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LUZERN: Die Minimalisten von der Zürichstrasse

Ochs und Junior tickt etwas anders als die anderen. Marketing, Filialen und Rabatte gibt es beim Uhrenhersteller aus Luzern nicht. Und der harte Franken ist kein Problem.
Maurizio Minetti
Ludwig Oechslin (links) und Beat Weinmann haben mit Ochs und Junior erfolgreich eine Nische besetzt. (Bild: PD)

Ludwig Oechslin (links) und Beat Weinmann haben mit Ochs und Junior erfolgreich eine Nische besetzt. (Bild: PD)

Wer bei Ochs und Junior an der Zürichstrasse vorbeischaut, bekommt als Erstes einen Espresso aus der italienischen Baristamaschine serviert. Vorausgesetzt, man findet den Eingang. Angeschrieben ist die Luzerner Uhrenmanufaktur nämlich nicht. Das ist für eine Uhrenfirma eher ungewöhnlich, wollen doch die meisten um jeden Preis auffallen und gerade in der Stadt Luzern ihre Swissness zur Schau stellen.

Klein und profitabel

«Wir funktionieren anders als der Rest der Branche», sagt Beat Weinmann selbstbewusst. Der 45-Jährige führt den Hersteller seit 2006 zusammen mit seinem Geschäftspartner Ludwig Oechslin. Letzterer gilt als Vordenker der jungen Luzerner Uhrenmarke.

Ochs und Junior setzt pro Jahr zwar nur rund 1,5 Millionen Franken um, doch der Betrieb mit vier Angestellten arbeitet profitabel – «im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern», wie Weinmann sagt. Das laufende Jahr werde wohl eines der besten, sagt der Geschäftsführer. Einer der Hauptgründe dafür ist ein neuer Zeitmesser, der letzte Woche lanciert wurde. Das Besondere: Die Uhr verfügt über einen ewigen Kalender. Jahr, Monat und Datum werden über analoge Punkte angezeigt und sollen so besser lesbar sein. Man habe bisher von bestehenden Kunden 25 Bestellungen für die 22 000 Franken teure Uhr erhalten, sagt Weinmann. Ochs und Junior hat den grössten Teil des für 2016 budgetierten Umsatzes bereits in trockenen Tüchern.

Viele Uhren produzieren die Luzerner nicht. In der Regel sind es rund 150 pro Jahr. Durchschnittspreis: 13 000 Franken. Alle werden an der Zürichstrasse gefertigt; die Komponenten kommen aus der Schweiz. Während grosse Uhrenmarken stolz auf Dutzende Einzelteile pro Uhr verweisen, ist Ochs und Junior wiederum stolz darauf, dass zum Beispiel die Jahreskalenderfunktion inklusive Zifferblatt nur sechs Teile benötigt. Weniger Bauteile bedeutet weniger Interaktionen zwischen den Teilen und somit eine höhere Zuverlässigkeit. «Wir geben auf unsere Uhren eine lebenslange Garantie», so Weinmann.

Einfachheit statt Komplexität

Mit weniger kommt die Firma auch beim Vertrieb aus. «Wir verzichten komplett auf ein Händlernetz und machen keine Werbung», sagt Weinmann. Kunden bestellen entweder über den eigenen Online-Kanal oder kommen an die Zürichstrasse. Ochs und Junior will so die volle Kontrolle über die Wertschöpfung behalten und vermeiden, dass Produkte bei Händlern an Wert verlieren. Kompromisslos sind die Luzerner Uhrmacher auch beim Preis: «Bei uns bezahlt jeder Kunde den Listenpreis. Rabatte gibt es nicht.» So kommt es, dass Ochs und Junior nach der schlagartigen Aufwertung des Frankens Anfang 2015 problemlos die Preise halten konnte. Die meisten Kunden kommen aus dem Euro- oder Dollar-Raum. Man habe mit allen Kunden, die zuvor Uhren bestellt hatten, gesprochen. «Alle hatten Verständnis für die Situation», sagt Weinmann.

Weinmann verhehlt nicht, dass bei Ochs und Junior das Design nicht im Vordergrund steht: «Die Funktionalität ist wichtiger.» Dennoch greifen viele Kunden gerade deshalb zu dieser Luzerner Uhr, weil sie sichtbare Bearbeitungsmerkmale auf dem Gehäuse aufweist. Ein Kunde ist zum Beispiel der mehrfach ausgezeichnete deutsch-amerikanische Produktdesigner Hartmut Esslinger, der unter anderem 1984 den ersten Macintosh von Apple mitgestaltet hatte.

Die Reduktion auf ein absolutes Minimum hat Ochs und Junior mit Apple gemeinsam. Während man beim kalifornischen IT-Konzern aber immerhin einen angebissenen Apfel auf den Produkten findet, verzichten die Luzerner Uhrmacher komplett auf ein Markenlogo. Die Uhren haben keine Modellnamen, heissen schlicht «ewiger Kalender», «Mondphase» oder «Zeitzonen». Sie sind so unscheinbar, dass sie gerade deshalb in gehobenen Kreisen – wo vielleicht eher eine Patek Philippe die Norm ist – wieder auffallen.

Maurizio Minetti

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