Luzern
Erleichterung und neue Probleme für Swiss Steel

Die Übernahmekommission weist das Gesuch der Liwet Holding um Viktor Vekselberg ab. In Frankreich gibt es Fragen zur Bilanzierung.

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(mim) Die Kapitalerhöhung des angeschlagenen Luzerner Stahlkonzerns Swiss Steel Group ist einen Schritt weiter. Die Übernahmekommission hat am Freitag das Gesuch des opponierenden Aktionärs Liwet in allen Anträgen abgewiesen, wie Swiss Steel Anfang Woche mitteilte. Die Liwet Holding um den russischen Milliardär Viktor Vekselberg hatte sich gegen die geplante Kapitalerhöhung gewehrt und sich auf den Standpunkt gestellt, dass mit der Kapitalerhöhung die Anteile der Minderheitsaktionäre ausgedünnt würden. Grossaktionär Martin Haefner, der mit seiner Big Point Holding rund die Hälfte der Swiss-Steel-Aktien hält, käme mit der Kapitalerhöhung auf einen Anteil von 60 bis 70 Prozent. Liwet hält derzeit einen Viertel der Aktien.

Der Entscheid der Übernahmekommission kann allerdings von den Parteien innert einer Frist von fünf Börsentagen mit Beschwerde bei der Finanzmarktaufsicht (Finma) angefochten werden, und es sei nicht ausgeschlossen, dass Liwet Beschwerde ergreifen werde, schreibt Swiss Steel. Auch im Fall einer Beschwerde würde sich aus Sicht der Gesellschaft an der aktuellen Rechtslage vorderhand nichts Wesentliches ändern, zumal der Entscheid der Übernahmekommission die rechtskräftige Verfügung der Finma vom 6. Dezember 2019 im Ergebnis «vollumfänglich bestätigt» und auch die Finma mit Verfügung vom 27. Januar 2021 bereits auf ein Revisionsgesuch von Liwet nicht eingetreten ist. Swiss Steel wird die geplante Kapitalerhöhung daher unabhängig von einer Beschwerde gegen den Entscheid durchführen.

Beschwerde eines ehemaligen Mitarbeiters

In der gleichen Mitteilung gab die Swiss Steel Group bekannt, dass sie eine Beschwerde von einem ehemaligen Mitarbeiter der französischen Tochterfirma Ascometal erhalten habe, worin eine Reihe von Kritiken geäussert und Behauptungen auf­gestellt werden. Aus Sicht der Swiss Steel beziehen sich die wesentlichsten Vorwürfe auf Verhalten und Praktiken gewisser Mitglieder des Managements von Ascometal sowie auf gewisse Bilanzierungen bei Ascometal im Jahr 2020. Insbesondere im Zusammenhang mit der Aktivierung beziehungsweise Kapitalisierung von Reparatur- und Instandhaltungsaufwendungen (welche bei Ascometal sofort nach Aktivierung vollständig wertberichtigt werden) und ansonsten als betrieblicher Aufwand hätten gebucht werden müssen sowie die Abgrenzung einer Kostenrückerstattung im Zusammenhang mit einem Energieliefervertrag.

Man nehme solche Beschwerden und Behauptungen sehr ernst und habe mit Unterstützung externer Anwälte umgehend eine interne Untersuchung eingeleitet, so Swiss Steel. Die bisherigen Ergebnisse dieser internen Untersuchung zeigen keine Vorkommnisse zum Verhalten von Ascometals Management oder zu Ascometals Bilanzierungsmethoden und Bilanzierungen, die nach Auffassung von Swiss Steel für die bestehenden Finanzzahlen von Swiss Steel im Kontext der Kapitalerhöhung materiell seien. Anhand der vorläufigen Ergebnisse der internen Untersuchung konnten laut dem Unternehmen zudem bereits gewisse Behauptungen als unbegründet beurteilt werden. Man werde die interne Untersuchung fortführen, bis alle Beschwerden und Behauptungen gründlich abgeklärt wurden. Der Ausgang sei schwer vorhersehbar, weshalb eine weitere und detailliertere interne Untersuchung neue Erkenntnisse ergeben könnte, so Swiss Steel.