Federer
Macht Anti-Tabak-Lobby dem Swiss Indoors den Garaus?

Nächste Woche beginnen die Swiss Indoors in Basel. Doch während Stars wie Roger Federer und Novak Djokovic das Publikum begeistern, kämpfen die Veranstalter vor Gericht gegen die Anti-Tabak-Lobby.

Vasilije Mustur
Merken
Drucken
Teilen
Federer in Basel
5 Bilder
 Thomas Berdych versucht Federer an seinem Heimturnier herauszufordern.
 Der ehemalige Angstgegner von Roger Federer, David Nalbandian ist ebenfalls zu Gast in Basel.
 Titelverteidiger Novak Djokovic wird ebenfalls in Basel spielen.
 Andy Roddick tritt in Basel an.

Federer in Basel

Die Davidoff Swiss Indoors feiern dieses Jahr Jubiläum. Das internationale Tennisturnier in der Basler St.Jakobshalle wird 40. Für Turnierdirektor Roger Brennwald die Gelegenheit, an der diesjährigen Ausgabe mit Topstars aufzuwarten.

So werden neben Aushängeschild Roger Federer, der Serbe und Titelverteidiger Novak Djokovic, auch der US-Amerikaner Andy Roddick und der Tscheche Thomas Berdych nächste Woche das Publikum am Rheinknie mit Weltklasse-Tennis verwöhnen (siehe Bildergalerie).

Bundesgericht muss entscheiden

Allerdings wird das Turnier von juristischen Schwierigkeiten zwischen der Swiss Indoors AG, der Konzerngesellschaft Basler Oettinger Davidoff Group und der Anti-Tabak-Lobby überschattet.

In der Schweiz befindet das Bundesgericht in Lausanne über eine weitergezogene Beschwerde der Anti-Tabak-Organisation OxyRomandie gegen das Westschweizer Fernsehen TSR. Das Bundesgericht bestätigt auf Anfrage, dass der Fall hängig sei.

UBI lehnte Beschwerde ab

Im Gespräch mit der az erklärt Pascal Diethelm, Präsident von OxyRomandie, die Richter in Lausanne hätten die Swiss Indoors AG, Oettinger Davidoff Group, die SRG und OxyRomandie aufgefordert, sich noch einmal zum Fall zu äussern. Sobald diese Stellungnahmen vorlägen, werde das Bundesgericht entscheiden.

Letztes Jahr hat OxyRomandie bei der «Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen» (UBI) eine Beschwerde gegen den Westschweizer Fernsehsehnder TSR eingereicht. Der Vorwurf: TSR betreibe durch die Übertragung des Turniers verbotene Schleichwerbung für die Tabakfirma Davidoff.

Ausserdem versuche die Tabakindustrie laut OxyRomandie mit dem Sponsoring von Sportanlässen die Tabakwerbe-Gesetze zu unterwandern. «Dass ein Tennisturnier in der Schweiz von einem Tabakkonzern gesponsert wird, ist eine Schande», sagt Pascal Diethelm.

Medaillen der Ballkinder ein «Skandal»

Konkret beruft sich OxyRomandie darauf, dass die Programmveranstalter «durch die Wahl der Sendezeit oder sonstige Massnahmen dafür zu sorgen haben, dass Minderjährige nicht mit Sendungen konfrontiert werden, welche ihre körperliche, geistig-seelische, sittliche oder soziale Entwicklung gefährden».

Zudem gehe aus der Gesetzgebung hervor, dass «Werbung, welche zu einem Verhalten anregt, welches die Gesundheit, die Umwelt oder die persönliche Sicherheit gefährdet» verboten ist.

Besonders verärgert ist Pascal Diethelm von OxyRomandie darüber, dass auf den Medaillen, welche die Ballkinder nach den Partien erhalten, mit dem Davidoff-Logo versehen sind. «Viele Menschen ausserhalb der Schweiz sind darüber schockiert, dass jemand einem Kind eine Medaille mit einem Tabak-Logo um den Hals hängt.»

Schützenhilfe erhält Diethelm von Jürg Hurter, Präsident der Stiftung Pro Aere. «Die Tabakfirmen wissen, dass sie neue Tabakkonsumenten schaffen, indem sie schon bei Kindern ihre Marken platzieren. Stellen Sie sich vor, eine Wodka-Marke würde ihre Marke bei Kindern platzieren. Das würde zu Recht nicht akzeptiert.»

Swiss Indoors AG steht in Frankreich vor Gericht

Neben dem hängigen Bundesgerichtsentscheid muss sich Swiss Indoors ebenfalls im Ausland mit juristischen Mitteln zu Wehr setzen. Wie Recherchen von az aargauerzeitung zeigen, steht die Swiss Indoors AG, die Davidoff &Cie SA und die Oettinger Imex AG seit gestern in Frankreich vor Gericht.

Die Anti-Tabak-Organisation Comité National Contre le Tabagisme (CNCT) in Evry, in der Nähe von Paris hat Klage gegen die Unternehmung eingereicht.

Der Firma wird vorgeworfen, dass die Fernsehübertragung rechtswidrig sei, weil sie wegen des promintenten Auftritts der Tabakmarke Davidoff gegen das Tabaksponsoring-Verbot verstosse. Die Davidoff Swiss Indoors wollten trotz telefonischer und schriftlicher Anfrage zu den beiden Fällen keine Stellung beziehen.

Derweil löst sich die Problematik an den Swiss Indoors von alleine. Die Swiss Indoors AG haben laut eigenen Angaben zusammen mit Davidoff Swiss Indoors und der Oettinger Davidoff Group als Sponsor entschieden, das Titelsponsoring nach 17 Jahren Partnerschaft auslaufen zu lassen.

Davidoff nächstes Jahr nicht mehr Hauptsponsor

Der Veranstalter begründet den Entscheid mit dem Aufstieg des Turniers zur zweithöchsten Kategorie und der daraus enstehenden Werbeproblematik. «Diese Promition in die der Tennisturniere hat zur Folge, dass die internationalen Fernsehrechte neu von der ATP vertrieben werden. Mit diesem weiteren Schritt in den globalen Fernsehmarkt erhöht sich aber auch die Komplexität der Werberestriktionen, welche für jedes Land gesondert analysiert werden müssen.»

Bereits in diesem Jahr findet der Fernseh-Zuschauer auf dem Centre Court zu Basel das Logo der Tabakfirma Davidoff nicht mehr. Für Ersatz ist bereits gesorgt. Die Stadt Basel übernimmt die Bandenwerbung. Für das nächste Jahr haben die Organisatoren jedoch noch keinen Ersatz für den Titelsponsor Davidoff gefunden.