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LUZERN: Casino hat wenig vom Tourismus-Boom

Die Kursaal-Gruppe zahlt gute Dividenden. Beim Spielbank-Unternehmen hapert es aber mit der Rentabilität. Ein neuer Grossaktionär bringt das Thema jetzt auf den Tisch.
Rainer Rickenbach
Das Luzerner Casino könnte noch mehr verdienen, finden Investoren. Sie vergleichen es mit anderen Spielcasinos der Schweiz, die eine höhere Rendite erzielen. (Bild Dominik Wunderli)

Das Luzerner Casino könnte noch mehr verdienen, finden Investoren. Sie vergleichen es mit anderen Spielcasinos der Schweiz, die eine höhere Rendite erzielen. (Bild Dominik Wunderli)

RAINER RICKENBACH

Im ersten halben Jahr 2016 wechselten mehr Aktien der Luzerner Kursaal-Gruppe ihren Besitzer als in den ganzen zwei Jahren zuvor. Verkauft und gekauft wurden Wertpapiere der Grand-Casino-Muttergesellschaft im Wert von über 1,7 Millionen Franken. Das geht aus den Zahlen der OTC-X-Börse der Berner Kantonalbank hervor, wo der Handel von nicht kotierten Nebenwerten über die Bühne geht. Der Kurs der gefragten Kursaal-Aktie bewegt sich seit einem Jahr in der Bandbreite von 252 und 350 Franken, gestern lag er bei 312 Franken.

Zwei neue Investoren

Zum ungewöhnlich hohen Kaufvolumen hat die Luzerner ER Group beigetragen. Auf sie entfällt etwa die Hälfte der Transaktionen. Sie besitzt heute 4,8 Prozent der Kursaal-Aktien. Die ER Group ist eine Beratungsfirma, die sich mit eigenem Geld an Unternehmen beteiligt. Sie ist je zur Hälfte im Besitz der beiden Luzerner Investoren Erwin Röösli und Romano Brandenberg. «Wir haben vor, mit unserem Casino-Engagement einen konstruktiven Beitrag für die Zukunft der Spielbank zu leisten», begründet Röösli den Aktienkauf. Es handle sich um ein langfristiges Engagement.

Die beiden Neuaktionäre finden, das Grand Casino Luzern könnte mehr aus sich machen. «Die Casino-Führung verweist in ihren Geschäftsberichten immer wieder auf die strengen Auflagen der Eidgenössischen Spielbankenkommission, die Konkurrenz durch Onlinespiele und die grenznahen ausländischen Spielbanken, die über mehr unternehmerische Freiheiten verfügen. Das trifft zwar alles zu. Doch im Vergleich mit den anderen Schweizer Casinos, die mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen haben, schneidet Luzern deutlich weniger gut ab», sagt Brandenberg.

Wenig schmeichelhafter Vergleich

Sein Margenvergleich fällt für Luzern in der Tat nicht schmeichelhaft aus: Misst man den Betriebsgewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) an den Bruttospieleinnahmen, so schneidet nur Lugano schlechter ab als das Casino Luzern (siehe Grafik). In Bern, Montreux oder St. Gallen erreicht der Betriebsgewinn überall 15 bis 20 Prozent der Bruttospielerträge. In Luzern sind es nur 10 Prozent. Das erst vor vier Jahren eröffnete Casino Zürich kommt auf die gleiche Quote.

Asien-Boom geht am Casino vorbei

Dabei wären in der Touristenstadt Luzern die Voraussetzungen für das Glücksspielgeschäft eigentlich besser als in den meisten anderen Schweizer Städten. Die Schifffahrtsgesellschaften oder die Bergbahnen zum Beispiel profitieren vom Asien-Boom und schreiben Rekordergebnisse. Beim Casino hingegen schrumpft der Gewinn, obwohl die Asiaten als spielfreudig gelten.

Im Analystenbericht der Nebenwertbörse kommt der Autor ebenfalls zum Schluss, das Grand Casino Luzern nutze die Möglichkeiten nicht. Obwohl der Standort in der weltbekannten Touristenstadt direkt am Vierwaldstättersee hervorragend sei, habe das Grand Casino Luzern diesen Trumpf bisher zu wenig ausgespielt, heisst es in der Beurteilung auf der Online-Seite der Nebenwertbörse. Von den asiatischen Besuchern profitiere die Spielstätte bisher wenig. «Der Bruttospielertrag und auch die Rentabilität der Grand-Casino-Luzern-Gruppe haben daher laufend abgenommen und sind im Branchenvergleich schwach», schreibt der Analyst. In der Tat sind die Zahlen des Grand Casino seit einigen Jahren wenig berauschend. Alleine im vergangenen Jahr sank der Umsatz um mehr als 4 Prozent auf 47 Millionen Franken. Der Gewinn gab um über 5 Prozent nach, er summierte sich auf 1,1 Millionen Franken. Die Muttergesellschaft Kursaal AG steigerte ihren Reingewinn leicht auf 900 000 Franken.

Zentrales Problem ist die sinkende Spiellust. 35,96 Millionen Franken gaben die Spielgäste 2015 im Luzerner Grand Casino aus. Zum Vergleich: 2007 waren es 52,6 Millionen Franken. Der Bruttospielerlös brach in den acht Jahren also um fast einen Drittel ein.

Nun steht Luzern mit den rückläufigen Spieleinnahmen keineswegs alleine da. Vor wenigen Tagen gab die Eidgenössische Spielbankenkommission bekannt, in den Schweizer Casinos seien die Spieleinsätze im vergangenen Jahr um weitere 4 Prozent zurückgegangen. Die Spieleinnahmen sind schon seit Jahren rückläufig. Dafür boomen dank den Schweizer Gästen die Spielstätten im grenznahen Ausland, wo die Behörden nicht mit überbordenden Regelwerken dazwischenfunken wie in der Schweiz.

Mehr als nur Glücksspiele

Warum aber hapert es im Luzerner Grand Casino mit der Rendite? Wieso arbeiten andere Schweizer Spielstätten gewinnbringender? Kursaal-Verwaltungsratspräsident Guido Egli sagt, die anderen Schweizer Casinos arbeiteten nicht gewinnbringender oder im Kerngeschäft rentabler als Luzern. «Der Unterschied liegt in der Unternehmens- und Betriebsstruktur. In Luzern ist die Casino-Gesellschaft zusätzlich für alle angeschlossenen Betriebe wie die Restaurants oder das Casineum zuständig», so Egli. Die Betriebsgewinnmarge sei darum geringer als bei einer Gesellschaft, die nur den Spielbetrieb führe. Ein Vergleich mit reinen Casino-Betrieben sei folgerichtig nicht aussagekräftig.

«Kommt hinzu: Anders als zum Beispiel in St. Gallen oder Mendrisio ist das Luzerner Casino nicht in eingemieteten Räumen, sondern befindet sich in einem denkmalgeschützten, beinahe 150 Jahre alten Gebäude. Es zu unterhalten, kostet viel Geld», so Egli. Für mehrere Millionen Franken wurden in den vergangenen Jahren das Dach saniert, die Fassade erneuert und der Panoramasaal hergerichtet. Egli: «Das Gebäude liegt zudem in der Tourismuszone, die Nutzung ist daher eingeschränkt.»

Keine Zeit für das Casino

Egli räumt indes ein, es sei bislang nicht gelungen, im grossen Umfang am Asien-Boom teilzuhaben. «Stärker davon zu profitieren, ist aber nicht einfach, denn die asiatischen Touristen sind für höchstens zwei Tage hier. Sie haben dicht gedrängte Tagesprogramme, und ihre Reiseleiter verdienen an Uhrengeschäften und Bergbahnfahrten deutlich mehr als an Casino-Besuchen», sagt er.

Mit Spezialangeboten erreiche das Casino zwar Individualgäste, nicht aber die grosse Masse der asiatischen Gruppengäste. Immerhin sei der Anteil Touristen an den Casino-Gästen insgesamt aber steigend, sagt Guido Egli.

Gute Dividenden-Rendite

Obwohl das Spielgeschäft seit acht Jahren nicht gut läuft, hielt der Verwaltungsrat stets an der Dividende von 12 Franken pro Aktie fest. Die Dividendenrendite liegt bei guten knapp 4 Prozent. «Das scheint zwar attraktiv. In der Bilanz steht allerdings noch ein Goodwill in der Höhe von 3,8 Millionen Franken, der das Ergebnis auch künftig noch belasten könnte», heisst es im Analystenbericht der OTC-X-Nebenwertbörse der Berner Kantonalbank.

Goodwill wird jedes Jahr kleiner

Der Goodwill stammt aus dem Jahr 2010, als die Kursaal Casino Luzern AG das gesamte Aktienpaket der Spielbetrieb-Tochtergesellschaft Grand Casino AG von Casinos Austria übernahm. Die Österreicher hatten in Luzern massgeblich mitgeholfen, die Spielbank in das vor bald 15 Jahren in der Schweiz lancierte Grand Jeu einzuführen. Casinos Austria war mit 45 Prozent am Spielbetrieb beteiligt. Die Differenz zwischen dem Aktienkurs und dem bezahlten und effektiven Preis des Aktienpakets lag bei mehr als 6 Millionen Franken und fand als Goodwill Platz in der Bilanz. Seither wurde dieser jährlich mit rund einer halben Million abgeschrieben. Die Abschreibung erfolgt über insgesamt zwölf Jahre.
Ein einzelner Aktionär darf nicht mehr als 5 Prozent der Kursaal-Gruppe-Aktien besitzen. Einzige Ausnahmen ist die Stadt Luzern mit 11 Prozent Anteil am Aktienkapital.

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