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LUZERN: Schurters neue Dimension

Das Luzerner Familienunternehmen ist aufgrund zweier Übernahmen und der guten konjunkturellen Entwicklung 2017 stark gewachsen. Das stellt Schurter vor neue Herausforderungen.
Roman Schenkel
Schurter Holding AG Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter (links) und Holding CEO Ralph Müller in der Produktion in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli (20. März 2018, Luzern))

Schurter Holding AG Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter (links) und Holding CEO Ralph Müller in der Produktion in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli (20. März 2018, Luzern))

Roman Schenkel

Im richtigen Moment die richtigen Schlüsse. So liesse sich bei Schurter der Umgang mit dem Frankenschock beschreiben. Die Aufhebung der Euro-Mindestgrenze 2015 hat Umsatz und Gewinn der Firma deutlich nach unten korrigiert. Mit gezielten Sparmassnahmen, verstärkter Verlagerung ins Ausland, aber auch mit neuen Investitionen hat Schurter die Wende geschafft. Schon 2016 lag der Zahlenkranz des Unternehmens nur leicht unter den Jahren vor dem Frankenschock. Im vergangenen Jahr hat die Firma die Zahlen gar übertroffen.

Mit einem Umsatz von 259 Millionen Franken, einem Gewinn von 17,7 Mil­lionen Franken und einem Personal­bestand von nunmehr über 2000 Mitarbeitenden erreicht Schurter neue ­Rekordwerte in der 84-jährigen Firmen­geschichte (siehe Tabelle). «Wie verschiedene frühere Schocks haben wir auch den Frankenschock überwunden», sagt Schurter-Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter am Hauptsitz der Gruppe im Luzerner Tribschenquartier. Er verweist auf die ganze Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM), die im vergangenen Jahr deutlich besser abgeschnitten hat als noch 2016. «Die Lage präsentiert sich für die Schweizer MEM-Industrie so gut wie schon lange nicht mehr», sagt Schurter. Dennoch hätte er Anfang 2017 nicht damit gerechnet, dass das Jahr so gut werden könnte.

Wachstum über Branchenschnitt

Denn im Vergleich zur Branche weist Schurter ein deutlich grösseres Wachstum auf. Der Umsatz stieg – angetrieben durch die Zukäufe von Burisch Elektronik in Österreich und AKI Electronic in Tschechien – um knapp 31 Prozent. Doch auch ohne deren Berücksichtigung resultiert ein organisches Wachstum von 13,4 Prozent. Mit 173 Millionen Franken steuert die Division Komponenten ­(Sicherungen und Gerätestecker) nach wie vor den Grossteil zum Umsatz bei. Die Division Eingabesysteme kam auf ­einen Umsatz von knapp 87 Millionen Franken. In diesem Bereich produziert Schurter Touchscreens oder Touch­panels beispielsweise für Billettautomaten oder Maschinensteuerungen.

«Wir haben von der guten Auslastung unserer Produktionswerke profitiert», sagt Ralph Müller, CEO der Schurter-Gruppe. Teilweise seien die Werke gar überlastet gewesen. «Wir hatten vereinzelt mit Lieferengpässen zu kämpfen, das müssen wir in den Griff bekommen», sagt Müller. In verschiedenen Werken wurden deshalb zusätzliche Produktionslinien aufgebaut, Schichten verlängert und der Personalbestand erhöht. «Nun gilt es, noch effizienter zu werden», sagt er.

Als logische Konsequenz stieg auch der Personalbestand bei Schurter stark an. Im Jahr 2017 wuchs die Zahl der Angestellten um 417 Mitarbeitende. Weltweit beschäftigt die Schurter-Gruppe in ihren 22 Gruppengesellschaften inzwischen 2009 Mitarbeitende – 511 davon in der Schweiz. Damit stösst Schurter in neue Dimensionen vor. Zum einen – ganz trivial – platzmässig (siehe Zweittext), zum anderen bezüglich der Firmenstruktur. «Wir werden in den nächsten Monaten die Strategie für die Jahre 2019 bis 2023 erarbeiten. Darin wird es stark auch um die Struktur der Schurter-Gruppe gehen», sagt CEO Müller. Denn von der Grösse her wächst die Gruppe langsam aber sicher zu einem Konzern. «Im Strategieprozess soll überprüft werden, ob die heutige Organisation noch zeitgemäss ist», so Müller. Er betont jedoch, dass es nicht um die schiere Grösse gehe. «Wir wachsen nicht in erster Linie, weil wir wollen, wir wachsen, weil wir müssen», so Müller. Um im globalen Wett­bewerb mithalten zu können, brauche Schurter eine gewisse Grösse. «Sonst bleiben wir auf der Strecke.»

Im laufenden Jahr will Schurter die Integration der beiden Zukäufe abschliessen. Im Fokus steht derzeit die ­IT-Anbindung der neuen Gruppengesellschaften. Die Vertriebsgesellschaft Burisch, mit der Schurter bereits seit 60 Jahren zusammenarbeitet, und die AKI Elektronics AG, die Touch Panels herstellt, sollen Schurter auf dem öster­reichischen und dem osteuropäischen Markt weiter stärken.

Viel verspricht sich die Firma auch von der Zertifizierung des Automotive Standards IATF, welche Schurter im vergangenen August erreicht hat. «Das war für uns ein Highlight», sagt Müller. Dieser Standard wird in der Automobilbranche oder von Herstellern von Mobiltelefonen vorausgesetzt, um überhaupt an Aufträge zu kommen. «Hier öffnet sich für uns ein neues Feld, das ist eine grosse Chance für Schurter», sagt Müller. Ein erster grösserer Auftrag steht bereits vor der Türschwelle. Am Standort Luzern investiert Schurter derzeit 9 Millionen Franken in neue Produktionsanlagen für Hochleistungssicherungen. Abnehmer ist ein grosser amerikanischer Smartphone-Hersteller.

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