LUZERN: Schicksalsjahr für die UD Print

Auch nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung bleibt die Kapitaldecke der UD Medien dünn. Im Fokus steht vor allem die Druckerei. Es geht um 80 Arbeitsplätze.

Hans-Peter Hoeren
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Ein Blick in die Produktion der UD Print: Ein Mitarbeiter ­überwacht den Druckprozess und inspiziert eine Druckmaschine. (Bild Pius Amrein)

Ein Blick in die Produktion der UD Print: Ein Mitarbeiter ­überwacht den Druckprozess und inspiziert eine Druckmaschine. (Bild Pius Amrein)

Die Kapitalerhöhung ist unter Dach und Fach, aber die Probleme bleiben. Die Kapitaldecke bleibt aber sehr dünn. An der Generalversammlung der UD Medien haben gestern die Aktionäre einer Kapitalherabsetzung und einer anschliessenden Aufstockung des Aktienkapitals um 2,4 Millionen Franken mit grosser Mehrheit zugestimmt. Damit steigt die Eigenkapitalquote von 3 auf neu rund 15 Prozent.

Überkapazitäten und Preisdumping

«2013 ist ein Schicksalsjahr für die Druckerei der UD Medien, die Mitarbeiter wissen das. 2013 muss die schwarze Null stehen», macht der Verwaltungsratspräsident Roland Kleeb klar. Um das zu verdeutlichen, habe man bewusst eine knappe Kapitaldecke gewählt. «Wir wollen keinen komfortablen Rahmen, der uns dazu verleitet, die erforderlichen Sanierungsmassnahmen nicht konsequent umzusetzen. Wir brauchen Glaubwürdigkeit», sagt Kleeb gegenüber unserer Zeitung. Es geht um rund 80 Arbeitsplätze in der Druckerei. Seit 2007 schreibt die UD Print, sprich die Druckerei, rote Zahlen, der Mitarbeiterbestand hat sich mehr als halbiert.

Der starke Franken, aber auch Überkapazitäten und erodierende Margen setzen vielen Schweizer Druckereien zu. Viele KMU lassen ihre Drucksachen und Werbemittel im Ausland drucken. Der Wettbewerbsdruck ist enorm. Um die Umsatzzahlen zu halten, müsste das Unternehmen jedes Jahr 10 Prozent mehr Papier drucken. «Vor fünf Jahren konnte man mit einem Druckauftrag doppelt so viel verdienen wie heute. Die Mitbewerber haben sich stärker darauf eingestellt und teils kräftig in die Automatisierung investiert», verdeutlicht Kleeb. Für die notwendigen Investitionen im einstelligen Millionenbereich aber fehlt den UD Medien das Geld.

Der Umsatz der Gruppe sinkt kontinuierlich, das hängt auch mit Verkäufen von Unternehmenssparten zusammen. 2006 lag der Umsatz noch bei 43,7 Millionen Franken, 2011 bei 21,5 Millionen. Im vergangenen Jahr ist er um weitere 18 Prozent eingebrochen, auf nunmehr 17,6 Millionen. Vergangenes Jahr stand unterm Strich ein Minus von 2,1 Millionen Franken. «Weitere Verluste können wir uns nicht erlauben», sagt Kleeb. Im Schweizer Druckereimarkt finde eine Bereinigung statt. «Diejenigen mit den besten Kunden sind diejenigen, die in diesem Prozess am besten bestehen können. Wir haben ein gutes Team beisammen», sagt Kleeb. Wichtig seien dafür effiziente Prozesse im Unternehmen und eine entsprechende Qualität. Fortschritte auf diesem Weg seien erkennbar, der Verlust (auf Stufe Ebitda) wurde im ersten Quartal markant verringert. «Das ist das beste Resultat seit langem», sagt Kleeb

Immobilie steht im Mittelpunkt

Gemäss Kleeb ist die Druckerei aktuell voll ausgelastet, die Mitarbeiter arbeiten im Dreischichtbetrieb. Einen Personalabbau schliesst er aktuell aus. «Wenn wir unsere Druckerei erfolgreich betreiben wollen, benötigen wir den aktuellen Personalstamm», sagt Kleeb.

Dennoch hat im Unternehmen längst ein Paradigmenwechsel stattgefunden. «Wir haben vor zwei Jahren das Geschäftsmodell umgekehrt. Unsere Holding mit der Liegenschaft am Sedel steht im Mittelpunkt und nicht die Geschäftseinheiten», sagt Kleeb. In dieser Immobilie sei die Druckerei einer von mehreren Mietern. 7200 Quadratmeter beträgt die Nutzfläche des Medienzentrums am Sedel, der jährliche Mietertrag liegt bei rund 1,2 Millionen Franken.

Ursprünglich war das Gebäude für 250 Mitarbeiter und einen Betrieb mit einem Jahresumsatz von 50 Millionen Franken ausgelegt. Das war in den Jahren vor der Finanzkrise, als die Bäume scheinbar in den Himmel wuchsen. Heute ist man von diesen Zahlen Lichtjahre entfernt. Bis zu 75 Prozent der Fläche werden aktuell von der Druckerei belegt, künftig soll dieser Anteil auf einen Drittel der Fläche schrumpfen. Der Leerstand stiege dann auf rund 50 Prozent.

Doch das Interesse an diesen Mietflächen sei gross, sagt Kleeb: «Wir haben konkrete Interessenten für den Gewerbe- und Bürobereich.» So lukrativ die Immobilie ist, so dramatisch hat die stark bankenfinanzierte Investition in die Liegenschaft die Bilanzstruktur des Unternehmens verschlechtert.

Nahe an der Überschuldung

Im aktuellen Geschäftsbericht äussert die Prüfgesellschaft Pricewaterhouse- Coopers, dass «für die UD Medien die begründete Besorgnis einer Überschuldung» bestehe. Die Fortführung der UD Medien Holding hänge im Wesentlichen von zwei Punkten ab: der erfolgreichen Nutzung der Immobilie und der Zukunft der UD Print. Wenn dies nicht gelingt, könnte das auch zu einer Überschuldung führen. Diese Besorgnis dürfte durch die aktuelle Kapitalerhöhung vorerst ausgeräumt sein, doch wie lange?

Auch der Blick auf die Liquiditätslage ist alarmierend. Konsolidierten flüssigen Mitteln und kurzfristigen Forderungen in der Höhe von 3,8 Millionen Franken stehen vor der Kapitalerhöhung kurzfristige Verbindlichkeiten von 6,1 Millionen Franken gegenüber. «Die Liquiditätslage ist anspruchsvoll», sagt Roland Kleeb. Er und die UD Medien Holding stehen vor einem Jahr der Wahrheit. Nicht mehr mitgestalten wird diesen Sanierungsprozess Bruno Affentranger. Er schied auf eigenen Wunsch aus dem Verwaltungsrat aus.