocknen 1000-mal weniger Bakterien auf den Händen sein müssen als zuvor. Mit anderen Worten: Es müssten 99,9 Prozent aller Bakterien von den Händen verschwinden.

Freuen darf sich die Konkurrenz von der Baumwoll-Fraktion: Zu der gehört auch die Firma CWS-boco Suisse SA in Glattbrugg (ZH). Entsprechend selbstsicher präsentierte sie die Studie gestern an einer Medienkonferenz. In der Studie schliesst ihr Produkt, die Stoffrolle, am besten ab. Sie übertrifft die EU-Norm deutlich. Getestet wurden auch Papierhandtücher und Wärmetrockner.

Dyson bläst zum Gegenangriff

Das britische Unternehmen Dyson wehrt sich gegen die Studie. In einer Stellungnahme schreibt Dyson, «der Helsinki-Studie mangelt es an Glaubwürdigkeit, da sie nicht extern überprüft wurde». Zwar wurde die Studie vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Helsinki durchgeführt. In Auftrag gegeben und finanziert hat sie aber die European Textile Services Association (ETSA). Auch der Verband Textilpflege Schweiz (VTS) ist Mitglied des europäischen Verbandes. Verständlich also der Vorwurf von Dyson.

Doch damit nicht genug: Dyson wirft der Textillobby vor, die Daten und Resultate in irreführender Weise wiederzugeben. Unter anderem werde nicht gesagt, wie viele Bakterien die Testpersonen an ihren Händen hatten, bevor sie diese trockneten. Das wäre deshalb wichtig, weil die Resultate auf diesem Ausgangswert basieren. Weiter schreibt das Unternehmen, in einem Teil der Studie würden alle Trocknungs-Methoden gleich abschneiden, wenn die verunreinigten Hände gewaschen und getrocknet worden seien. Tatsächlich sind diese Resultate in der Studien-Zusammenfassung der ETSA nicht aufgeführt.

Bakterien in der Luft

Auch die Bakterienzahl in der Luft und an den Geräten wurde untersucht. Hier zeigen die Ergebnisse, dass bei Lufttrocknern die Bakterien förmlich in die Luft katapultiert werden. Im Abstand von einem Meter fanden die Studienautoren beim Dyson Airblade über 90 «kolonienbildende Einheiten». Beim Baumwollhandtuch sind es dagegen deutlich weniger als 10 Einheiten. Allerdings, so Dyson, entfernt der eingebaute Filter 99,9 Prozent der Bakterien aus der eingesaugten Luft. Zudem seien Waschräume keine sterilen Bereiche und Bakterien würden auf allen Oberflächen vorhanden sein.

Ob Baumwolle oder Luft, der grösste Bakteriensünder dürfte der Toilettenbesucher sein. Ob im Restaurant oder im Büro: Jeder dritte Toilettengänger wäscht sich nach seinem Geschäft die Hände ohne Seife, weil sie die Haut austrocknet. Jede zehnte Person lässt das Händewaschen sogar ganz bleiben. Da würden auch die besten Trockner nichts mehr nützen.