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MÄRKTE: Börsen feiern bereits den Sommer

«Sell in May and go away» – die Weisheit beschäftigt viele Anleger in diesen Tagen. Experten raten aber von überschnellen Reaktionen ab. Denn die Börsen-Party könnte weitergehen.
Ernst Meier

Aktienbesitzer erleben derzeit einen Frühling, der um einiges sonniger ist, als es das Wetter bisher war. So beglückte die Zeit der Generalversammlungen das Konto mit schönen Dividenden. Wer zum Beispiel sein Geld in Blue Chips wie Nestlé, Roche, Novartis oder den Versicherungskonzern Zürich investiert hat, kassierte in den letzten Wochen Dividendenzahlungen zwischen 3 und 6 Prozent (auf den aktuellen Kurswert gerechnet). Der Kursrückgang, der gewöhnlich mit der Dividendenauszahlung erfolgt, ist vielerorts bereits wieder kompensiert. Mehr noch: Nestlé schloss letzte Woche mit über 72 Franken auf einem neuen Rekordwert. Auch die Roche- und die Novartis-Titel schreiben Geschichte. Entsprechend erklimmt der Schweizer Aktienindex SMI seit Tagen neue Höchstwerte. Am Freitag schloss er auf über 8650 Punkte. Das ist der höchste Wert seit November 2007 – die Finanzkrise drückte in der Folge den SMI bis auf 4235 Punkte (Februar 2009). Nicht nur in der Schweiz überschiessen die Börsen in diesen Tagen. Auch in den USA sowie in Deutschland erreichen die wichtigsten Leitindizes wie der Dow Jones und der DAX neue Allzeithochs.

Voraussetzungen bleiben gut

Die Dividenden auf dem Konto, die Kurse in luftiger Höhe – ist nun die Zeit gekommen, seine Aktien zu verkaufen? Zumal die alte Börsenweisheit «Sell in May and go away» in Erinnerung ruft, dass es wohl günstig wäre, sich von der Börse zu verabschieden? «Nein, nur wegen des Monats Mai aus dem Aktienmarkt auszusteigen, empfehle ich nicht», sagt Christian Gattiker, Chefstratege der Bank Julius Bär. Die Börsen würden sich von der Wirtschaftsentwicklung, geopolitischen Faktoren sowie der Psychologie der Anleger leiten lassen. Es sei deswegen prinzipiell nicht zu empfehlen, blind im Mai zu verkaufen und im Herbst wieder an die Märkte zurückzukehren. «Die Gefahr, einen weiteren Anstieg und später den optimalen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg zu verpassen, ist gross», sagt Gattiker. Er empfiehlt Anlegern deshalb, weiter gemäss der persönlichen Risikobereitschaft investiert zu bleiben.

«Das Umfeld mit guten Unternehmenszahlen und tiefen Zinsen spricht weiterhin für Qualitätsaktien», sagt Christian Gattiker. Die derzeitige Hausse könne deshalb noch einige Zeit weitergehen. Zumal viele Kleinanleger selber gar nicht investiert seien. Trotz seiner positiven Einschätzung schliesst Christian Gattiker aber eine Korrektur nach unten zurzeit nicht aus. «Gerade in der Schweiz liefen die grossen Werte sehr gut – allen voran Pharma. Eine vorübergehende Kurskorrektur wäre gar nicht ungesund und nach einem sportlichen Anstieg in den letzten zwölf Monaten ganz natürlich», sagt Gattiker.

«Korrektur steht bevor»

Martin Neff, Chefökonom der Raiff­eisen-Gruppe, teilt diese Einschätzung. Er warnt sogar explizit. «Ich rechne mit einer markanten Kurskorrektur noch in diesem Jahr», sagt Martin Neff gegenüber unserer Zeitung. Gleichzeitig präzisiert er: «Es wird kein Crash sein, wie wir ihn im letzten Jahrzehnt zweimal erlebt haben. Die Kurse sind aufgrund mangelnder Alternativanlagen nach unten abgesichert.» Laut Martin Neff könnte es zu einem Einbruch von gegen 10 Prozent innert weniger Tage kommen. Auf einem tieferen Niveau würden die Börsen wieder Boden finden, «wo neue Anleger wieder einsteigen».

Die derzeitigen Höchststände an den verschiedenen Börsenmärkten sieht Martin Neff als «fundamental nicht gerechtfertigt». Die Bewertung in der Schweiz habe den historischen Durchschnitt bereits überschritten, während US-Aktien derzeit noch fair bewertet seien. «Die USA sind wirtschaftlich zwar auf gutem Weg, und Europa erholt sich ebenfalls. Die strukturellen Probleme in der EU sind aber noch nicht gelöst. Zudem ist die Gefahr in der Ukraine noch nicht gebannt», ruft Neff in Erinnerung. Diese «Kurshemmer» würden derzeit von den Märkten ausgeblendet. «Sobald eine negative Überraschung eintrifft, könnte dies Verkäufe auslösen», warnt er. Eine Konsolidierung auf tieferem Niveau erachtet er deshalb als reif.

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