Interview
LUKB-Chef Daniel Salzmann: «Bankschalter werden bald verschwinden»

Die Bankfiliale der Zukunft werde komplett neue Aufgaben übernehmen müssen, sagt LUKB-CEO Daniel Salzmann im Interview.

Gregory Remez
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CEO Daniel Salzmann am LUKB-Hauptsitz in Luzern.

CEO Daniel Salzmann am LUKB-Hauptsitz in Luzern.

Bild: Patrick Hürlimann (31. Januar 2020)

Das Negativzinsumfeld bereitet vielen Kunden Sorgen. Wie lange geht es noch, bis auch Kleinsparer dafür bezahlen müssen, ihr Geld bei der Luzerner Kantonalbank zu parkieren?

Daniel Salzmann: Das Negativzins-Regime der Nationalbank stellt auch uns vor grosse Herausforderungen. Sofern sich die Situation aber nicht grundlegend ändert, sind Negativzinsen für private Kleinsparer bei uns nach wie vor kein Thema.

Gewisse Retailbanken verlangen bereits auf sechsstellige Kontobeträge Strafzinsen. Wo liegt bei der LUKB die Kleinsparer-Grenze?

Grundsätzlich verfolgen wir keinen Standardansatz, sondern gehen individualisiert vor. Es gibt bei uns also nicht eine Schwelle, ab welcher automatisch Negativzinsen fällig werden. Stattdessen analysieren wir die Gesamtbeziehung des Kunden mit unserer Bank und treffen darauf basierend eine Vereinbarung. Aktuell bezahlen von insgesamt über 300000 LUKB-Kunden nur deren 400 Negativzinsen. Gesamthaft haben wir zurzeit rund 1300 solche Vereinbarungen.

Diese Zahl dürfte in den nächsten Monaten aber sicher zunehmen?

Der Druck wird zunehmen, das steht ausser Frage. Und weil wir verhindern wollen, dass die LUKB kurzfristig zum Parkplatz von Liquidität von Kunden wird, die mit uns sonst keine Beziehungen pflegen, wird die Anzahl jener, die mit Negativzinsen belastet werden, weiter zunehmen. Der Grossteil unserer Kunden – wir sprechen hier von rund 96 Prozent – wird davon aber auch auf längere Sicht nichts spüren.

Direkt betroffen sind Bankkunden auch von Filialschliessungen. Die LUKB hat kürzlich ein detailliertes Filialkonzept vorgelegt, das grosse Umstrukturierungen über die nächsten drei Jahre vorsieht. Was müssen die Kunden erwarten?

Zunächst einmal sei gesagt, dass es abgesehen von den Filialen in Luzern-Schönbühl und Emmenbrücke-Sprengi keine weiteren Schliessungen geben wird. Eines steht aber fest: Den Bankfilialen kommt in Zukunft eine komplett neue Aufgabe zu. Die Bargeldtransaktionen am Schalter werden in den nächsten Jahren noch stärker zurückgehen. In der Folge werden klassische Bankschalter an Bedeutung verlieren und irgendwann ganz verschwinden. Immer wichtiger werden stattdessen Beratungsdienstleistungen. Wir stecken gerade mitten in diesem Prozess, unsere Geschäftsstellen zu Orten für Beratung und Betreuung umzubauen.

Haben Schalterangestellte also bald ausgedient?

Das kann man so sagen. Künftig werden Bankangestellte vor allem in der Kundenberatung tätig sein, insbesondere bei der Finanzplanung und Vorsorge. Es ist also ein neues Mitarbeiterprofil gefragt, weg vom Schalterangestellten hin zum spezialisierten Berater. Um diese Transformation zu vollziehen, investieren wir gerade stark in die Ausbildung unserer Mitarbeitenden. Dieser Prozess sollte Ende 2022 abgeschlossen sein. In dieser Zeit sind personelle Veränderungen aber natürlich nicht auszuschliessen.

Werden Stellen abgebaut?

Damit ist zu rechnen. Diese Transformation wird sich aber über mehrere Jahre erstrecken. Ich gehe davon aus, dass wir sehr viel über die natürliche Fluktuation abfangen können.

Apropos Transformation: Im kommenden Jahr beginnt für die LUKB eine neue Strategieperiode. Wie wird sich die Bank in den Jahren 2021 bis 2025 verändern?

Die Digitalisierung wird weiterhin eines der zentralen Themen sein. Wir haben aktuell rund 40 Projekte in der Pipeline. Wir sind aber überzeugt, dass es auch in einer digitalen Zukunft immer Menschen geben wird, für die ein persönliches Gespräch die beste Lösung ist. Deshalb wird die Kundennähe wichtiger Bestandteil der LUKB-DNA bleiben. Wir gehen auch weiterhin von hybriden Kunden aus, die ihre Bankgeschäfte online erledigen, bei speziellen Beratungsbedürfnissen aber unsere Geschäftsstellen aufsuchen.

Das E-Banking erfährt gerade eine weitere Rundumerneuerung. Was ändert sich?

Das aktuelle Update verbessert vor allem Benutzerführung und Design. Wir haben bereits 2019 neue Funktionen eingeführt, etwa die Möglichkeit für Fremdwährungsbestellungen oder für Kartenbewirtschaftung. Vor allem aber soll das Online-Banking durch das neue Identifikationsverfahren via LUKB-Key-App noch sicherer werden.

Die LUKB hat ein gutes Jahr hinter sich. Die Aktionäre sollen deshalb eine steuerfreie Ausschüttung erhalten, wie zuletzt 2015. Diese Praxis wurde damals kritisiert, unter anderem vom Mieterinnen- und Mieterverband Luzern. Wieso hat man sich erneut für eine solche Ausschüttung entschieden?

Die Nennwertrückzahlung ist ein übliches Instrument, das auch von anderen Kantonalbanken angewendet wird, und in unserem Fall vor allem als Dankeschön an die Aktionäre gedacht ist. Die steuerlichen Auswirkungen auf den Kanton Luzern sind vergleichsweise überschaubar. Die Argumentation der Kritiker war für mich insofern kaum nachvollziehbar.

Zur Person: Daniel Salzmann, 55, ist seit 2014 CEO der Luzerner Kantonalbank. Zuvor war er Leiter des Departements Privat- und Gewerbekunden im Retailgeschäft.

Luzern erhält über 80 Millionen

Die Luzerner Kantonalbank hat im Geschäftsjahr 2019 einen Konzerngewinn von 204,9 Millionen erzielt. Das entspricht einer Verbesserung um 4,5 Millionen beziehungsweise 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotz des anhaltenden Negativzinsumfelds und Margendrucks sei es der Bank in den letzten Jahren gelungen, ein Geschäft mit kurzfristigen, sehr gut besicherten Hypothekarkrediten an ausgewählte Kunden aufzubauen und so Zusatzerträge im Zinsengeschäft zu erzielen, heisst es im gestern publizierten Jahresbericht des Finanzinstituts. Für das laufende Jahr strebt die LUKB ein Resultat in derselben Grössenordnung an. Damit sei man auf Kurs, den in der Strategieperiode von 2016 bis Ende 2020 anvisierten Unternehmensgewinn von kumuliert 950 Millionen Franken zu erreichen, sagte CEO Daniel Salzmann an der Medienorientierung am Luzerner Hauptsitz der Bank. Auf der Basis des Konzerngewinns hat der Verwaltungsrat beantragt, den Aktionären statt einer Dividende eine Nennwertrückzahlung – eine steuerfreie Ausschüttung von 12.50 Franken pro Namenaktie– zukommen zu lassen. Mit dieser geplanten Ausschüttung erhält der Kanton Luzern als Hauptaktionär auf seinem Aktienbestand von 61,5 Prozent eine Dividende von 65,3 Millionen Franken. Zusammen mit der Abgeltung für die Staatsgarantie und den kantonalen Steuern erhält der Kanton von der LUKB für das Jahr 2019 über 80 Millionen Franken. (gr)

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