Luzern
Der grosse Suva-Umbau ist im Gang, nun erhalten Hunderte neue Arbeitsverträge

Die Digitalisierung des Schadenmanagements führt bis zum Jahr 2027 zum Abbau von rund 170 Vollzeitstellen. Dieser 2019 bekannt gewordene Plan nimmt nun konkrete Formen an.

Maurizio Minetti
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Der Hauptsitz der Suva in Luzern.

Der Hauptsitz der Suva in Luzern.

Bild: Boris Bürgisser (23. März 2021)

Die Unfallversicherung Suva steht am Anfang eines umfangreichen Digitalisierungsprojekts. Das ehrgeizige Ziel des Programms «Smart Care»: Ein lernendes System soll die Abwicklung der Unfallfälle teilweise automatisieren. Über das Vorhaben hatte diese Zeitung im September 2019 erstmals berichtet. Es wird nach heutigem Kenntnisstand dazu führen, dass zwischen 2021 und 2027 voraussichtlich 20 Prozent der über 800 Vollzeitstellen im Schadenmanagement gestrichen werden. Das entspricht rund 170 Vollzeitstellen. «Den allergrössten Teil davon werden wir durch natürliche Fluktuation wie Pensionierungen, Kündigungen durch Mitarbeitende oder interne Stellenwechsel abdecken können», sagte eine Sprecherin damals. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Obwohl klar ist, dass das Projekt Stellen kosten wird, haben Gewerkschaften seit Bekanntwerden des Projekts nicht protestiert, im Gegenteil. Im November 2019 lobte Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, die Suva ausdrücklich dafür, dass sie in Sachen Digitalisierung eine führende Rolle spiele. «Neoklassische Ökonomen haben vielleicht etwas Mühe zu verstehen, warum ein Monopolist so innovativ ist. Eine Erklärung dürfte sein, dass eine Firma mit einem langfristigen Horizont, intrinsisch motivierten Mitarbeitenden und einem guten Sozialplan erfolgreicher ist als eine Privatfirma, welche nur dem kurzfristigen Gewinn hinterherrennt», analysierte Lampart in einem Blogeintrag.

Arbeitsverträge werden angepasst

Über den Umbau bei der Suva hat nun der «Blick» am Wochenende berichtet. Dort war die Rede von einem «Geheimplan» sowie von Änderungskündigung für 800 Angestellte. Die Suva widerspricht dieser Darstellung. Zunächst: Es gibt eigentlich zwei Suva-Projekte, eines heisst «Smart Care» und das andere «Structuro». Beim ersten geht es laut der Suva um den oben beschriebenen Umbau im Schadenmanagement. «Wir nutzen die Vorteile der Digitalisierung und strukturieren das Schadenmanagement neu, mit dem Ziel, ein effektives, effizientes und kundenorientiertes Schadenmanagement anbieten zu können. Dies beinhaltet teilweise eine Automatisierung, aber auch weiterhin persönliche Betreuung», so die Suva-Sprecherin.

Durch die Digitalisierung im Schadenmanagement werde es neue Funktionen und Prozesse für rund 800 Mitarbeitende geben, darum würden diese Arbeitsverträge angepasst. «Wir unterbreiten Offerten für neue Funktionen, das heisst Vertragsanpassungen und keine Änderungskündigungen», so die Sprecherin. Neue Verträge gebe es, wenn sich Funktion, Arbeitsinhalt, Arbeitsort oder Lohn verändern. «Smart Care» bringt wie oben erwähnt eine Reduktion von voraussichtlich 170 Jobs bis 2027. Falls mit einzelnen Mitarbeitenden keine passende Lösung gefunden werden sollte, komme der seit 2017 bestehende soziale Massnahmenplan zum Zuge, erklärt die Suva.

Das Projekt «Structuro» hingegen beinhaltet laut der Suva-Sprecherin keinen Stellenabbau. Mit diesem Projekt sollen die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden, indem die Zuständigkeiten beim Schadenmanagement angepasst und auf das digitale Schadenmanagement ausgerichtet werden. Das Kunden- und Partnermanagement, das alle Agenturen sowie einige Supportabteilungen umfasst, werde künftig im neuen Departement «Kunden und Partner» angesiedelt. Die 18 Agenturstandorte bleiben unverändert.

Tiefer Frauenanteil in der Teppichetage

Darüber hinaus berichtete der «Blick», dass Suva-Chef Felix Weber Frauen bei der Beförderung nicht berücksichtigt haben soll. Die obersten Kaderstellen wurden Anfang März verkündet – von 23 Chefposten gingen nur gerade drei an Frauen. Die Suva sagt dazu, dass im Rahmen des Projekts «Structuro» das bisherige Führungsteam in die neue Organisationsform übernommen worden sei. Dabei seien zwei Beförderungen vorgenommen worden. «Bei jeder Beförderung oder Neubesetzung einer Kaderstelle versucht die Suva, Frauen zu berücksichtigen. Entsprechend beträgt der Frauenanteil in Kaderpositionen der Suva derzeit 30 Prozent, mit wachsendem Anteil», so die Sprecherin.

Der Suva scheint bewusst zu sein, dass sie in Sachen Frauenförderung noch Potenzial hat. Laut «Blick» räumte Suva-Chef Weber im Firmen-Intranet in Bezug auf das neue Führungsteam ein: «Auch ich betrachte die Zusammensetzung aus Sicht Diversity mit einem kritischen Auge.»