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LUZERN: Carl F. Bucherer-Chef hofft auf viele lokale Kunden

Carl F. Bucherer eröffnet eine Boutique am Grendel. Sascha Moeri, Chef der Uhrenmarke, ist überzeugt, dass dies keine Konkurrenz fürs Hauptgeschäft von Bucherer ist. Er will schon bald 30'000 Uhren verkaufen.
Roman Schenkel
Sascha Moeri, CEO von Carl F. Bucherer, in der neuen Boutique. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 14. August 2017))

Sascha Moeri, CEO von Carl F. Bucherer, in der neuen Boutique. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 14. August 2017))

Interview: Roman Schenkel

Sascha Moeri, Carl F. Bucherer eröffnet heute eine eigene Boutique am Grendel. Weshalb?

Zum einen wollen wir näher an unserer lokalen Kundschaft sein, und zum anderen wollen wir die Uhrenmarke Carl F. Bucherer noch bekannter machen und sie klar von Bucherer Retail unterscheiden. Da gibt es noch oft Missverständnisse. Bucherer ist der beste Retailer, der Schmuck und Uhren von über 40 Marken verkauft. Carl F. Bucherer hingegen ist die Uhrenmanufaktur, die den Namen des Gründervaters Carl Friedrich Bucherer trägt. Er hat die Gruppe hier in Luzern im Jahr 1888 gegründet. Wir sind stolz, ein Teil der Bucherer-Gruppe zu sein, doch wir agieren selbstständig. Inzwischen ist Carl F. Bucherer in über 25 Ländern mit 350 Verkaufspunkten präsent.

Das Hauptgeschäft von Bucherer ist nur wenige Schritte entfernt, haben Sie keine Angst, dass die neue Filiale für ein weiteres Bucherer-­Geschäft gehalten wird?

Nein, da habe ich keine Bedenken. Im Gegenteil. Es ist eine Riesenchance, aufzuzeigen, dass es eben zwei verschiedene Unternehmen sind.

Oder dass Sie sich da gegenseitig Umsätze abjagen?

Die Carl-F.-Bucherer-Boutique ist eine Ergänzung zum Hauptgeschäft, keine Konkurrenz. Der Kunde hat hier die Möglichkeit, sich mit unserer Geschichte, den Werten und natürlich mit den Uhren detailliert auseinanderzusetzen. Wir hoffen, dass viele Luzerner Kundinnen und Kunden in die Boutique kommen werden.

Aber asiatische Kunden werden auch den Weg hierhin finden?

Natürlich, aber wir wollen als Luzerner Uhrenmanufaktur vermehrt die lokale Kundschaft ansprechen.

Hätten Sie nicht einfach die Fläche für CFB-Uhren im Hauptgeschäft vergrössern können?

Das haben wir ebenfalls gemacht: Wir haben die Verkaufsfläche für Carl-F.-Bucherer-Uhren ausgebaut. Das hat auch mit unserer Erfolgsgeschichte zu tun, seit mehreren Jahren sind wir substanziell am Wachsen.

Mussten Sie ausweichen, weil man die hauseigene Marke neben den anderen Uhrenmarken wie Rolex, IWC oder Audemars Piquet nicht zu gross präsentieren konnte?

Bucherer hat die besten Uhrenmarken im Angebot, die es weltweit gibt. Dass wir Carl-F.-Bucherer-Uhren in einem solchen Umfeld platzieren können, freut mich riesig und macht uns stolz. Es ist nicht so, dass wir uns mehr Platz suchen mussten. Wir wollten eine eigene Carl-F.-Bucherer-Boutique in Luzern haben.

Ihre Uhrenmarke hat in den letzten Jahren deutlich an Präsenz gewonnen, man merkt, es wird viel investiert. Zeigt das Wirkung?

Für mich ist es ein absolutes Privileg, seit 2010 CEO dieser tollen und einzigartigen Marke zu sein. Unsere Vision ist es, Carl F. Bucherer weltweit erfolgreich zu etablieren. Dabei kommen wir vorwärts: 2010 haben wir rund 6500 Uhren verkauft, inzwischen sind es 25000 Stück pro Jahr.

Und es sollen noch mehr werden?

Ja. Bis anhin waren wir aufgrund von Produktionsengpässen etwas limitiert. Zum Glück konnten wir vor einem Jahr in unsere Uhrenproduktion in Lengnau investieren. Das ermöglicht uns höhere Produktionskapazitäten. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres konnten wir bereits ein schönes Wachstum verbuchen.

Wo ist denn die Grenze?

Wir wollen die Produktion unserer Zeitmesser bewusst limitieren. Ab einer gewissen Menge ist man nicht mehr exklusiv. Eine Massenproduktion von 200000 Stück würde nicht zu uns passen. Irgendwann ist das Maximum erreicht. Aber wir haben schon noch Potenzial zum Wachsen. Vorerst wollen wir die 30000 erreichen.

Die Dichte an Uhrenläden am Grendel ist sehr hoch. Gibt es keine Marktsättigung?

Die meisten Menschen erfüllen sich mit dem Kauf einer Uhr einen langersehnten Traum. Jede verkaufte Uhr in Luzern wird somit zur Botschafterin dieser tollen Stadt. Für uns ist es logisch, hier in Luzern am Grendel zu sein. Carl Friedrich Bucherer hat hier vor rund 130 Jahren begonnen.

Die vielen Uhrenläden am Schwanenplatz und Grendel kommen nicht überall gut an. Was sagen Sie zur Kritik an der Luzerner «Uhrenmeile»?

Wir haben unsere Filiale insbesondere für die lokale Kundschaft gebaut und hoffen natürlich, dass dieses Bekenntnis zu unserer Heimatstadt positiv wahrgenommen wird.

Mit dem Lokal in Luzern haben Sie nun sechs eigene Boutiquen. Sind noch weitere geplant?

Wir haben vorerst vor allem eine grosse Präsenz in anderen Verkaufsgeschäften geplant. Ob wir weitere Boutiquen eröffnen, wird sich zeigen. Im Fokus steht dabei aber weniger der Schweizer Markt, sondern internationale Metropolen.

Braucht es im Online-Zeitalter noch Boutiquen?

Online ist sehr wichtig. Fakt ist aber: Auf der Gewinnerseite werden diejenigen Manufakturen stehen, die online und offline geschickt orchestrieren. Jörg G. Bucherer – unser Chef – sagt stets: Einen Handschlag kann man nicht ersetzen. Dies beantwortet die Frage nach Verkaufsgeschäften ziemlich klar.

Sie sind unter anderem offizieller Ausrüster der Schweizer Fussballnati. Wie wichtig ist diese Werbung für Carl F. Bucherer?

Bei einem solchen Engagement ist für uns die Verbindung zur Schweiz zentral. Offizieller Timekeeper der 13 Schweizer Fussballnationalmannschaften zu sein, ist für uns eine tolle Sache. Das unterstreicht nicht nur unser Bekenntnis zur Schweiz, sondern ist für unsere Schweizer Kundschaft auch von hoher Bedeutung.

Carl F. Bucherer ist aber auch in Hollywoodfilmen präsent. Vor kurzem ist der Film «Atomic Blonde» mit Charlize Theron in den Kinos angelaufen. Ihre Uhren spielen darin eine zentrale Rolle. Wie kam es dazu?

Der Regisseur David Leitch ist schon seit vielen Jahren Markenbotschafter von Carl F. Bucherer. Er selber ist mit der Idee auf uns zugekommen, unsere Uhren im Film zu verwenden. Das ist also nicht einfach ein gezieltes Product Placement, sondern das Ergebnis einer langjährigen Partnerschaft. Dass ein Hollywoodstar wie Charlize Theron, die nicht Carl-F.-Bucherer-Botschafterin ist, unsere Uhr trägt, ist für uns natürlich riesig.

Was kostet Sie das?

Product Placement im üblichen Rahmen ist für uns oft kostenlos. Beziehungsweise die Uhren, die man übergibt, erhält man nicht mehr zurück. Geld aber fliesst nicht. Bei einem solch prominenten Auftritt wie in «Atomic ­Blonde» – es kommen immerhin drei unserer Uhren vor, und die Hauptdarstellerin trägt eine unserer Damenuhren – gibt es auch ein finanzielles Engagement.

Wie wichtig ist solche Werbung fürs Geschäft?

Über allem steht das Produkt. Daran arbeiten wir sehr hart. It’s all about the product. Das Marketing ist ein wichtiges Puzzlestück, aber nicht das einzige entscheidende Element.

Schlagen sich solche Engagements denn in den Verkaufszahlen nieder?

Auf jeden Fall. Das ist aber nach Region unterschiedlich. Wenn Sie den Film sehen, gehen Sie morgen nicht gleich in den Laden und kaufen sich die Uhr. In Europa kaufen sich Kunden unsere Uhren, weil sie ihnen gefallen, weil sie unsere Geschichte und die Markenwerte mögen. Aber das ist von Markt zu Markt sehr unterschiedlich. In Asien zum Beispiel spüren wir jeweils einen starken Impact. Nach einem Auftritt einer unserer Uhren im Film «Fast & Furious» waren wir mit dem entsprechenden Modell nach zwei Wochen ausverkauft.

Sascha Moeri (44) ist seit 2010 CEO von Carl F. Bucherer. Die Uhrenmarke gehört zur Bucherer-Gruppe. Moeri war bei der Swatch Group und Michel Jordi tätig. Zuletzt ­arbeitete der gebürtige Bieler für den Konzern Chow Tai Fook (Hongkong) als Vizepräsident bei Milus International. Carl F. Bucherer schreibt einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Franken und ­beschäftigt gut 100 Mitarbeitende. In der Uhrenmanufaktur in Lengnau arbeiten 70 Mitarbeiter, weitere 30 Personen in Luzern. (red)

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