LUZERN/BERN: Valiant setzt die Expansion fort

Valiant steigert den Gewinn leicht. Die Retail- und KMU-Bank setzt ihre Offensive in der Westschweiz fort und investiert in digitalisierte Geschäftsstellen.

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Valiant-CEO Markus Gygax präsentierte gestern das Jahresergebnis 2016. (Bild: PD)

Valiant-CEO Markus Gygax präsentierte gestern das Jahresergebnis 2016. (Bild: PD)

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Ein Kunde steht vor dem Bildschirm in einer Ecke der Filiale und eröffnet dort ohne Hilfe eines Bankangestellten ein neues Konto. Zur Identifikation streckt er eine Karte in Richtung Videokamera. Ein paar Meter weiter entfernt holt ein Kundenberater ein Ehepaar ab, das sich für einen Hypothekarkredit interessiert. Per Video ist ein Immobilienfinanzierungsexperte zugeschaltet, der in einer andern Filiale Dutzende von Kilometern entfernt in seinem Büro sitzt.

Die digitalisierte Geschäftsstelle ist bei Valiant nicht ferne Zukunftsmusik, sondern in Brugg seit drei Wochen bereits Realität. Und Brugg gilt nicht als Experiment. «Das ist die Zukunft», sagte  Valiant-CEO Markus Gygax am Mittwoch, nachdem an der Bilanzmedienkonferenz in Luzern ein Video zu den digitalisierten Filialen gezeigt worden war.

Kosten für Filiale erheblich reduziert

Die neue Geschäftsstelle in Brugg kostete bloss 600000 Franken. Das ist weniger als ein Drittel der Kosten für herkömmliche Filialen. Weil die neuartigen Filialen weniger Personal und Platz beanspruchen, fallen die Betriebskosten tiefer aus. Einzahlungen können die Kunden dort indes nicht machen, denn im Gegensatz zu den üblichen Geschäftsstellen gibt es in den digitalisiert genormten Versionen keine Kasse. Offen bleibt die Frage, wie etwa die automatisierte Kontoeröffnung und eine Filiale ohne Kasse bei den Kunden ankommen. Dazu gibt es auch bei den andern Banken noch keine aussagekräftigen Erfahrungswerte.

Die Bank Valiant setzt bei ihrer Expansionsstrategie auf die digitalisierten Filialen. Dieses Jahr eröffnet sie einen solchen Ableger in Morges, im kommenden Jahr folgen zwei weitere in Nyon und Vevey. Sie bleibt dabei ihrer Strategie der Agglomerationsstandorte treu, die teuren Innenstädte meidet Valiant. «In Lausanne käme die Filiale viel teurer zu stehen, und an der Zürcher Bahnhofstrasse würden wir uns lächerlich machen», sagte Gygax. An den gewählten Standorten sei die Retail- und KMU-Bank ohnehin näher bei ihren Kunden. Geografisch hat sie vor, nach 2018 im Raum Zürich und später in die Ostschweiz zu expandieren. Valiant entstand 1997 aus dem Zusammenschluss von mehreren Regionalbanken. Sie ist in deren früheren vorwiegend ländlich geprägten Einzugsgebieten in den Kantonen Luzern, Bern, Aargau, Solothurn und Baselland verankert.

Es waren denn auch vorab die Geschäfte in diesen Regionen, die zum respektablen Jahresergebnis 2016 beigetragen haben. Den Konzerngewinn steigerte die Bank mit dem neuen violetten Schriftzug um 2,7 Prozent auf 117,5 Millionen Franken. Das ist zwar kein so grosser Gewinnsprung mehr wie im Vorjahr, als Valiant den Gewinn um gleich
einen Fünftel nach oben trieb. Man habe mit Blick auf das darbende Zinsgeschäft auch nicht mehr erwartet und entwickle sich schrittweise, sagte Verwaltungsratspräsident Jürg Bucher am Mittwoch.

Zinsmarge gehalten

«Mit den Versicherungen und Pensionskassen drängen neue Wettbewerber mit tiefen Preisen auf den Hypothekarmarkt, das drückt auf die Marge», so Bucher. Er sprach von einem «bitteren Cocktail». Trotzdem gehe es der Bankenwelt nicht so schlecht.

Auch wenn die Konkurrenz im Kreditgeschäft grösser geworden ist und die Negativzinsen
Bestand haben, schaffte es die Regionalbank 2016, ihre Zinsmarge von 1,08 Prozent zu halten. Bei den Hypotheken schaute ein Wachstum von 1,3 Prozent heraus, die Hypothekarausleihungen summieren sich auf 20,7 Milliarden Franken. Anders als die Raiffeisen angekündigt hatte und dann später zurücknahm, hat Valiant sich nie Gedanken darüber gemacht, an den Tragbarkeitsvorschriften zu ritzen. Die Eigenkapitalquote liegt bei komfortablen 17,3 Prozent. Der Verwaltungsrat schlägt an der Generalversammlung vom 18. Mai eine Dividendenerhöhung um 20 Rappen auf 3.80 Franken pro Aktie vor.

Bild: Tabelle: Luzerner Zeitung

Bild: Tabelle: Luzerner Zeitung