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Luzerner Erfindung: Erstes Waschmittel auf Basis heimischer Pflanzenöle auf dem Markt

Eine Luzerner Firma hat eine neue Technologie zur Herstellung von Waschmitteln entwickelt. Unterstützt wurde sie dabei von der Klimastiftung Schweiz – wegen ihres Beitrags zur Reduktion von CO2-Emissionen.
Gregory Remez
Good-Soaps-Gründerin Regine Schneider und -Finanzchef Remo Richli sowie Agnes Neher von der Klimastiftung Schweiz (von links nach rechts) bei der Präsentation im Hotel Schweizerhof in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli)

Good-Soaps-Gründerin Regine Schneider und -Finanzchef Remo Richli sowie Agnes Neher von der Klimastiftung Schweiz (von links nach rechts) bei der Präsentation im Hotel Schweizerhof in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli)

Wer in Zukunft umweltbewusster waschen möchte, kommt an einer Firma aus Luzern nicht vorbei: Die Good Soaps AG hat ein Kleiderwaschmittel entwickelt, das erstmals komplett aus europäischen Pflanzenölen besteht. Was für Laien unspektakulär klingt, ist in der Branche eine mittlere Sensation. Denn bisher galt es als unmöglich, Waschmittel ganz aus heimischen Ölen herzustellen. Auch die in Läden als «ökologisch» angepriesenen Produkte enthielten stets tropische Öle – hauptsächlich das umstrittene Palmöl, dessen Anbau mit hohen CO2-Emissionen und der Abholzung von Regenwald verbunden ist (siehe Box unten).

«Die führenden Hersteller gingen lange Zeit davon aus, dass Palmöl aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften nicht durch europäische Pflanzenöle ersetzt werden kann. Mit unserem Produkt haben wir nun den Gegenbeweis erbracht», sagt Remo Richli, Finanzchef von Good Soaps.

Kürzere Transportwege und schonende Produktion

Seit heute ist das erste palmölfreie Waschmittel Europas auf dem Markt. Was genau drinsteckt, will Geschäftsführerin Regine Schneider nicht verraten, nur so viel: «Wir verwenden Raps- und Sonnenblumenöl aus der Schweiz, Österreich und Deutschland.» Die Idee für ein klimafreundliches Waschmittel kam der Forscherin mit einem Doktor in Chemie ausgerechnet auf einer Palmölplantage. «Wenn man die gigantischen Felder sieht und die Mengen an Pestiziden, die dort eingesetzt werden, dann kommt man schon ins Grübeln.»

2011 gründete Schneider das Unternehmen Good Soaps. Seit 2013 bietet sie diverse palmölfreie Reinigungsprodukte an. Waschmittel seien allerdings eine ganz andere Geschichte, verrät Schneider. «Das Problem ist, dass Pflanzenöle eine andere chemische Struktur haben als tropische. Bis wir die Reinigungsleistung herkömmlicher Produkte erreicht hatten, dauerte es sehr lange.» Über 5000 Versuche mit Flecken unterschiedlichen Ursprungs habe man unternommen, bis die Rezeptur stimmte. Diese ist derart neu und bahnbrechend, dass Schneider ihre Erfindung inzwischen patentiert hat. Rund 250 000 Franken hat Good Soaps in die Entwicklung des Waschmittels gesteckt.

Unterstützung erhielt sie dabei unter anderem von der Klimastiftung Schweiz, die einen Beitrag von 47 000 Franken leistete. Stiftungsbeirätin Agnes Neher zeigt sich hocherfreut über die Lancierung des Waschmittels: «Der Einsatz von heimischen Rohstoffen anstelle von Palmöl birgt grosses Potenzial für die Einsparung von CO2.» Durch die Verwendung von Rapsöl werden beispielsweise 50 Mal weniger CO2 verursacht als bei Palmöl. Zudem wird der Regenwald geschont, und die Transportwege fallen massiv kürzer aus. «Von der Entwicklung in Luzern profitiert nicht nur der Klimaschutz, sondern auch der Wirtschaftsstandort Schweiz.»

Coop und Migros noch nicht mit an Bord

Kaufen kann man das Waschmittel von Good Soap bisher nur im Internet. Man sei aber in Kontakt mit diversen gewerblichen Kunden, sagt Richli. «Die erste Tonne steht zur Auslieferung bereit. Wir sind sicher, dass mit unserem Produkt schon bald Bewegung in die Branche kommen wird.» Bis allerdings auch Migros und Coop mit an Bord kommen, könnte es noch eine Zeit dauern. Das habe vor allem damit zu tun, dass die Grossverteiler derzeit noch auf vermeintlich «nachhaltiges Palmöl» setzen, sagt Richli.

Bis dahin will die Luzerner Firma ihre Produkte noch nachhaltiger machen. Die Verpackung beispielsweise bestehe noch aus Plastik, moniert Firmengründerin Schneider. «Wir sind aber dran, auf ein biologisch abbaubares Material umzusteigen.» Ausserdem sollen die Transportwege künftig noch kürzer ausfallen. Denn produziert wird momentan bei einem Lohnunternehmen im deutschen Schwarzwald. «Wir hoffen aber natürlich, dass irgendwann nicht nur unser Büro, sondern auch unser Produktionsstandort in Luzern liegt», sagt Richli. Im Moment sei das für den Mini-Betrieb mit sieben Mitarbeitern aber noch schlicht zu teuer.

Palmöl: Fluch und Segen

An Palmöl führt in der heutigen Industrie kein Weg vorbei. Es wird in unzähligen Lebensmitteln verwendet, findet sich aber auch in Waschmitteln oder Kosmetika. Der Boom hat einen Grund: Die Ölpalme ist eine sehr ertragreiche Pflanze. Auf derselben Fläche kann mit Ölpalmen viel mehr Öl produziert werden als mit anderen Pflanzen. Doch die Natur bezahlt einen hohen Preis. So fallen Palmölplantagen meist wertvolle Tropenwälder zum Opfer, zahlreiche Arten wie die Orang-Utans verlieren so ihre Lebensgrundlage. (gr)

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