Luzerner Holzverarbeiter Swiss Krono mit Umsatzrückgang – aber mit hoher Investitionsbereitschaft

Der Luzerner Holzverarbeiter Swiss Krono litt Anfang Jahr unter der Coronakrise. Doch nun ist er wieder zuversichtlich: Für das laufende Geschäftsjahr sind Investitionen von rund 180 Millionen Euro geplant.

Maurizio Minetti
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Der Sitz von Swiss Krono in Menznau.

Der Sitz von Swiss Krono in Menznau.

Bild: Pius Amrein (26. September 2019)

Im Frühjahr sah die Situation für die Swiss Krono Group schlimm aus. Da die Pandemie die Wirtschaft hart traf und Kunden aufgrund des Lockdowns schliessen mussten, verzeichnete der Holzverarbeiter mit Hauptsitz in Luzern im April einen Umsatzrückgang von über 30 Prozent sowie im Mai von 20 Prozent zum Vorjahr.

In den darauffolgenden Monaten konnte die Situation aber wieder stabilisiert werden. Am 30. September hat das international tätige Unternehmen nun das Geschäftsjahr abgeschlossen. Fazit: Der Umsatz sank um 4 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Im Bereich Flooring (Laminat) lag der Umsatz mit rund 715 Millionen Euro sogar leicht über Vorjahresniveau. Im Bereich Building-Materials (sogenannte OSB-Platten) war der Absatz zwar nach wie vor stark – preisbedingt lag der Umsatz mit 518 Millionen Euro aber um 5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. OSB steht für Oriented Strand Board. Eine solche Platte besteht aus mehreren Schichten mit ausgerichteten Holzfasern. Am stärksten betroffen von den coronabedingten Abstellungen in der Industrie war der Geschäftsbereich Interiors, womit Produkte für den Möbel- und Innenausbau gemeint sind. Hier resultierte im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzrückgang um 13 Prozent. Somit lag dieser im vergangenen Geschäftsjahr bei 391 Millionen Euro.

180 Millionen Euro über mehrere Standorte

Die Gruppe, die in Menznau ein grosses Werk mit rund 470 Mitarbeitern betreibt, bezeichnet das Geschäftsergebnis in einer Mitteilung als solid. «Wir freuen uns, trotz der schwierigen Marktbedingungen der letzten Monate auf ein den Umständen entsprechend zufriedenstellendes Ergebnis blicken zu können. Dies ist uns nicht zuletzt durch ein schnell und effizient umgesetztes Krisenmanagement gelungen», lässt sich Chief Sales Marketing Officer Georg Mäder in der Mitteilung zitieren.

Für das kommende Geschäftsjahr ist Konzernchef Martin Brettenthaler zurückhaltend: «Die weltweit anhaltende Pandemiesituation ist ein grosser Unsicherheitsfaktor, den wir schlichtweg nicht einschätzen können. Für 2021 planen wir entsprechend vorsichtig. Dennoch blicken wir als Unternehmensgruppe zuversichtlich in die mittelfristige Zukunft: Wir sind überzeugt, dass sich auch in einer schwierigen weltwirtschaftlichen Lage die Nachfrage nach leistungsfähigen, CO2-neutralen und damit nachhaltigen Holzwerkstoffen für uns günstig entwickeln wird.»

Die Firmengruppe hat die im Frühjahr unterbrochenen Investitionsprojekte mittlerweile wieder aufgenommen. Für das laufende Geschäftsjahr sind Investitionen von rund 180 Millionen Euro geplant. Wie viel davon in der Schweiz investiert wird, gibt das Unternehmen nicht im Detail bekannt. Ein Sprecher hielt auf Anfrage fest: «In Menznau wird laufend und jedes Jahr in Höhe von mehrstelligen Millionenbeträgen in Technologie, Umweltschutz und neue Produkte investiert. So werden im aktuellen Geschäftsjahr neue Produkte, wie zum Beispiel eine neue antivirale Möbel-Oberfläche oder eine komplett neue wasserfeste Generation Fussboden in Menznau gefertigt.» Swiss Krono hatte zuletzt 2017 eine neue Spanplattenanlage in Betrieb genommen. 80 Millionen Franken hat das Unternehmen damals investiert.

Ines Kaindl-Benes zieht sich aus dem Verwaltungsrat zurück

Weiter teilte Swiss Krono mit, dass nach dem Tod des Firmengründers Ernst Kaindl im Jahr 2017 seine Tochter und Präsidentin des Verwaltungsrates Ines Kaindl-Benes in den letzten Monaten «endgültig alle offenen Erbfragen bereinigt» und das Aktionariat konsolidiert habe. Ines Kaindl-Benes sei nun zu 100 Prozent Eigentümerin der Swiss Krono Group. Durch diesen wichtigen Schritt sei die Zukunft als Familienunternehmen gesichert.

Da sich das Führungsteam der Gruppe unter der Leitung des langjährigen CEO Martin Brettenthaler bewährt habe, entschied sich Ines Kaindl-Benes, nach zwölf Jahren als Präsidentin des Verwaltungsrates aus diesem Gremium zurückzutreten. Der Vorsitz des Gremiums wird vom langjährigen Verwaltungsrat Wilhelm Hörmanseder übernommen. Zusätzlich ergänzt wird der Verwaltungsrat durch Georg Benes.