Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: «Inspiration ist das Wichtigste»

Gübelin expandiert in Asien. Neben dem Verkauf von Uhren wird der Schmuckbereich zunehmend wichtiger. Das Familienunternehmen positioniert sich verstärkt als internationale Schmuckmarke.
Interview Bernard Marks
Die Geschwister Raphael Gübelin und Sara Gübelin Mittelmann vor dem gemmologischen Labor in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Geschwister Raphael Gübelin und Sara Gübelin Mittelmann vor dem gemmologischen Labor in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Raphael Gübelin, Sie leiten als CEO seit 2011 das Luzerner Familienunternehmen Gübelin. Ihre Schwester Sara Gübelin Mittelmann ist Mitglied des Verwaltungsrates. Ist Ihnen Ihre Arbeit in die Wiege gelegt worden?

Raphael Gübelin*: (lacht) Das könnte man so sagen. Meine Mutter ist Gemmologin oder einfacher gesagt Edelsteinexpertin. Meine Schwester und ich haben sie oft bei der Arbeit besucht. So sind wir aufgewachsen. Die zum Teil sehr wertvollen Steine, mit denen unsere Mutter gearbeitet hat, schon als Kinder in den Händen zu halten, war für uns sehr spannend und prägend.

Was ist für Sie das Besondere an Edelsteinen?

Gübelin: Es ist ein Gut, das sehr rar und sehr schön ist. Es gibt auf der Welt nicht so viele Diamanten, wie man verkaufen könnte. Das Angebot wird immer viel kleiner sein als die Nachfrage. Noch viel ausgeprägter ist es bei den Farbedelsteinen, denn diese kommen noch seltener vor als Diamanten.

Warum wecken Edelsteine bei vielen Menschen so grosse Emotionen?

Gübelin: Ein schöner und seltener Edelstein hat meiner Meinung nach etwas mit Kunst zu tun. Dabei sind Edelsteine im Rohzustand oftmals nicht besonders ansehnlich. Erst der Schliff kann aus einem Rohstein ein wahres Kunstwerk machen. Auch die Farbgebung ist entscheidend. Ein grüner Smaragd zum Beispiel wäre, wenn er völlig klar wäre, weniger interessant. Hier versucht man durch den Schliff das Innenleben eines Steines zu zeigen, beziehungsweise aufzuwecken. Das gibt erst die Schönheit, die die Menschen fasziniert.

Das Schleifen und Formen eines Steines ist eine Kunst. Inwieweit sind Sie in diesen Prozess eingebunden?

Gübelin: Die meisten Steine kaufen wir fertig geschliffen. Bei einzelnen Stücken arbeiten wir direkt mit einem Schleifer zusammen.

Wie kaufen Sie Edelsteine in der Schweiz ein?

Gübelin: Hauptsächlich haben wir Händler und Lieferanten, die wir seit Jahren gut kennen und denen wir vertrauen. Viel kaufen wir auf Messen oder direkt in den Minen vor Ort ein. Letzteres wird heute wichtiger, weil man die Herkunft des Steines besser dokumentieren kann. Und das ist wichtig, um sicherzustellen, dass der Stein nicht aus einem Konfliktland kommt. Dies stellt auch der Kimberly-Prozess sicher. Aber nur bei den Farbedelsteinen kann man eruieren, aus welcher Mine sie kommen. Bei den Diamanten ist dies aufgrund der chemischen Beschaffenheit nicht möglich. Und bei den Farbedelsteinen kann man zwar den Fundort, nicht aber den Zeitpunkt der Bergung feststellen. Wir analysieren seit über 90 Jahren in unserem Gemmologischen Labor in Luzern, woher die einzelnen Farbedelsteine kommen, und prüfen ebenfalls diese auf Authentizität. Dafür greifen wir auf eine Sammlung von 25 000 Referenzsteinen zurück, die wir aufgebaut haben. Das ist einzigartig.

Wie schwierig ist es für Sie, den richtigen Stein zu finden?

Gübelin: An Messen werden Tausende von Steinen gehandelt. Aber den richtigen Stein zu finden, ist nicht einfach. Es gibt sehr viele Edelsteine minderer Qualität auf der Welt. Dabei stimmen feine Details des Schliffes nicht, oder die Proportionen sind falsch. Die Farben laufen nicht einheitlich. Wir haben mehrere Spezialisten im Haus, die permanent nach den schönsten Edelsteinen suchen; nur solche werden für unsere Schmuckkreationen berücksichtigt.

Was war bisher Ihr teuerster Stein, den Sie gekauft haben?

Gübelin: Das war ein Diamant, der mehrere Millionen Franken gekostet hat. Daraus haben wir ein Collier gemacht.

Luxus, das ist Ihr tägliches Geschäft.

Gübelin: Es geht bei unserem Geschäft zwar um Luxusprodukte, das heisst aber nicht, dass es der einzige Inhalt unserer Arbeit ist.

Was meinen Sie damit?

Gübelin: Wir machen auch Dinge, die nur indirekt etwas mit Luxus zu tun haben. Zum Beispiel haben wir die Gübelin-Akademie gegründet, in der wir Schulungen über Edelsteine anbieten. Das begann im Jahr 2013 in Hongkong. Dadurch setzen wir aber nicht die chemische Zusammensetzung von Steinen in den Mittelpunkt, sondern wollen vielmehr die emotionalen und geschichtlichen Aspekte von Edelsteinen vermitteln.

Sie führen jetzt seit zwei Jahren das Unternehmen. Seitdem hat sich die Marke Gübelin weiterentwickelt.

Gübelin: Ja, wir wollen Gübelin nicht nur als Händler von Luxusuhren, sondern vor allem als Schmuckmarke mit eigenen Kreationen bekannter machen. Wir besetzen deshalb wichtige Hotspots, so zum Beispiel mit unserem Geschäft an der Zürcher Bahnhofstrasse oder an bester Lage in Luzern. Wir haben viel in der Schweiz investiert und unsere Filialen in Luzern, Genf, Bern, Zürich und Basel umgebaut. Beim Ausbau der Schmuckmarke Gübelin kommt aber neben der Produktion und dem Design auch der Schulung des Personals eine wichtige Rolle zu. Wir wollen nicht nur verkaufen, sondern ein Kompetenzzentrum sein für unsere Partner und Kunden. Zudem investieren wir in Werbung, welche die Emotionen unseres Schmucks nach aussen transportieren soll. Das ist insgesamt ein aufwendiger Prozess und kostet nicht nur viel Geld – aber es hat sich in den letzten Jahren für uns bereits klar ausgezahlt.

Auch nach Asien wollen Sie vermehrt expandieren. Warum?

Gübelin: Asien ist einer der grössten und vor allem für Schmuck einer der wichtigsten Märkte. Einfach ist es aber nicht, dort Fuss zu fassen. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren Niederlassungen in Hongkong und Kuala Lumpur eröffnet und sehen bereits gute Erfolge. Eine Marke in einem neuen Markt aufzubauen und neu zu positionieren, braucht jedoch seine Zeit.

Was ist wichtiger für Sie: der Schweizer Markt oder Asien?

Gübelin: Für uns sind beide Märkte wichtig. Denn der Schweizer Markt und die hiesigen Kunden waren und bleiben ein sehr wichtiger Pfeiler unseres Unternehmens. In Luzern kann man mit den vielen asiatischen Kunden «testen», welche Produkte gut ankommen. Wenn es gefällt, dann wissen wir, dass wir es auch im asiatischen Markt anbieten können.

Der Luxusmarkt der Zukunft liegt in den USA?

Gübelin: Auch. Mehr als acht Jahre habe ich in den USA gelebt und kenne den Markt daher gut. Ich bin gegen eine Expansion in den USA nicht abgeneigt. Wir wollen aber zuerst abwarten, wie sich die Dinge im asiatischen Raum entwickeln. Sicher werden wir in Zukunft weitere Schritte im Ausland prüfen.

Wie weltstädtisch ist Luzern, um eine internationale Marke zu etablieren?

Gübelin: Luzern ist eine wunderschöne Stadt mit einer langen touristischen Tradition. Nicht nur die Amerikaner kamen schon früher gerne nach Luzern. Die Stadt ist lokal und gleichwohl auch international. Um eine Marke wie Gübelin weiter zu entwickeln, schauen wir regelmässig über den Tellerrand hinaus. Wir reisen deshalb viel, um uns inspirieren zu lassen von dem, was in der Welt passiert. Um noch internationaler zu werden, setzen wir auch vermehrt auf internationales Personal. In unserem gemmologischen Labor in Luzern haben wir bereits sehr viele Mitarbeiter aus aller Welt. In unseren Boutiquen beschäftigen wir Mitarbeiter aus rund 20 Ländern, um die Kunden aus aller Welt beraten zu können.

Hinweis

* Raphael Gübelin (37) leitet in der 6. Generation das Luzerner Familienunternehmen Gübelin. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Seine Schwester Sara Gübelin Mittelmann (40) ist als Mitglied des Verwaltungsrates in der Firma, jedoch nicht operativ tätig. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Das Unternehmen Gübelin beschäftigt 300 Mitarbeiter und führt 10 Boutiquen, davon 8 in der Schweiz und 2 in Asien.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.