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LUZERN: Heineken-Chef: «Die Biervielfalt spornt uns an»

Seit etwas mehr als einem Jahr ist Erik Hamel Chef von Heineken Switzerland und damit von Eichhof. Der Holländer hat zwar jüngst ein Honigbier lanciert, selber trinkt Erik Hamel aber lieber bittere Biere.
Roman Schenkel
Eichhof-Geschäftsleiter Erik Hamel zeigt das neue Retro-Bier im Schalander, dem traditionellen Aufenthaltsraum der Bierbrauer. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 25. April 2017))

Eichhof-Geschäftsleiter Erik Hamel zeigt das neue Retro-Bier im Schalander, dem traditionellen Aufenthaltsraum der Bierbrauer. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 25. April 2017))

Interview: Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

Erik Hamel, was macht ein gutes Bier aus?

Ein gutes Bier muss erfrischend sein, vor allem aber muss es eine konstant hohe Qualität haben. Ein guter Brauer schafft es, dass das Bier jedes Mal gleich schmeckt, dass man es wiedererkennt, wenn man es trinkt. Was ich nicht mag, ist ein Bier, das an einem Tag so schmeckt und zwei Wochen später ganz anders.

Und der Geschmack?

Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, und sie verändern sich auch. Ich mag derzeit Biere, die bitter sind, also ein Hopfenaroma haben.

Viele mögen es ja auch süss, wie Ihr Honigbier zeigt.

Ja, unser Honigbier kommt bei den Leuten sehr gut an. Es war ja auch eine Wahl, die unsere Kunden gemacht haben.

Ein Bier mit Honig, das entspricht nicht gerade dem Reinheitsgebot.

Ach, das Reinheitsgebot. Dieses Regelwerk wurde in Deutschland vor über 500 Jahren festgelegt. Dabei geht es mehr um die Brauereitradition und um die Brauweise und weniger um die Zutaten. Traditionen sind wichtig. Doch: Sachen ändern sich im Leben. Es gibt Innovationen und neue Kreationen. Als Chef einer Brauerei kann ich doch nichts dagegen haben.

Heute kann man zu einer Party kaum mehr mit einem hundsnormalen Lager auftauchen. Nein, es muss schon ein spezielles Bier aus einer speziellen Kleinbrauerei sein. Ist Bier der neue Wein?

Bevor ich in die Schweiz gekommen bin, hatte ich neun Jahre lang in Tschechien für Heineken gearbeitet. Da gibt es praktisch nur Lagerbiere. Dafür ganz viele Varianten an Lagerbieren – verschiedene Geschmäcker und verschiedene Stärken. Was ich damit sagen will: Ein Spezialbier kann auch eine Variation eines Lagerbiers sein. Mit Eichhof Retro zum Beispiel haben wir soeben eine Variante des Eichhof Lager herausgegeben. Dazu haben wir extra eine Hefe aus den 70er-Jahren rekultiviert. Das gibt dem Bier eine spezielle Note.

Wie stark schmerzt Sie die Konkurrenz durch lokale Kleinbrauereien?

Mich schmerzt das ganz und gar nicht. Für mich hält das die Braukultur hoch. Das hilft der gesamten Bierbranche. Dadurch wird viel mehr über Bier gesprochen, über Spezialitäten wird in den Medien geschrieben. Zudem: Ich habe es gern, ich probiere gerne neue Biere. Mir gefällt es, wenn ich eine kleine Brauerei sehe, die Erfolg hat. Und ich glaube an Vielfalt, an Konkurrenz. Das spornt uns an, noch bessere Biere oder neue Produkte zu produzieren.

Aber die Kleinen jagen Ihnen doch Kunden ab?

Ja vielleicht, das kann passieren. Vielleicht sind es aber auch neue Kunden, die gar nicht unsere Kunden waren. Leute, die vorher Wein getrunken haben und jetzt zum Bier greifen. Davon profitieren schliesslich auch wir.

Auch Restaurants setzen vermehrt auf Biere von kleineren Brauereien. Wie läuft das Gastronomiegeschäft bei Eichhof?

Die Gastronomie war rückläufig im letzten Jahr. Das lag aber nicht daran, dass wir Aufträge verloren haben, sondern weil wegen des starken Frankens deutlich weniger Touristen in die Schweiz gekommen sind. Das haben wir gespürt.

Sie leiten Heineken Schweiz und damit die Brauerei Eichhof seit 2016. Bei Ihrem Antritt sagten Sie, Sie wollten das hiesige Biergeschäft weiterentwickeln. Was haben Sie konkret getan?

Bier ist lokal. Bier ist Emotion. Bier gehört immer zu einem bestimmten Gebiet, zu einem bestimmten Land. Die Leute sind stolz auf ihr Bier. In der Schweiz gibt es sehr viele lokale Marken. Eichhof ist eine davon. Wir haben versucht, unsere lokalen Biere stärker in den Vordergrund zu bringen und neue Biere zu lancieren. Luzern soll stolz auf Eichhof sein. Deswegen haben wir das Eichhof Retro eingeführt, und wir führen Ende April ein grosses Brauereifest durch. Die Leute sollen mit uns die Bierkultur feiern. Sie sollen sehen, wo wir das Bier produzieren und wie wir es produzieren.

Der Verkauf von Eichhof 2008 an Heineken war für viele Luzerner Biertrinker schmerzhaft. Spüren Sie heute noch etwas davon?

Eichhof hat nach wie vor viele Fans und Liebhaber. Wenn man den Eigentümer ändert, dann gibt es bei Bierbrauereien immer viel Wirbel. Man befürchtet, dass die lokale Identität verwässert wird. Hier kann ich einfach betonen: Heineken ist ein globales Brauereiunternehmen mit über 250 lokalen Marken. Für uns sind die lokalen Marken unglaublich wichtig. Wir werden die lokale Identität deswegen weiter pflegen. Nur dann können wir Erfolg haben und die lokalen Marken wachsen lassen. Das ist meine Aufgabe. Ich habe schon in unterschiedlichen Ländern diesen Prozess durchgemacht. Es war nie einfach. Das Rezept ist aber eigentlich simpel: Man muss vor Ort positive Dinge machen. Dann kommt der Stolz zurück.

Abgefüllt und verpackt wird aber nicht mehr in Luzern.

Wir brauen jeden Liter Eichhof hier in Luzern! Das zentrale Abfüllen war einfach ein betriebswirtschaftlicher Entscheid. Zwei Verpackungslinien in der Schweiz, das macht einfach keinen Sinn. Deshalb haben wir Verpackung und Abfüllung in Chur zusammengelegt.

Wie lange macht es noch Sinn, in Luzern zu brauen?

Luzern als Hauptsitz ist für uns sehr wichtig. Die Brauerei ist hier, die Administration und ein Grossteil des Getränkehandels. Wir haben über 300 Mitarbeitende in Luzern. Dass wir daran etwas ändern, ist kein Thema.

Was sagen Sie zur Bierkultur in der Schweiz?

In jedem Land ist die Bierkultur anders. In der Schweiz ist der Weinkonsum höher als der Bierkonsum. Im Schnitt trinkt eine Person in der Schweiz rund 55 Liter Bier pro Jahr. In Tschechien sind es deutlich mehr: 140 Liter. Dafür trinkt man dort fast keinen Wein. Die Leute in der Schweiz sind stolz auf ihre Biere, auch die Brauer sind stolz. Sie sind kreativ, probieren gerne Neues.

Wann trinken Sie persönlich gerne ein Bier?

Oh, da gibt es ganz unterschiedliche Gelegenheiten. Am Ende eines strengen Arbeitstages. Zum Abendessen oder beim Fussball vor dem TV. Im Frühling geniesse ich gerne ein Weissbier auf einer Terrasse an der Sonne, wenn ich mit Freunden feiere, dann am liebsten mit einem Lager.

Welches denn – Heineken oder ein Eichhof?

Hier trinke ich meistens Eichhof Lager. Ich mag Heineken vom Geschmack her sehr, aber momentan trinke ich lieber Biere, die etwas bitterer sind.

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