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LUFTVERKEHR: Rekordauftrag für Airbus

Mit 430 Flugzeugen auf einen Schlag verbucht Airbus den grössten Auftrag seiner Geschichte. Der Riesen-Airbus A380 ist in der Bestellung allerdings nicht dabei. Auch kontert der Rivale Boeing mit eigenen Verkaufserfolgen.
Stefan Brändle, Paris
So sehen die bestellten Airbus A320 aus. (Bild: Guillaume Horcajuelo/EPA (Toulouse-Blagnac, 25. September 2014))

So sehen die bestellten Airbus A320 aus. (Bild: Guillaume Horcajuelo/EPA (Toulouse-Blagnac, 25. September 2014))

Stefan Brändle, Paris

Der boomende Luftverkehr mit fünfprozentigen Zuwachsraten im Jahr macht es möglich: Millionenteure Flugzeuge gehen derzeit wie warme Semmeln über die Ladentheke. Bei der Flugschau in Dubai gab Airbus gestern einen Rekordauftrag über 430 Exemplare der A320-Familie bekannt. Der Vorvertrag geht offiziell über 49,5 Milliarden Dollar, wobei undeklarierte Mengenrabatte üblich sind.

Auftraggeber ist der amerikanische Luftfahrtinvestor Bill Franke (80), dessen branchenintern bekanntes Leasingunternehmen Indigo Partners Flugzeuge an Billigairlines vermietet. Betroffen sind Wizz Air in Ungarn, Frontier Airlines in den USA, Jet­smart in Chile und Volaris in Mexiko. Die Ungarn bestellen via Indigo Partners allein 146 Maschinen der beiden Typen A320neo und A321neo.

Medialer Paukenschlag

Franke erklärte in Dubai, der Megadeal illustriere den Optimismus und das Wachstumspotenzial der Billigfluglinien. Die historisch unerreichte Bestellung überraschte selbst Luftfahrtexperten. Airbus stand an der Luftfahrtmesse bisher im Schatten des Widersachers Boeing. Der US-Konzern aus Seattle erhielt am Sonntag von der Fluggesellschaft Emirates eine Bestellung für 40 Maschinen des neuen Typs B787 über 15 Milliarden Dollar. Gestern bestätigte der arabische Lowcost-Carrier Fly Dubai den Kauf von 175 Boeing-Maschinen des Typs 737-max im Wert von 21 Milliarden Dollar.

Diese Milliardenaufträge für die Amerikaner werden nun aber von Airbus auf einen Schlag übertrumpft. Indigo Partners – der mit der früheren Rekordbestellung der indischen Lowcost-Airline Indigo im Jahr 2015 über 250 Maschinen nichts zu tun hat – verhilft den Europäern zu einem nicht nur kommerziellen, sondern auch medialen Paukenschlag. Im laufenden Jahr schien Boeing erstmals wieder die Nase vorn zu haben: Die Amerikaner verzeichneten vor Beginn der Dubai-Messe Nettoaufträge über 538 Maschinen, Airbus nur deren 288. Das in der südfranzösischen Stadt Toulouse angesiedelte Europa-Konsortium mit Werken unter anderem in Hamburg und Madrid verzeichnete damit nur noch gut einen Drittel aller Aufträge. Dank den – in Wahrheit vier – Ordern von Indigo Partners reisst Airbus das Steuer herum. Zum Jahresabschluss dürften die beiden Erzrivalen aus Seattle und Toulouse in etwa gleichauf liegen.

Die Erfolgsstory von Airbus ist das Werk des Verkaufsleiters John Leahy. Der 67-jährige Amerikaner kann in Toulouse im Frühjahr 2018 mit einem letzten Grosserfolg in Rente gehen. Er war 1994 bei Airbus eingestiegen, als diese erst auf einen Marktanteil von 18 Prozent kam. Seither hat er den europäischen Hersteller ausgerechnet als US-Bürger zum Marktleader vor dem früheren Monopolisten Boeing gemacht. Gestern verhehlte der stets gutgelaunte Topmanager in Dubai seinen «Stolz» über den Geschäftsabschluss nicht.

Ein Dämpfer für die Europäer ist, dass sich Indigo nicht für den A380 interessierte. Der Riesenflieger bleibt der Schwachpunkt der zivilen Airbus-Strategie. Seit 2015 hat der Konzern davon kein Exemplar mehr verkauft. Entsprechend grosse Hoffnungen setzte er in den Erstkunden Emirates, der in den letzten Jahren schon 142 dieses doppelstöckigen Grosstransporters für 500 Passagiere geordert hatte. Die staatliche Airline der Vereinigten Arabischen Emirate mit Sitz in Dubai will an sich knapp 40 weitere A380 erwerben, verlangte aber am Sonntag neu die Garantie, dass dieses erfolgsarme Flugzeug noch mindestens zehn Jahre lang hergestellt wird. Die Forderung zwingt Airbus zu einer Zusage, die angesichts der lahmenden A380-Aufträge eigentlich gar nicht möglich ist.

Trotzdem ist der Indigo-Auftrag eine Erleichterung für Airbus-Chef Tom Enders. Der Deutsche war in letzter Zeit unter Beschuss geraten, weil er frühere Schmiergeldpraktiken auf brüske Weise beenden wollte und damit in den Verkaufsabteilungen für «Turbulenzen» (so Enders selbst) sorgte. Leahy, dem im Unterschied zu französischen Mittelsmännern nie unsaubere Praktiken unterstellt wurden, macht mit dem Indigo-Auftrag zusätzlich klar, dass Airbus in der Lage ist, nicht nur mit okkulten Kommissionen Flugzeuge zu verkaufen.

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