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LUXUS: Gübelin verkauft Luxusgüter neu auch online: «Wir wollten die Ersten sein»

Der Luzerner Schmuck- und Uhrenhändler Gübelin verkauft seine Luxusgüter seit kurzem auch online. CEO Raphael Gübelin ist mit dem Start zufrieden. Sicherheitsprobleme gebe es nicht, sagt er.
Roman Schenkel
Raphael Gübelin, CEO des gleichnamigen Familienunternehmens, in der Luzerner Filiale. (Bild: Nadia Schärli (29. Mai 2017))

Raphael Gübelin, CEO des gleichnamigen Familienunternehmens, in der Luzerner Filiale. (Bild: Nadia Schärli (29. Mai 2017))

Interview: Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

Raphael Gübelin, Sie setzen neu auf den Onlinekanal, weshalb?

An Online kommt man nicht vorbei. Wir wollten eigentlich schon vor vier Jahren starten. Doch die Industrie, aber auch wir waren noch nicht parat. Wir waren unsicher, ob man Luxusgüter online überhaupt verkaufen kann und soll. Viele aus unserer Branche haben zugewartet. Die jüngsten Entwicklungen sind aber so deutlich, dass wir uns gesagt haben, jetzt müssen wir vorwärtsmachen. Seit März sind wir online.

Online ist etwas Neues im Luxusbereich. Die Lancierung war vielbeachtet.

Absolut, es ist ein neuer Weg. Wir wollten unbedingt die Ersten sein in der Schweiz, die im Luxusbereich online gehen. Es gibt zahlreiche Anbieter im unteren Preissegment, im Luxusbereich ist Online aber neu. Wir haben die Resonanz der Kunden und Medien gezielt gesucht. Nach der Lancierung sind wir bereits an der nächsten Version. Es ist nicht so, dass wir gestartet sind und nun auf die grossen Umsätze warten.

Wie sind denn die ersten Erfahrungen?

Sie entsprechen unseren Erwartungen. Wir erwirtschaften natürlich nun nicht 50 Prozent unseres Umsatzes über den Onlinekanal. Unser Ziel ist eine volle Integration von Offline und Online. Die zwei Welten kommen zusammen. Die Kunden sehen die Trennung nicht mehr. Auch der Grundsatz, dass online alles günstiger sein muss, gilt nicht mehr. Für einen guten Onlineshop muss ich heute viel Geld ausgeben. Es gibt keinen Grund für einen Preisabschlag. Wir sehen Online als Ergänzung. Unsere Kunden können sich im Netz informieren und mit uns kommunizieren. Sie können eine Uhr sofort kaufen, oder sie sich in einer unserer Boutiquen, beispielsweise am Schwanenplatz, bestellen, um sie anzuprobieren.

Bei Luxusuhren gibt es viele Beispiele, Schmuck ist neu.

In einer ersten Phase beschränken wir uns auf Uhren. Ausgewählte Schmuckstücke sind zwar online mit den Preisen abgebildet, sie können aber noch nicht gekauft werden. Das wird sich aber in den nächsten Wochen ändern. Bei Uhren gibt es bereits viele Anschauungsbeispiele, der Prozess ist schon standardisiert. Beim Schmuck ist das neu. Ich bin überzeugt, dass Hochzeitsringe oder unsere Linie «Sparks of Fire» online sehr gut laufen werden. Man kann diese online individuell gestalten.

Bei Luxusgütern stellt sich immer die Frage nach der Sicherheit.

Deshalb sind wir etwas eingeschränkt gestartet. Wir liefern derzeit nur in der Schweiz und verschicken nur Produkte unter 10 000 Franken. Daraus wollen wir lernen. In der Schweiz ist die Sicherheit beim Verschicken sehr hoch. Wir haben grosses Vertrauen in die Post, mit der wir täglich zusammenarbeiten. Zudem: Sie können heute Kleider kaufen, die 3000 Franken oder mehr kosten.

Wollen Sie denn auch teurere Produkte online verkaufen und ins Ausland liefern?

Das haben wir noch nicht beschlossen. Im Prinzip ist das möglich.

Wird Gübelin in Zukunft weniger Filialen haben?

Das ist eine schwierige Frage. Der Detailhandel verändert sich massiv. Er wird künftig ganz anders aussehen. In den USA ist der Retailhandel stark am Schrumpfen. 2016 gingen in den USA 90 000 Stellen verloren, Shoppingmalls werden geschlossen. In Asien ist dieser Trend weniger zu spüren, doch in Europa wird das auch passieren. Bei Gübelin werden die Online-Umsätze nicht nur zusätzliche Umsätze sein. Es wird eine gewisse Kannibalisierung stattfinden – ob das einen Einfluss auf die Zahl unserer Boutiquen haben wird, kann ich aber noch nicht sagen.

Wie hat sich das Geschäft von Gübelin zuletzt entwickelt?

2016 war schwierig. Politisch gab es viele Unsicherheiten. Die Anschläge in Paris, der Brexit, die US-Wahl. Hinzu kam China, wo es wirtschaftlich weniger gut lief. Der Tourismus ging weltweit zurück. Das haben wir auch bei unseren Umsätzen gespürt. 2016 war etwas schlechter als 2015. In diesem Jahr sieht es besser aus. Der Tourismus zieht an – auch in Luzern, wo wir im Tourismus­geschäft den grössten Umsatzanteil machen. Luzern hat alles, was die Schweiz zu bieten hat: Wasser, Berge, die kleine schöne Stadt. Man hat die Schweiz gesehen, wenn man in Luzern gewesen ist.

Für manche hat es am Schwanenplatz zu viele Touristen – oder zumindest zu viele Cars.

Teilweise wollen wir keine Tourismusstadt sein. Dafür habe ich wenig Verständnis. Die vielen Touristen bringen Umsätze und Arbeitsplätze nach Luzern. Ich bin aber bereit für einen Dialog. Wir sind stark daran interessiert, den Status quo zu verbessern. ­ Mit dem schnellstmöglichen Abschaffen von Carparkplätzen am Schwanenplatz erzielt man aber keine Verbesserung.

Und das Parkhaus Musegg?

Im Parkhaus Musegg stehen die Autos und nicht die Cars im Zentrum. Dafür würden wohl auch Parkplätze in der Neustadt gestrichen. Doch auch diese Läden sind darauf angewiesen. Bei den Carparkplätzen bin ich unsicher, ob es ein gleichwertiger Ersatz für die bestehende Lösung am Schwanenplatz ist. Falls es nicht funktionieren sollte, verlören wir Umsätze. Das würde weniger Arbeitsplätze und weniger Steuern bedeuten.

Weshalb sollte das Parkhaus kein Ersatz sein für die bestehenden Carparkplätze?

Das Tourismusgeschäft ist nun mal auf Geschwindigkeit ausgelegt. Das ist eine der grossen Stärken von Luzern. Die Touristen erreichen die Innenstadt zentral, sie sehen die Schönheit des Sees, der Berge, der Kapellbrücke. Und natürlich sind die Eingänge der Schmuck- und Uhrenläden gleich da. Nach einem kurzen Aufenthalt können die Touristen einsteigen und ihre Reise unkompliziert fortsetzen. Wenn sie aber durch einen langen Tunnel laufen müssen, der dann nicht gleich am Schwanenplatz endet, verlieren wir an Attraktivität.

Was schlagen Sie vor?

Egal, was für eine Lösung kommt, ich bin für eine Etappierung. Die Parkplätze am Schwanenplatz sind für uns optimal, man sollte sie nicht auf einen Schlag auflösen, sondern zuerst beobachten, wie der Ersatz funktioniert. Verlieren wir keine Kunden, können wir auf die Parkplätze verzichten.

Sie führen Gübelin in sechster Generation. Was hat sich verändert?

Meine Schwester und ich haben einiges gemacht. Die wichtigsten Neuerungen sind für mich der Aufbau der eigenen Schmuckmarke Gübelin Jewellery, die ­Modernisierung aller Boutiquen nach einem neuen Konzept und die Expansion nach Asien. Wir haben Boutiquen in Hongkong und in Kuala Lumpur eröffnet. Zudem haben wir zwei gemmologische Labors in Hongkong und New York aufgebaut. Dieses Wissen rund um die Gemmologie wollen wir pflegen. Das gehört zu Gübelin. Mein Grossonkel und meine Eltern haben viel mit Edelsteinen gearbeitet, meine Mutter macht es auch weiter- hin. Farbedelsteine sind wie Kunst oder Wein. Je mehr man über sie weiss, desto mehr faszinieren sie.

Wer ein Familienunternehmen führt, wird von den Vorgängern mit Argusaugen beobachtet.

Jede Generation, die ans Ruder kommt, muss eine Veränderung machen. Davon leben Unternehmen. Ein Generationenwechsel ist die Chance, sich zu verändern. Das haben meine Eltern auch so gesehen. Klar, würden sie gewisse Dinge anders machen, aber sie verstehen, dass man etwas machen muss. Sie sind nach wie vor Mitglieder des Verwaltungsrats und können Einfluss nehmen. Wir treffen Entscheide gemeinsam. Meist präsentiere ich die Ideen und fordere und weible. Oft komme ich durch – vielleicht nicht immer genau so, wie ich das ursprünglich gewollt hatte. Wichtig ist aber, dass wir vorwärtskommen und nicht stehen bleiben.

Sie haben drei Kinder. Bleibt Gübelin in Familienhand?

Das wäre schön. Familienunternehmen in sechster Generation sind rar. Sie werden anders geführt. Als Raphael Gübelin bin ich in alles involviert. Wenn ich in die Ferien gehe, kommt die Firma mit. Das merkt der Kunde. Dafür stehe ich mit meinem Namen.

Ein Verkauf von Gübelin steht nicht zur Diskussion?

Das ist bis anhin kein Thema. Aber ich würde nicht sagen: Wir machen das nie. Es kommt immer auf die Umstände an. Derzeit finde ich es richtig, dass wir ein Familienunternehmen sind und alle Anteile bei der Familie liegen.

Zur Person: Raphael Gübelin (40) ist seit 2007 im Verwaltungsrat von Gübelin. 2011 hat er die CEO-Position von seinem Vater Thomas übernommen. Von der sechsten Generation ist auch seine Schwester Sara Gübelin am Unternehmen beteiligt. Gübelin ist mit einem geschätzten Umsatz von 200 Millionen Franken der drittgrösste Schmuck- und Uhrenhändler der Schweiz.

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