MALTERS/ALTDORF: Schwarzer Tag für die Region

Die Industriefirma Pfisterer verlagert die Fertigung von Malters und Altdorf nach Tschechien. 110 Arbeits- plätze werden abgebaut.

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Bei der Firma Pfisterer, im Bild die Fabrik in Malters, kommt es zu einschneidenden Massnahmen. (Bild Boris Bürgisser)

Bei der Firma Pfisterer, im Bild die Fabrik in Malters, kommt es zu einschneidenden Massnahmen. (Bild Boris Bürgisser)

Hans-Peter Hoeren

Die Angestellten in Malters und Altdorf sowie im süddeutschen Winterbach wurden am vergangenen Freitag informiert. Die deutsche Unternehmensgruppe Pfisterer verlegt ab 2016 die Fertigung und die Logistik von diesen drei Standorten nach Tschechien. Von den rund 200 Arbeitsplätzen bei der Pfisterer Sefag AG Malters sind 60 Stellen betroffen. Zudem wird für die Metallsparte in Malters mit ihren rund 50 Mitarbeitern ein neuer Käufer gesucht.

In Altdorf könnte sich der Personalbestand der Pfisterer Ixosil von 110 auf 60 bis 70 reduzieren. Am deutschen Hauptsitz der Gruppe in Winterbach sind bis zu 80 Arbeitsplätze betroffen. Die Pfisterer-Gruppe ist ein führender Ausrüster für Energienetze und Fahrleitungssysteme. In der Schweiz produziert Pfisterer Kabelgarnituren für Hochspannungskabel und Isolatorenketten für Freileitungen. Kernstück dieser Produkte sind Silikonteile, die an allen drei Standorten hergestellt wurden.

Gruppe schreibt schwarze Zahlen

Hintergrund der Massnahmen ist ein umfangreiches Effizienzsteigerungsprogramm. «Wir produzieren heute an zu vielen und jeweils zu kleinen Standorten mit zu langen Durchlaufzeiten und zu geringer Flexibilität und obendrein mit entsprechend hohen Aufwänden in der Logistik», heisst es in einem Brief der Hauptaktionäre an die Mitarbeiter.

Das Unternehmen mit seinen weltweit rund 1400 Mitarbeitern schreibt aktuell schwarze Zahlen. Der Umsatz stagniere aber, und die Erträge würden sinken, sagt Samuel Ansorge (45), Technologievorstand der Pfisterer Holding AG. Für 2014 vermeldet die Gruppe einen leichten Umsatzrückgang von 2 Prozent auf 251 Millionen Euro. Auch das Ergebnis habe sich auf der Basis vorläufiger Zahlen im Vergleich zum Vorjahr verringert, heisst es. «Hauptgründe für die Entwicklung waren ein zunehmender Preisdruck und negative Währungseffekte», sagt Ansorge. Der Schweizer leitete von 2000 bis 2006 die Pfisterer Ixosil in Altdorf. Diese hatte die Gruppe im Jahr 2000 von Dätwyler gekauft. Seit 2006 war Ansorge in führender Position bei der Pfisterer Sefag in Malters tätig.

Sozialplan ist vorgesehen

Die Zahl der Wettbewerber habe sich deutlich erhöht, sagt Ansorge. Diese verlangten teils deutlich geringere Preise. «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht austauschbar werden, weil wir zu teuer sind», sagt Ansorge. Um die Konkurrenzfähigkeit zu stärken, wolle das Unternehmen neue Geschäftsfelder erschliessen, auch ausserhalb der angestammten Energiewirtschaft. In diesen trete man zunehmend als Komplettanbieter für Energiesysteme auf.

Die Vorbereitungen für das Sparprogramm liefen gemäss Ansorge bereits seit über einem Jahr. Offenbar war zwischenzeitlich auch eine Zusammenlegung der Standorte in Altdorf und Malters in Erwägung gezogen worden. «Spätestens nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat aber auch diese Option kostenmässig keinen Sinn mehr gemacht», sagt er. Zum Vergleich: In der Schweiz liegen die Kosten pro Arbeitsstunde in der Produktion zwischen 40 und 45 Franken, in Tschechien zwischen 6 und 8 Euro.

Das Unternehmen wolle die angekündigten Einschnitte so sozialverträglich wie möglich umsetzen, auch die Einführung eines Sozialplans ist vorgesehen, sagt Ansorge. «Sowohl in Altdorf als auch in Malters wird in der Fertigung aber bis mindestens Ende Jahr weitergearbeitet», sagt er. Bis spätestens 2018 soll die Verlagerung abgeschlossen sein.

Die zum Verkauf stehende Metallsparte in Malters arbeitet profitabel. «Sie passt aber nicht mehr ganz zu unserer strategischen Ausrichtung», so der Technologievorstand. In Malters und Altdorf verbleiben sollen hingegen die Produktentwicklung, Anwendungstechnik, der Vertrieb, die Montage und die Labore. «Wir wollen am vorhandenen Wissen in der Schweiz festhalten und dieses weiter entwickeln», sagt Ansorge. Die Schweiz und Deutschland seien sehr gute Standorte für Innovation und Vertrieb. «In diesen Bereichen ist das Know-how entscheidend und nicht primär der Kostenwettbewerb», stellt er klar.

Neue Stellen könnten entstehen

Mit der Verlagerung der Silikonfertigung nach Tschechien und der vorhandenen innovativen Verfahrenstechnik habe man den richtigen Mix für die Zukunft. Bis 2020 will das Unternehmen den Umsatz auf 500 Millionen Euro verdoppeln. Ein Teil des Wachstums soll mit Zukäufen, ein Teil organisch erreicht werden. «Das werden wir nur erreichen, wenn wir neue Stellen im Technologiebereich und im Vertrieb schaffen», sagt Ansorge. Auch an den Standorten in Malters und Altdorf könnten in diesen Bereichen neue Stellen entstehen.

In Altdorf droht eine Reduzierung von 110 auf bis zu 60 Arbeitsplätze. (Bild Urs Hanhart)

In Altdorf droht eine Reduzierung von 110 auf bis zu 60 Arbeitsplätze. (Bild Urs Hanhart)