Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

LUZERN: Die CSS wächst und belohnt

Die nach Kunden grösste Krankenkasse der Schweiz hat auch 2015 kräftig zugelegt. Die Regulierung und die tiefen Zinsen machen der CSS aber zu schaffen.
Roman Schenkel
CEO Georg Portmann (links) und Finanzchef Roman Stein im Firmengebäude der CSS an der Tribschenstrasse in der Stadt Luzern. (Bild Pius Amrein)

CEO Georg Portmann (links) und Finanzchef Roman Stein im Firmengebäude der CSS an der Tribschenstrasse in der Stadt Luzern. (Bild Pius Amrein)

roman Schenkel

Big ist beautiful. Über 1,3 Millionen Kundinnen und Kunden zählt die CSS per 1. Januar 2016 im obligatorischen Bereich. In den letzten fünf Jahren verzeichnet die Krankenversicherung mit Sitz im Luzerner Tribschenquartier ein Wachstum von gut 10 Prozent (siehe Grafik). Mit einem Marktanteil von 15,5 Prozent ist die CSS damit der Platzhirsch in der Schweiz. Zusammen mit dem Zusatzversicherungsgeschäft zählt die Krankenversicherung gar 1,64 Millionen Kunden. «Das Wachstum war primär organisch – also ohne Übernahmen», sagt CSS-Chef Gregor Portmann im Gespräch. Damit habe man den Abstand zur Konkurrenz noch vergrössert.

Zurücklehnen will sich die CSS aber nicht. «Wir wollen mit innovativen Produkten im digitalen Bereich attraktiv für bestehende und neue Kunden sein», betont Portmann. Wie das aussehen könnte, zeigen die rechten Handgelenke des CSS-Chefs und des Finanzchefs Roman Stein. Beide tragen dort einen Fitnesstracker, der Schritte, Distanz und Aktivität misst. Ein Hinweis auf das Produkt «mystep», das die CSS im kommenden Sommer als reguläres Angebot lancieren wird. Dabei werden die Kunden belohnt, wenn sie täglich 10 000 Schritte gehen. Wer dieses Ziel einen Monat lang erreicht, erhält 12 Franken über das CSS-Gesundheitskonto ausbezahlt.

Alternative Modelle im Trend

Laut Portmann, der Ende August als CEO zurücktritt, liegt es nun an seiner Nachfolgerin Philomena Colatrella, diesen Bereich noch weiter voranzutreiben. Denn Belohnungs- und Rabattmodelle kommen bei den Kunden offensichtlich gut an. Auch 2015 setzte sich bei der CSS der Trend fort, dass mehr Versicherte weg vom traditionellen Grundversicherungsmodell hin zu alternativen Versicherungsmodellen wechselten. Ende 2015 waren bereits 60,5 Prozent (Vorjahr: 57,5 Prozent) der CSS-Kunden im obligatorischen Bereich in einem alternativen Modell (Hausarztversicherung, Gesundheitspraxisversicherung oder Telemedizin) versichert. «Und dies, obwohl in diesen Modellen die Prämienrabatte auf Geheiss des Bundesamts für Gesundheit teilweise gesenkt werden mussten», sagt Portmann. In diesen sogenannten «Managed Care»-Angeboten erhalten Kunden Rabatte von bis zu 20 Prozent auf ihre Prämie, weil dadurch Behandlungskosten eingespart werden können.

Besonders stark zulegen konnte bei der CSS das Telemedizin-Modell. 35 000 zusätzliche Kunden kamen im vergangenen Jahr laut Geschäftsbericht hinzu. Insgesamt sind bei der CSS damit über 140 000 Kunden so versichert, dass sie im Falle einer medizinischen Frage vor einem Arztbesuch zuerst eine ärztliche Erstberatung am Telefon in Anspruch nehmen. Danach ist eine freie Arztwahl möglich.

Keine Kompromisse bei Prämien

Finanzchef Roman Stein betonte jedoch, dass bei der CSS das Kundenwachstum nicht über alles gestellt werde. Es fänden keine Kompromisse bezüglich der Prämiengestaltung statt. «Wir legen unsere Prämien nach ökonomischen Kriterien fest, nicht nach dem Ziel der Maximierung der Kundenzahl», sagt Stein. Die erreichte Marktstellung soll durch eine gute Balance zwischen Rentabilität und Marktattraktivität verteidigt werden.

Verlust in Grundversicherung

Im vergangenen Jahr ist das der CSS-Gruppe ganz gut gelungen. 2015 erwirtschaftete die CSS einen Gewinn von 70,4 Millionen Franken (Vorjahr 77,6 Millionen Franken). «Damit sind wir zufrieden, vor allem wenn wir an die Herausforderungen an den Finanzmärkten und die steigenden Leistungskosten denken», kommentiert Stein (siehe Box). Die Leistungskosten stiegen 2015 um 4,1 Prozent. In der Grundversicherung musste die CSS einen Verlust von 12,5 Millionen Franken hinnehmen. Noch im Vorjahr gab es im obligatorischen Bereich einen Gewinn von knapp 26 Millionen Franken. Dieser war dank eines einmaligen Geldeinschusses von der CSS Holding im Umfang von rund 38 Millionen Franken zu Stande gekommen. CSS-CEO Portmann beunruhigt dieser Verlust in der Grundversicherung aber nicht. «Das ist keine Tendenz für die Zukunft», sagte er. Vielmehr sei es jeweils komplex, schon früh im Jahr eine Kostenprognose für das nächste Jahr zu machen und darauf die Prämien festzulegen. «Da macht schon eine kleine Abweichung schnell einmal einen Unterschied von 40 Millionen Franken aus», erklärte Portmann.

Für den Gewinn verantwortlich zeigte sich wie gewohnt das Zusatzversicherungsgeschäft: Dort weist das Unternehmen einen Ertrag von 82,3 Millionen Franken aus, knapp 50 Millionen Franken weniger als 2014. Den Rückgang führt Stein insbesondere auf die Interventionen der Schweizerischen Finanzmarktaufsicht (Finma) zurück: «Die Margen sind dadurch deutlich unter Druck gekommen», so Stein. Übers ganze Geschäft gelang es der CSS aber, den sogenannten kombinierten Schaden-Kosten-Satz (Combined Ratio) unter 100 Prozent zu halten. Für 2015 lag er bei 98,9 Prozent (Vorjahr 100,2 Prozent). Das ist zentral, denn Werte über 100 Prozent bedeuten, dass ein Anbieter versicherungstechnisch Geld verliert – also dass die Prämieneinnahmen tiefer als die Leistungs- sowie Verwaltungskosten sind. «Dieses Ergebnis ist ein gutes Signal», betonte Stein.

Kosten im Griff

Dazu beigetragen hat auch die Kostendisziplin. Der Kostensatz bei den Verwaltungskosten der CSS sank von 9,1 auf 8,5 Prozent. Einen Grossteil der Verbesserungen ist auf die Dekonsolidierung der CSS Vaduz zurückzuführen. Dass deren Zahlen nicht mehr in die Zahlen der CSS einfliessen, hat zur Folge, dass die absoluten Kosten um knapp 25 Millionen Franken gesunken sind. An der CSS Vaduz – heute heisst sie Advigon Versicherung AG – ist die CSS nach dem Verkauf an den deutschen Personenversicherer Hanse-Merkur nur noch zu 25 Prozent beteiligt.

Wenn sich Risiko nicht auszahlt

rom. Die CSS hat 2015 eine Anlageperfomance von knapp 1,3 Prozent erreicht. Vergleicht man dies mit dem Vorjahr, in dem noch eine Rendite von 7,5 Prozent erzielt wurde, sieht das auf den ersten Blick nach einem mageren Ergebnis aus. CSS-Finanzchef Roman Stein darf mit seiner Arbeit aber zufrieden sein. Denn im Vergleich mit anderen Unternehmen schneidet die CSS gut ab. Die Suva zum Beispiel, mit 46 Milliarden grösste institutionelle Anlegerin der Schweiz und deshalb oft als Vergleichsmarke herangezogen, verbuchte 2015 eine Rendite von 1,21 Prozent. «Unser Ergebnis spiegelt Realitäten, die von ultratiefen Zinsen und enormen Wechselkursverlusten geprägt waren», sagte Stein. Aufgrund der tiefen Zinsen war es im letzten Jahr kein Kinderspiel, das angesammelte Kapital nur schon zu erhalten. Bei der CSS wurde es 2015 immerhin um etwas mehr als 64 Millionen Franken auf 3,63 Milliarden Franken gemehrt.

Tiefere Anlagerenditen erwartet

Anderen Anlegern verhagelten die schwierigen Bedingungen die Bilanz. Der AHV-Fonds, die Pensionskasse des Bundes Publica oder die Pensionskasse BVK Zürich, um nur drei Beispiele zu nennen, verzeichneten 2015 eine negative Rendite. «Daran müssen wir uns wohl gewöhnen», sagte Stein. Tiefe Anlagerenditen oder gar Negativrenditen dürften laut CSS-Finanzchef zum Normalzustand werden. Der Finanzexperte sieht auch keinen Silberstreifen am Horizont, der rasch für höhere Zinsen sorgen könnte. So rechnet Stein nicht damit, dass die USA dieses Jahr im grossen Stil die Zinsen anheben werden.

Eine Auswertung verschiedener Anlagestrategien durch den Pensionskassenberater PPCmetrics zeigt, dass sich 2015 Risiko nicht ausbezahlt hat. Mit einem Aktienanteil von über 20 Prozent ist die Anlagepolitik der CSS konservativ. Ihr Ergebnis ist aber besser oder mindestens gleich gut wie die Rendite von risikofreudigeren Anlegern, die einen deutlich höheren Aktienanteil aufweisen. Die Suva hat mit mehr Risiko (Aktienanteil und alternative Anlagen von rund 40 Prozent) weniger Rendite erzielt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.