LUZERN: Wäsche bleibt sein Geschäft

Vor einem Jahr musste der langjährige CEO Felix Sulzberger den Calida-Verwaltungsrat verlassen. Das Textilgeschäft lässt ihn aber nicht mehr los.

Maurizio Minetti
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Felix Sulzberger (66) an der Calida-Generalversammlung des vergangenen Jahres, als ihm die Wiederwahl in den Verwaltungsrat nicht gelang. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 21. April 2016))

Felix Sulzberger (66) an der Calida-Generalversammlung des vergangenen Jahres, als ihm die Wiederwahl in den Verwaltungsrat nicht gelang. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 21. April 2016))

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Es war ein unrühmlicher Abgang für Felix Sulzberger. Über 14 Jahre lang hatte er Calida geleitet und den Surseer Wäschehersteller in dieser Zeit mit geschickten Übernahmen auf den Pfad des Erfolges zurückgebracht. Im Verwaltungsrat durfte er nach einer Auseinandersetzung mit dem Ankeraktionär, der Familie Kellenberger, aber nicht mehr bleiben. So musste Sulzberger vor rund einem Jahr das Aufsichtsgremium verlassen. Seitdem ist es ruhig geworden um ihn.

Untätig blieb Sulzberger in den letzten Monaten aber nicht. Kaum hatte er den Calida-Verwaltungsrat verlassen, sass er schon im nächsten: Seit einem Jahr ist er Verwaltungsrat der Holy Fashion Group in Kreuzlingen. Vor wenigen Wochen ist er für ein weiteres Jahr gewählt worden. Speziell ist dieses Mandat deshalb, weil Sulzbergers Nachfolger auf dem Chefsessel von Calida, Reiner Pichler, fast zwanzig Jahre lang CEO der Holy Fashion Group war.

Bei den Erben von Hugo Boss

«Die Besitzerfamilie Holy hat mich angefragt, als ich noch im Calida-Verwaltungsrat war», erklärt Sulzberger den unerwarteten Wechsel. Um sogleich nachzuschieben: «Ich hätte auch dann das Mandat akzeptiert, wenn ich bei Calida im Verwaltungsrat geblieben wäre.» Die Holy Fashion Group vermarktet Herren- und Damenbekleidung der Marken Strellson, Joop und Windsor. Geleitet wird die Firmengruppe von den Nachfahren von Hugo Boss, dem Gründer des gleichnamigen Bekleidungsherstellers. Die Brüder Jochen und Uwe Holy hatten Hugo Boss in den Achtzigerjahren an die Börse gebracht. Danach kauften sie die ehemalige Mantelfabrik Friedrich Straehl & Co. in Kreuzlingen. Daraus entstand Strellson und danach die Holy Fashion Group. Von seinen Verwaltungsratsmandaten sei jenes bei Holy letztes Jahr das spannendste gewesen, sagt Sulzberger.

Grosse Marken haben es Sulzberger schon immer angetan. Seine Karriere begann er in den Siebzigerjahren beim Zigarettenhersteller Philip Morris. Danach wechselte der Betriebswirtschafter in die Bekleidungsindustrie mit Stationen bei Levi Strauss, Fruit of the Loom und Reebok.

Anfang dieses Jahres hat er eine weitere bekannte Marke in sein Palmarès aufgenommen: Hanro of Switzerland. Der 1884 von Albert Handschin und Carl Ronus in Liestal BL gegründete Hersteller von Luxuslingerie gehört seit 1991 zur österreichischen Huber-Gruppe. Dort ist Sulzberger im April dieses Jahres in den Aufsichtsrat gewählt worden. Und schliesslich sitzt Sulzberger seit einem Jahr im Verwaltungsrat der Schlossberg Boutique AG aus dem zürcherischen Turbenthal. Auch hier geht es um gehobene Textilien, ist Schlossberg doch als Hersteller von Luxus-Bettwäsche bekannt.

Daneben ist Sulzberger seit 17 Jahren Beiratsmitglied der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Finatem. Nach dem Weggang bei Calida hat er dort den Vorsitz des Beirats übernommen. Er soll helfen, aufstrebende Firmen aus der Textil- und Freizeitbranche aufzuspüren und wenn möglich nach einer Beteiligung an die Börse zu bringen oder gewinnbringend zu verkaufen.

Langweilig wird es Sulzberger also sicher nicht. Verglichen mit seiner Zeit als Calida-CEO sei er nun aber durchaus kürzergetreten, sagt der Berner. «Ich bin vor kurzem 66 geworden. In den letzten Jahren hatte ich ein Pensum zwischen 120 und 140 Prozent. Jetzt arbeite ich nur noch halb so viel.» Mit Calida bleibe er immer verbunden, sagt Sulzberger. Einige Aktien besitze er immer noch: «Aus nostalgischen Gründen.»