LUZERN: Die Krönung eines Rekordjahres

Im Hotel Schweizerhof in Luzern kann man Geschichte auf einzigartige Weise erleben. Dafür wurde das Haus nun ausgezeichnet – zum richtigen Zeitpunkt.

Dominik Buholzer
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Hoteldirektor Clemens Hunziker mit dem «Milestone», dem Oscar-Preis des Schweizer Tourismus, im Zimmer von Philipp Fankhauser.

Hoteldirektor Clemens Hunziker mit dem «Milestone», dem Oscar-Preis des Schweizer Tourismus, im Zimmer von Philipp Fankhauser.

Auf einmal stand sie da und begehrte Auskunft: Die italienische Rocksängerin Gianna Nannini wollte sich vor Ort ein Bild von den Umbauarbeiten des Hotels Schweizerhof machen, wollte wissen, wie das Zimmer, das künftig ihr gewidmet ist, im Detail aussieht. Sie war nicht die Einzige. Auch Francesco de Gregori lief plötzlich auf der Baustelle rum, und nach seinem Auftritt im «Stadtkeller» gab der Cantautore an der Rezeption seine Songliste sowie seine Mundharmonika ab – um «seinem» Zimmer im «Schweizerhof» eine persönliche Note zu verleihen.

In den vergangenen beiden Jahren hat der «Schweizerhof» sämtliche seiner 101 Hotelzimmer und Suiten renoviert, sie einem prominenten Gast gewidmet und mit dessen Utensilien versehen. An bekannten Namen mangelt es nicht: Ob Wolfgang Joop, Winston Churchill, Leo Tolstoi, Richard Wagner oder eben Gianna Nannini oder Francesco de Gregori – sie alle waren oder sind regelmässig Gast im «Schweizerhof». Philipp Fankhauser soll die Hälfte der Songs auf seinen beiden jüngsten CDs im Luzerner Traditionshaus, das seit 150 Jahren im Besitz der Familie Hauser ist, geschrieben haben.

Inspiration für andere Hotels

Die Investitionen kosteten eine schöne Stange Geld. Doch sie haben sich gelohnt. Der «Schweizerhof» schreibt in diesem Jahr sein bestes Resultat in der jüngsten Geschichte – und dies, ohne die Preise zu senken. Im Gegenteil: «Wir konnten dank den Renovationen in den vergangenen Jahren unsere Preise stetig anheben», sagt Hoteldirektor Clemens Hunziker. «Dies ist zum Überleben auch nötig. Wir haben keinen Mäzen im Hintergrund, der das Defizit deckt.»

Nun folgte vor zwei Wochen noch die Krönung. Der «Schweizerhof» wurde mit dem Milestone ausgezeichnet, dem prestigeträchtigsten Preis im Schweizer Tourismus. «Kaufen kann sich der ‹Schweizerhof› damit nichts. Er bedeutet aber Ruhm und Ehre», sagt der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren. «Und es ist eine tolle Anerkennung für unsere Mitarbeiter. Er ist Genugtuung für das, was sie jeden Tag für das Haus tun», schiebt Clemens Hunziker nach. Die Wettbewerbsjury geht noch einen Schritt weiter. «Der ‹Schweizerhof› ist ein Familienunternehmen, das andere Familienhotels inspiriert, sich auf die Suche nach ihren Geschichten zu machen», schreibt sie.

Der «Schweizerhof» geniesst mit seinem neuen Zimmerkonzept Vorbildcharakter. Der Weg dahin verlief nicht gradlinig. Und ganz am Anfang stand Richard Wagner. «Als ich vor 15 Jahren hier anfing, wurde ich schnell stutzig. Immer wieder fragten Gäste nach dem Wagner-Zimmer. Und so erkundigte ich mich, ob wir nicht ein solches einrichten sollten», sagt Clemens Hunziker. Die Antwort war unmissverständlich: «Wir brauchen kein Wagner-Zimmer.» Die Geschichten rund um die Persönlichkeiten im «Schweizerhof» liessen Hunziker jedoch nicht mehr los. Im dritten Anlauf stand schliesslich das heutige Konzept fest.

Ungewissheit bei der Queen

Viele, die Rang und Namen haben, sind im «Schweizerhof» abgestiegen. Selbst Formel-1-Fahrer wie Lewis Hamilton oder Adrian Sutil haben sich im Gästebuch verewigt. Bei der Queen ist man sich jedoch nicht zu hundert Prozent sicher, ob sie auch wirklich in Luzern genächtigt hat, als sie 1980 die Grün 80 in Basel besichtigte und dies nutzte, um einen Abstecher nach Luzern zu machen. «Sicher ist aber, dass sie mit Besteck vom ‹Schweizerhof› gegessen hat», sagt Clemens Hunziker lachend. An prominenten Geschichten fehlt es also nicht. Nur einer schrieb im «Schweizerhof» (noch) nicht Geschichte: Tennisstar Roger Federer. Zwar wurde er schon gesichtet, wie er im «Schweizerhof» Kaffee trank. «Doch dieser Umstand allein genügt noch nicht, dass wir einem Prominenten ein Zimmer widmen», betont Clemens Hunziker und schiebt schnell nach: «Leider. Denn ich wünschte mir nichts mehr, als dass wir auch ihm ein Zimmer widmen könnten. Aber das kann sich ja jederzeit ändern.»

Oscar des Schweizer Tourismus

Auszeichnung bu. Es gibt für Hotels, Bergbahnen und Destinationen in der Schweiz keine prestigeträchtigere Auszeichnung als den Milestone. Der Oscar des Schweizer Tourismus, wie der Milestone auch genannt wird, wird jedes Jahr von der Hotel Revue, Hotelleriesuisse verliehen und vom Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco, im Rahmen des Innotour-Förderprogramms unterstützt. Der Milestone steht unter dem Patronat des Schweizer Tourismus-Verbands.

Neben herausragenden Projekten werden auch ein Nachwuchs- sowie ein Umweltpreis verliehen. Zudem wird eine Person für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Die Zentralschweiz vermochte sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit ihren Projekten in Szene zu setzen. So wurde 2011 der Pilatus für die Renovation seiner Infrastruktur sowie des historischen Hotels Pilatus-Kulm mit einem Milestone bedacht; im Jahre 2008 wurde Theo Schnider von der Unesco-Biosphäre Entlebuch für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Doppelerfolg für Stanserhorn

Gleich zwei Mal in den vergangenen Jahren sahnte die Stanserhorn-Bahn ab. Im Jahre 2012 wurde sie für ihre neue Bergbahn, die Cabrio-Bahn, mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Vier Jahre zuvor erhielt sie eine Auszeichnung für das Projekt «Stanserhorn Ranger». Die Ranger zeigen den Gästen auf dem Gipfel die Bergblumen und Wildtiere sowie geben Informationen über die Region.

 

Hinweis

Die «Schweizerhof»-Geschichten sind nachzulesen im Buch «Wo Luzern Geschichte(n) schreibt». Das Buch ist zweisprachig (deutsch/englisch) und im Weber Verlag in Thun erschienen.