LUZERN: CEO-Suche geht in heisse Phase

Bis Mitte Jahr will der Verwaltungsratspräsident der Luzerner Kantonalbank den CEO-Posten neu besetzt haben. Im Gespräch gibt Mark Bachmann Einblick in den Rekrutierungsprozess.

Interview Hans-Peter Hoeren
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Mark Bachmann, VR-Präsident der Luzerner Kantonalbank, auf der Dachterrasse beim Hauptsitz der Bank. Nächste Woche erwartet die LUKB rund 4000 Aktionäre zur GV. (Bild Pius Amrein)

Mark Bachmann, VR-Präsident der Luzerner Kantonalbank, auf der Dachterrasse beim Hauptsitz der Bank. Nächste Woche erwartet die LUKB rund 4000 Aktionäre zur GV. (Bild Pius Amrein)

Mark Bachmann, seit drei Monaten suchen Sie und der Verwaltungsrat nach einem neuen CEO für die Luzerner Kantonalbank. Wann präsentieren Sie denn nun den neuen LUKB-Chef?

Mark Bachmann*: Ich bin zuversichtlich, dass wir die CEO-Stelle bis Mitte Jahr dauerhaft besetzen können.

Das heisst, jetzt geht es in die finalen Gesprächsrunden?

Bachmann: Es haben sich sehr viele Personen für diese Stelle beworben. Doch davon entspricht nur ein relativ kleiner Teil dem definierten Anforderungsprofil.

Von wie vielen Kandidaten reden wir?

Bachmann: Die Zahl bewegt sich im einstelligen Bereich. Das Compensation/ Nomination Committee (CNC) unseres Verwaltungsrats hat ein externes Unternehmen mit dem Rekrutierungsprozess betraut. Es wurde eine Shortlist erstellt, auf deren Basis jetzt Gespräche mit den Kandidaten geführt werden. Alle drei Mitglieder des CNC – ich gehöre dazu – sind bei diesen Gesprächen mit dabei.

Wer entscheidet letztlich über den neuen LUKB-CEO?

Bachmann: Für die Wahl des neuen CEO der LUKB ist der Gesamtverwaltungsrat zuständig. Das CNC bereitet die Wahl sorgfältig vor und hat das Ziel, dem Gesamtverwaltungsrat zwei bis drei valable Kandidaten zu präsentieren, aus denen dieser dann den neuen CEO mit der besten Qualifikation auswählen wird. Momentan führt das CNC Gespräche mit möglichen Kandidaten.

Sie könnten sich die aufwendige Suche ersparen. Mit dem CEO ad interim, Daniel Salzmann, stünde doch ein sehr qualifizierter Kandidat bereit.

Bachmann: Wir halten intern und extern nach potenziellen Kandidaten Ausschau. Und das mit grosser Sorgfalt. Wir brauchen einen CEO ja nicht nur für drei bis vier Monate, sondern im Idealfall für zehn Jahre. Daniel Salzmann leitet die Bank interimistisch seit dem 21. Januar 2014 sehr gut. Er kennt das Marktgebiet und die Kunden, weil er zuvor für den Bereich Privat- und Gewerbekunden zuständig war. Er ist seit zehn Jahren in der Geschäftsleitung der LUKB. Zudem kann er auf eine erfahrene Gruppe von Kadermitarbeitern bauen. Aber es gehört zu einem professionellen Selektionsprozess für solche anspruchsvollen Funktionen, dass man den Fächer bewusst weit aufmacht, das heisst auch extern sucht.

Welche Qualifikationen machen bei der Endauswahl den Unterschied aus?

Bachmann: Für die Stelle braucht es sicherlich breite Erfahrung in einer Universalbank und Führungserfahrung in einer grossen Einheit dieser Bank. Es muss eine Person sein, die bereit ist, sich in öffentlichen Gremien zu bewegen und sich öffentlich zu exponieren. Gleichzeitig suchen wir jemanden, der einen Bezug zu der Region Luzern hat und zur Kultur der LUKB passt. Kaum ein Kandidat wird all diesen Anforderungen gerecht.

Was muss man mitbringen, um zur Kultur der LUKB zu passen?

Bachmann: Wir suchen jemanden, der aus dem Privat- und Firmenkundengeschäft kommt, also das Geschäftsmodell einer Bank wie der LUKB von innen kennt. Eine Person, die von einer internationalen Investmentbank kommt oder vorher nur in Stabsfunktionen einer Grossbank gearbeitet hat, steht für uns nicht im Fokus des Interesses. Als lokal verankerte Bank ist es natürlich auch wichtig, dass der neue CEO ein Schweizer ist.

Ex-LUKB-Chef Bernard Kobler steht der Bank noch beratend zur Seite. Wie läuft das praktisch ab?

Bachmann: Bernard Kobler verfügt über grosse Netzwerke in der Region und in der Finanzbranche. Er ist vor allem Ansprechpartner und Ratgeber für den CEO ad interim, Daniel Salzmann. Die langjährige CEO-Erfahrung von Bernard Kobler ist für die Bank sehr wertvoll.

Die private Affäre von Herrn Kobler und sein Rücktritt stellten die erste Krisensituation für Sie als Verwaltungsratspräsident der LUKB dar. Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Bachmann: Ich habe den gesamten Verwaltungsrat in dieser schwierigen Situation als sehr sachlich erlebt, obwohl es hier um ein äusserst emotionales Thema ging. In der Bewertung der Situation waren wir sehr homogen. Wir würden aus heutiger Sicht nichts anders machen.

Der Verwaltungsrat der LUKB hat im vergangenen Jahr eine Auszeichnung der Zeitung «Finanz und Wirtschaft» erhalten. Was macht die Zusammenarbeit im Gremium aus?

Bachmann: Wir sind ein gut eingespieltes Team, das über ein breites Kompetenz- und Erfahrungsspektrum verfügt. Wichtig ist es auch, eine Aussensicht in dem Gremium zu haben; zwei unserer VR-Mitglieder stammen nicht aus dem Kanton Luzern. Zudem pflegen wir eine sehr offene Kommunikationskultur und diskutieren Traktanden auch kontrovers, aber immer konstruktiv. Wichtig ist die Gleichwertigkeit der Mitglieder, also dass alle ungefähr gleich viel Verantwortung tragen.

An der Generalversammlung am 14. Mai steht die Minder-Initiative im Mittelpunkt. In einem guten Jahr verdient ein LUKB-CEO inklusive der variablen Vergütungen knapp eine Million Franken. Ist das den Aktionären vermittelbar?

Bachmann: Die LUKB hat ein sehr vernünftiges Vergütungsregime. Wir bewegen uns in der Bandbreite, die uns unser Hauptaktionär, der Kanton Luzern, vorgegeben hat. Mit unserem Vergütungsregime liegen wir damit im Mittelfeld im Vergleich zu vergleichbaren Regional- und Kantonalbanken.

Bringt die Minder-Initiative dem Aktionär mehr Mitspracherechte?

Bachmann: Die Minder-Initiative führt zu mehr Transparenz und stärkt effektiv die Aktionärsrechte. So finde ich es gut, dass Abgangsentschädigungen nicht mehr erlaubt sind. Es ist im Interesse des Aktionärs, dass gewisse Auswüchse, wie beispielsweise bei gewissen Pharmafirmen, nicht mehr möglich sind. Die entscheidende Frage ist aber eher, wie die Mehrheit der Aktionäre mit diesen neuen Rechten umgeht. Die LUKB hat viele dieser Rechte bereits seit längerem umgesetzt, die Umsetzung der Initiative stellt uns deshalb vor keine grösseren Probleme. Ich denke aber auch, dass die Auswirkungen der Minder-Initiative in einigen Aspekten falsch interpretiert werden.

Was meinen Sie genau?

Bachmann: Die Initianten der Minder-Initiative wollen beispielsweise nicht festgelegt haben, wie hoch die Vergütung der Geschäftsleitung sein soll. Ihr Ziel ist lediglich, dass sich der Aktionär mit dem Thema Vergütung auseinandersetzen und darüber befinden kann.

Welche Rechte hat der Aktionär punkto Vergütungen bei der LUKB?

Bachmann: Wir lassen die Aktionäre künftig retrospektiv (rückwirkend) über die Gesamtvergütung des Verwaltungsrates abstimmen. Die meisten Banken machen das prospektiv (im Voraus). Bei uns ist der Zahltag des Verwaltungsrates die Generalversammlung. Der Aktionär kann unsere Arbeit erst beurteilen, wenn das Geschäftsjahr abgeschlossen ist.

Und wie ist die Regelung bei der LUKB-Geschäftsleitung?

Bachmann: Über die fixen Vergütungsanteile entscheidet die Generalversammlung prospektiv, über die variablen Anteile retrospektiv.

HInWEiS

* Mark Bachmann (51) ist seit 2005 Verwaltungsrat der Luzerner Kantonalbank, seit 2011 leitet er das Präsidium. Bachmann leitete bis Ende vergangenen Jahres die 4B-Gruppe in Hoch- dorf und amtet weiter als Präsident des Herstellers von Fenstern, Fassaden und Badmöbeln.