LUZERN: Die Putz-Revolution aus Littau

Zwei Zentralschweizer wollen das Reinigen von Autos revolutionieren. Mit Hilfe von Trockeneis sollen Fahrzeuge schneller und günstiger gesäubert werden können.

Hans-Peter Hoeren
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Die Swiss Nobeltech in Luzern bietet Fahrzeugreinigungen mit Trockeneis an. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Swiss Nobeltech in Luzern bietet Fahrzeugreinigungen mit Trockeneis an. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Claudio Maggi ist ein Profi in Sachen Autoreinigung und Autopflege. Für Porsche hat der Littauer lange gearbeitet, sowohl im Porsche-Zentrum Zug als auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Mit 52 Jahren hat sich Maggi eine neue Herausforderung gesucht. Gemeinsam mit seinem Kollegen, dem aus Ennetmoos im Kanton Nidwalden stammenden Innendekorateur Lucas Föllmi (35), hat er die Firma Swiss Nobeltech gegründet. Gemeinsam wollen sie die professionelle Autoreinigung in der Schweiz revolutionieren.

Schneller und umweltfreundlich

Seit Monaten arbeiten die beiden daran, einem bewährten, aber in der Autobranche noch nicht angewandten Reinigungsverfahren in der Schweiz zum Durchbruch zu verhelfen. Trockeneis heisst das Zauberwort. Dieses wird mit einer Druckpistole auf die zu reinigende Oberfläche geschossen. «Die Reinigung ist absolut umweltfreundlich und erfolgt ohne den Einsatz von Chemie», sagt Claudio Maggi: «Mich fasziniert vor allem die grössere Effizienz gegenüber herkömmlichen Reinigungsverfahren.» Eine Motorwäsche dauere beispielsweise nur 30 Minuten statt wie bisher üblich über eine Stunde.

Minus 78,5 Grad Celsius

In der erst kürzlich bezogenen Werkstatt in Littau demonstriert Maggi das Reinigungsverfahren. Schnell setzt er Ohrenschutz und Schutzbrille auf, schaltet erst den Kompressor und dann die Eismaschine ein. Gekonnt führt er die Strahlpistole in die entlegensten Winkel des Motorraums eines Audi R8 und schiesst die Eis-Pellets auf die verschiedensten Komponenten. Binnen kürzester Zeit ist der Schmutz von den Oberflächen verschwunden.

«Trockeneis ist nichts anderes als festes, gefrorenes Kohlendioxid», erklärt Maggi. Dieses hat eine Temperatur von –78,5 Grad. Beim Aufprall auf die Oberfläche kühlt der Schmutz sofort ab, die Schmutzschicht verliert an Elastizität und fällt ab. Gleichzeitig mutieren die Pellets beim Aufprall vom festen in den gasförmigen Zustand. «Zurück bleibt allein der gelöste Schmutz», erklärt Lucas Föllmi. Dass das Reinigungsmittel gasförmig wird, ermögliche zudem eine sehr schonende Reinigung der Elektronik. Besonders für Reinigungsarbeiten im Innen-, im Motorraum und an den Felgen bietet sich das Verfahren mit Trockeneis an. «Überall dort, wo man sonst mit den Händen nicht so gut hinkommt, hat das Verfahren grosse Vorteile», sagt Lucas Föllmi.

Optimal für Motor- und Innenraum

Die Zeit- und die Kostenersparnis gegenüber den herkömmlichen Reinigungsmethoden seien enorm. Eine Innenreinigung samt Motorraum und Felgen dauere mit Trockeneis rund eine Stunde, normal sind es bis zu 3 Stunden, ergänzt Claudio Maggi. Die Kosten einer solchen Reinigung mit Trockeneis liegen bei 220 Franken, das sei über die Hälfte weniger als normal üblich. «Die Technologie dürfte deshalb gerade für grössere Firmenflotten, aber auch für Autohändler oder Gebrauchtwagenaufbereiter interessant sein», ist Lucas Föllmi überzeugt. Die Kosten für die rein mechanische Maschine liegen je nach Grösse zwischen 8400 und 9800 Franken, für eine Kiste Trockeneis à 28 kg bei 85 Franken. Für die normale Autoreinigung, sprich das Waschen grosser, ebener Karosserieflächen, rentiert die Reinigung mit Trockeneis hingegen nicht.

Technik stammt aus der Ostschweiz

Entwickelt hat das Gerät die Firma Polarjet aus Wil SG. Claudio Maggi und Lucas Föllmi haben die Vertriebslizenz für die Schweiz. Gemäss Maggi werden die Maschinen auch in der Lebensmittel- und Metallbranche eingesetzt. Um das Verfahren bekannt zu machen, haben Maggi und Föllmi einen VW Amerok zu einer fahrenden Reinigungsstation umgerüstet und sind damit in der gesamten Schweiz unterwegs. «Das Interesse ist gross», sagt Lucas Föllmi.

Das Bundesamt für Landwirtschaft habe für den Maschinen- und Fahrzeugpark seiner Forschungsanstalten bereits eine Maschine erworben. Ausserdem lasse BMW Luzern bereits einige Fahrzeuge bei Swiss Nobeltech aufbereiten. «Uns haben vor allem die Schnelligkeit und die Effizienz sowie die Tiefenreinigung mit Geruchsneutralität verblüfft», erklärt Paul Gabriel, Geschäftsleiter der Kurt Steiner AG (BMW Luzern), auf Anfrage. Bemerkenswert sei auch, wie materialschonend das Verfahren sei, vorausgesetzt, es werde von einem Fachmann angewandt. «Bei starken Verunreinigungen ist es sinnvoll, mit der Trockeneisreinigung zu arbeiten, für normale Verunreinigungen wird aber weiterhin die Handreinigung angewendet», ist Gabriel überzeugt.

Hoffen auf den Frühlingsputz

Auch bei der Flugzeugreinigung werden die Maschinen bereits eingesetzt. Ein Jahr Zeit wollen sich Claudio Maggi und Lucas Föllmi geben, um im Markt Fuss zu fassen. Lucas Föllmi hofft insbesondere auf eine baldige Ankunft des Frühlings. «Dann kommen die ganzen schönen Autos und Töffs aus den Garagen, das bietet für uns viele Chancen», sagt Föllmi.

Hinweis

Nähere Informationen finden Sie unter www.swissnobeltech.ch