LUZERN: Chinesen lassen sich Reisen nicht vermiesen

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Chinesische Touristen auf dem Titlis. (Bild: Adrian Stähli / Neue LZ)

Chinesische Touristen auf dem Titlis. (Bild: Adrian Stähli / Neue LZ)

Luzern Annährend die Hälfte der Gäste, die in den Titlis-Bahnen bergauf schweben, stammt aus der Volksrepublik China. Jede zehnte Hotelübernachtung in der Zentralschweiz entfällt heute auf die Touristen aus dem bevölkerungsreichen fernöstlichen Land. Mit einer durchschnittlichen Tagesausgabe von 330 Franken lassen diese erst noch deutlich mehr Geld in den Schweizer Läden liegen als die europäischen oder amerikanischen Gäste. Die Chinesen sorgen nicht nur in den noblen Uhrenläden, sondern auch bei den Grossdetaillisten Migros und Coop, Souvenirläden und bei den Ausflugsanbietern für Umsatz.

Ein Viertel der Wertschöpfung

Luzern-Tourismus-Direktor Marcel Perren schätzt, dass Touristen aus dem bevölkerungsstärksten Land in der Innerschweiz ungefähr einen Viertel zur Wertschöpfung aus dem Tourismus beitragen. Das sind 250 Millionen von insgesamt einer Milliarde Franken. Um die Lage an der Tourismus-Seidenstrasse quer durch Europa beneiden die anderen Tourismusregionen des Landes die Vierwaldstättersee-Region. Denn im Bündnerland oder im Wallis gelingt es nicht, die vom harten Franken abgeschreckten europäischen Gäste mit Kundschaft aus Asien wettzumachen.

Auswirkungen verzögern sich

Nur: Halten die starken Wachstumszahlen an, welche die Chinesen der Region und insbesondere der Stadt Luzern bescheren? Denn auch viele Leute aus dem Mittelstand der Volksrepublik verfolgen zurzeit fassungslos, wie ihre Aktien Tag für Tag an Wert verlieren. Und die Währungsabwertung mag zwar der Exportindustrie kurzfristig etwas Luft zum Atmen verschaffen, sie ist aber nicht dazu angetan, Pläne für Auslandreisen zu schmieden. Davon bekommt die Tourismusbranche hierzulande freilich noch nichts zu spüren. «Die Rückmeldungen von unseren Partnern in China sind nach wie vor erfreulich gut», berichtet Marcel Perren von Luzern Tourismus. Ihm sind keine kurzfristigen Abbuchungen bekannt, wie er auf Anfrage erklärt. Auch Norbert Patt, Chef der Titlis-Bahnen, sagt: «Bis jetzt zeigte die momentan wirtschaftlich unsichere Lage in China bei uns keine Wirkung.» Im ersten halben Jahr gab es sogar noch einmal einen kräftigen Schub: Die Zahl der Hotelübernachtungen von Chinesen stieg in der Region rund um den Vierwaldstättersee um starke 48 Prozent.

Perren rechnet für das zweite halbe Jahr mit einem langsameren Wachstum, auch weil «der eine oder andere» wegen der angespannten Lage auf eine Europareise verzichten könnte. «Doch wirtschaftliche Probleme in den Herkunftsländern unserer Gäste schlagen erst mit einer Verzögerung von mehreren Monaten durch. Kommt hinzu: In China waren bisher die Auswirkungen stets geringer als befürchtet. Kritisch würde es wohl erst, wenn es mit der chinesischen Wirtschaft ein halbes Jahr oder länger bergab gehen sollte.» Das hätte globale Folgen, die über den chinesischen Quellmarkt hinausgehen, so Perren.

Chinesen brauchen neue Pässe

Eine vorübergehende Wachstumsflaute im Geschäft mit den Touristen aus China hält Norbert Patt von den Titlis-Bahnen indes aus einem ganz anderen Grund noch in diesem Herbst für möglich. «Ab Ende Oktober müssen die Touristen biometrische Pässe vorweisen, wenn sie in ein Schengen-Land einreisen. Das dürfte grössere Auswirkungen haben als die hektischen Börsen», ist Norbert Patt überzeugt.

RAINER RICKENBACH

Er findet Schnee den nackten Wahnsinn. (Bild: Adrian Baer (Neue LZ))

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