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MANAGER: Daniel Vasella: «Ich konnte mir eine dicke Haut zulegen»

Sein Lohn beschäftigte das ganze Land und liess ihn wegziehen. Nun präsentiert sich der Ex-Chef von Novartis, Daniel Vasella, wieder der Öffentlichkeit.
Roman Schenkel
Ex-Novartis-Chef Daniel Vasella (63). (Bild: Andreas Seeholzer/Bote der Urschweiz (11. Januar 2017))

Ex-Novartis-Chef Daniel Vasella (63). (Bild: Andreas Seeholzer/Bote der Urschweiz (11. Januar 2017))

Interview: Roman Schenkel

Daniel Vasella, Sie dirigierten fast 20 Jahre lang eines der grössten Pharmaunternehmen der Welt. Wie geht es Ihnen im Ruhestand?

Die Pensionierung ist in jedem Fall ein Einschnitt. Nicht immer ein einfacher. Wenn man ihn, wie ich, vorausdenken und die Pensionierung zeitlich steuern kann, dann ist das ein Glücksfall. Für mich war klar, dass nach dem Kapitel als Arzt und dem Kapitel Novartis das dritte Kapitel die Pensionierung sein würde. Viele können das so nicht planen. Doch diese Vorbereitungszeit ist zentral, sie macht vieles einfacher.

Weshalb?

Die Pensionierung wirft Fragen auf. Die Frage der Identität zum Beispiel. Wie stark identifiziert man sich mit seiner Arbeit, seiner Position? Wie sehr ist das Selbstwertgefühl im Beruf verankert? Entscheidend ist auch, wie man sein Leben neben der Arbeit gestaltet. Arbeit plus Familie plus Hobby ist oft aus Zeitgründen nicht möglich. Zwei passen, aber nicht drei. Bei mir standen stets Familie und Arbeit im Zentrum. Seit meinem Rücktritt habe ich mehr Freiheit und Zeit. Neben Familie und Freunden spielen bei der Pensionierung die Frage der Gesundheit und die finanzielle Sicherheit eine wichtige Rolle.

Familie und Arbeit konnten Sie erfüllen. Mussten Sie sich nun Hobbys zulegen?

Mit den Kindern gehen wir noch immer Ski fahren. In den letzten Jahren bei Novartis, als die Kinder grösser waren, begann ich, auf die Jagd zu gehen. Ein Freund hat mich mal gefragt, ob ich nicht mitkommen möchte. Als Bündner liegt das ja nahe, zudem war mein Grossvater Büchsenmacher. Mir haben besonders die Ruhe und die Natur gefallen. Inzwischen habe ich das Jagen aufgegeben.

Und was machen Sie heute?

Ich geniesse meine wiedergewonnene Freiheit. Auf der faulen Haut liege ich aber nicht. Ich habe schon vor der Pensionierung eine Weiterbildung im Coaching von Einzelpersonen und Gruppen gemacht und bei Novartis entsprechende Seminare durchgeführt. Nun berate ich CEOs, einerseits in Gruppen von vier bis sechs Leuten, anderseits im Einzelsetting. Das mache ich sehr gerne. Ich freue mich über die Fortschritte und den Erfolg meiner Klienten. Daneben bin ich nach wie vor in drei Verwaltungsräten – American Express, PepsiCo und Xbiotech – tätig. Diese Arbeit ist in den letzten Jahren sehr viel anspruchsvoller geworden.

Was bringen Sie Ihren Schützlingen denn bei?

Das Wichtigste ist, zuzuhören und die wesentlichen Fragen zu stellen. Was ist das Mandat, wer ist im Top-Team, was sind die langfristigen Ziele und die Strategie, wie geht es der Familie, um nur einige zu nennen. Als neuer CEO muss man zum Beispiel auch lernen, dass jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und oft überinterpretiert wird. Viele wollen auch wissen, wie man die Balance mit der Familie bewahrt.

Wer ist Daniel Vasella eigentlich ohne Novartis?

Von aussen gesehen wurde ich oft mit Novartis identifiziert. Auch wenn die berufliche Identität ein wichtiger Teil ist, so darf man Rolle und Identität nicht verwechseln. Zudem war ich mir immer bewusst, dass ich ein Angestellter bin. Nichtsdestoweniger war es mein Ziel, für die Firma auch langfristig das Beste zu tun. Nach der Pensionierung gab es konsequenterweise einen scharfen Schnitt. Allerdings pflege ich mit einigen ehemaligen Kollegen noch Kontakt.

Gewisse Tätigkeiten mit Novartis gab es aber auch nach Ihrem Ausscheiden.

Dies hielt sich in sehr engen Grenzen.

Ihr Ausscheiden war begleitet von einer lauten Diskussion über die 72 Millionen Franken, die Novartis Ihnen für ein Konkurrenzverbot von sechs Jahren bezahlen wollte. Sie wurden stark kritisiert und haben schliesslich verzichtet. Wie haben Sie das erlebt?

Unangenehm. Ich glaubte, wenn ich das Geld für Forschung und wohltätige Zwecke spenden würde, wäre dies kein Problem. Das war es bekanntlich dann doch. So habe ich verzichtet und gehofft, dass Novartis das Geld für gute Zwecke verwendet. Diese Geschichte ist für mich abgeschlossen. In all den Jahren an der Firmenspitze konnte ich mir eine dicke Haut zulegen. Ich wurde immer wieder gelobt und immer wieder scharf kritisiert. Auf beiden Seiten war das oft übertrieben.

Ihren Lohn fanden viele auch übertrieben. Sie waren quasi das Symbol des geldgierigsten Managers.

Ich bin der Überzeugung, dass der Lohn für eine Firma eine untergeordnete Rolle spielt, wenn das Unternehmen erfolgreich ist und die Leistung stimmt. In der Diskussion geht es mehr um die absolute Höhe im Vergleich zum Normalbürger. Das ist eine Norm- und gelegentlich eine Neiddiskussion. Wenig glaubwürdig ist jedoch, wenn schlechte Leistung mit einem hohen Lohn belohnt wird.

Dank der Abzocker-Initiative können die Aktionäre nun bei den Löhnen mitreden.

Die Vergütung wurde in der Schweiz vom Verwaltungsrat an die Aktionäre delegiert. Der Verwaltungsrat spielt nur noch eine vorbereitende Rolle, entscheiden tun schliesslich die Aktionäre. Ob das schlau ist? Viel gebracht hat es bisher nicht. Schauen Sie sich die Statistiken an. Die Löhne sind nach wie vor hoch und werden debattiert. Das hat man ja letzte Woche bei der Credit Suisse gesehen.

Wieso sind Sie nicht zu einem anderen Pharmaunternehmen gegangen?

Theoretisch hätte ich das tun können, ja. Ich hatte jedoch Freude an der neuen Freiheit und Flexibilität. Heute arbeite ich vertragsfrei. Ich kann tun, was mir Freude macht.

Sie sind ja nach Ihrem Austritt bei Novartis in die USA gegangen. Man hat das als Flucht interpretiert.

Es war eine Distanzierung, und es war eine Erleichterung, in einer neutralen Umgebung zu leben.

Sie sind seit knapp einem Jahr wieder in der Schweiz. Alles wieder senkrecht also?

Eindeutig. Wir fühlen uns hier zu Hause. In der Zwischenzeit haben mich die Leute vergessen. Ich muss schmunzeln, wenn ich meinen Namen buchstabieren muss. Das ist positiv.

Was waren die Gründe für die Rückkehr in die Schweiz?

Von aussen schärft sich der Blick auf die Schweiz. Positiv wie auch negativ. Das Positive überwiegt jedoch eindeutig. Zudem wurde mir und meiner Frau klar, wie wichtig uns die Nähe zu den Kindern ist.

Was sagen Sie von hier aus zu ­Donald Trump, der seit etwas mehr als 100 Tagen im Amt ist?

Ich glaube, dass Leute, die verrückte Massnahmen ankündigen, versuchen, diese auch durchzuziehen. Die Hoffnung vieler, dass Trump sich mässigen wird, teile ich nicht. Seine Entscheide scheinen gelegentlich mangelhaft durchdacht zu sein, was auch an seinem Mitarbeitenden liegen mag. Die USA sind im Gegensatz beispielsweise zu Venezuela ein Rechtsstaat. Einige Dekrete wurden ja bereits von Gerichten blockiert. Die von Trump angekündigten Infrastrukturprojekte, die neuen Eisenbahnen, Strassen und Flughäfen, sind jedoch positiv zu bewerten. Anderseits schadet eine undifferenzierte Begrenzung der Einwanderung, gerade für gut ausgebildete Leute.

Auch in der Schweiz ist die Frage von zu viel oder zu wenig Zuwanderung ungelöst.

Wir brauchen Spezialisten, egal, aus welchem Land sie kommen und wie viele es sind. Unsere Wirtschaft ist auf Talente angewiesen, damit sie ihre Innovationskraft weiter hochhalten kann. Allerdings gibt es Grenzen, die auch eine Regierung hart verhandeln muss.

Sie wollten schon immer bauern. Haben Sie sich diesen Traum nun erfüllen können?

In gewisser Weise ja. Wir haben in Uruguay eine Farm. Das ist zwar nicht das Bauern, wie ich es als Bub in Graubünden erlebt habe, aber immerhin. Wir züchten Rinder.

Apropos Landwirtschaft: Was sagen Sie zum Verkauf von Syngenta?

Wieso sollen die Europäer und Amerikaner überall zukaufen dürfen und die Chinesen nicht? Jetzt haben sie einige grosse Übernahmen getätigt. Durch ihr Engagement in anderen Ländern erhöht sich auch ihr Interesse an internationaler Stabilität. Die Verflechtung kann nur positiv sein.

Hinweis

Daniel Vasella wird am 15. Mai am Europaforum im KKL Luzern referieren. Weitere Informationen auf www.europaforum.ch

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