Manager nur für eine begrenzte Zeit

Braucht eine Firma für einen Zeitraum zusätzliche Führungskräfte, kann sie auf Interims-Manager zurückgreifen. Erfahrungen damit machte die Cham Paper Group.

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Matthis Unholz (rechts) übernahm für ein Jahr als Interims-Manager den Job von Markus Keiser bei der Cham Paper Group. (Bild: Christian Herbert Hildebrand)

Matthis Unholz (rechts) übernahm für ein Jahr als Interims-Manager den Job von Markus Keiser bei der Cham Paper Group. (Bild: Christian Herbert Hildebrand)

Im Herbst 2010 stand die Cham Paper Group (CPG) vor der Einführung der Unternehmenssoftware SAP. «Dies bedeutete eine grosse Herausforderung für unser Unternehmen», erinnert sich Peter Müller, Werkleiter der Papierfabrik. «Wir mussten für die mehrmonatige Einführungsphase zusätzliche Personalressourcen innerhalb der Firma bereitstellen.» Denn die Einführung des Softwaresystems sei sehr aufwendig und zeitintensiv. «Wir haben uns gegen eine Anpassung des Systems an die eigenen Prozesse durch externe SAP-Berater entschieden. Wir erachteten diese Möglichkeit als zu umständlich, da der SAP-Berater nicht über das notwendige Industriewissen verfügt», sagt Müller. Deshalb habe man mit Markus Keiser einen Mitarbeiter aus dem Führungskader mit der SAP-Einführung betraut. Keiser ist als Supply Chain Manager für die Planung, Beschaffung und Bereitstellung der Produktionsmittel sowie den termingerechten Versand der Endprodukte zuständig. «Diese Lösung war für uns ideal, denn niemand kennt die entsprechenden Abläufe im Unternehmen besser als Markus Keiser.»
 

Temporär-Manager nötig

Damit stand die CPG aber vor einem anderen Problem: Wer übernimmt während der Abwesenheit des Supply Chain Managers dessen Aufgaben? «Wir hatten niemanden im Unternehmen, der Markus Keiser kurzfristig hätte ersetzen können», sagt Müller. Die Frage lautete: Wo kann das Unternehmen innerhalb von zwei Wochen eine qualifizierte Führungskraft für eine Dauer von einem Jahr finden? «Es zeigte sich schnell, dass wohl nur der Einsatz eines Interims-Managers in Frage kam», sagt Müller. Unter Interims-Manager versteht man eine Fachperson mit betriebswirtschaftlichem Wissen, die für eine zeitlich befristete Arbeitsdauer eine Linienposition in einem Unternehmen übernimmt. Sobald der Einsatz erledigt ist, verlässt der Interims-Manager die Firma wieder.
 

Pool mit 4000 Führungskräften

Das Zürcher Unternehmen Brainforce gilt als Pionier des «Managements auf Zeit». Seit der Gründung 1979 vermittelt Brainforce Interims-Manager für verschiedene Branchen. «Wir verfügen heute in der Schweiz über einen Pool mit über 4000 Führungskräften, die wir kurzfristig für zeitlich begrenzte Einsätze vermitteln können», sagt Martin Schneider, CEO von Brainforce. In dem Pool könne man auf qualifizierte Fachkräfte aus verschiedenen Berufsgattungen zurückgreifen, sagt Schneider. «Von einfachen Managern mit berufsspezifischem Know-how bis zum Geschäftsführer.»

Nachdem die CPG bei Brainforce wegen eines Interims-Managers angefragt hatte, suchte man gemeinsam eine geeignete Fachperson aus. «Wir erarbeiteten zusammen einen genauen Anforderungskatalog, der aufzeigte, welches Fachwissen und welche persönlichen Fähigkeiten der Interims-Manager haben muss», erklärt Schneider. Darauf habe man die firmeninterne Kartei nach möglichen Kandidaten gecheckt. «Durch unsere langjährige Erfahrung kennen wir die Bedürfnisse der Industrie sehr genau und können schnell reagieren.» Mit dem 57-jährigen Ingenieur Matthis Unholz fand man innert weniger Tage den geeigneten Interims-Manager für die CPG.

Unholz hat neben der technischen Ausbildung auch ein Diplom in Betriebswirtschaft und verfügt über zahlreiche Erfahrungen durch Einsätze bei Industriefirmen wie Landis & Gyr, Siemens und OC Oerlikon. Zudem war er innert weniger Tage für den auf ein Jahr befristeten Einsatz verfügbar. «Ich bin seit 12 Jahren selbstständig tätig und arbeite vor allem im Bereich Unternehmensberatung mit Spezialgebiet Servicemanagement», sagt Matthis Unholz. «Neben den Aufträgen, die ich von meinen Kunden erhalte, arbeite ich auch immer wieder für Brainforce als Interims-Manager.» Die Anfrage für den Einsatz bei der CPG sei ihm gelegen gekommen. «Das Tätigkeitsfeld kannte ich aus anderen Einsätzen bei Industriefirmen, und da es sich um ein 80-Prozent-Pensum handelte, blieb mir auch die nötige Flexibilität für andere Tätigkeiten», erklärt Unholz.
 

Schnelle Einarbeitung

Den Einsatz bei der CPG erlebte er als Herausforderung. «Ich musste mich innert kürzester Zeit in mein neues Tätigkeitsfeld einarbeiten und kannte zuvor die Papierindustrie nicht», erinnert sich Unholz. «Doch gutes Management ist branchenneutral. Ich konnte von meinen Erfahrungen in den Bereichen Organisation, Planung und Kundenservice profitieren.»

Herausfordernd sei beim Temporäreinsatz auch gewesen, dass die CPG im Herbst 2010 wegen des Währungsanstiegs und der hohen Rohstoffkosten unter grossem Druck stand. «Das machte das Ganze natürlich etwas schwieriger», gibt Unholz zu. Brainforce und die CPG hätten ihm aber jederzeit die nötige Unterstützung geboten. Den befristeten Einsatz beurteilt er rückblickend als äusserst positiv: «Ich habe weitere Erfahrungen in einem Industriebetrieb gemacht. Gleichzeitig konnte ich mein Know-how und meine Ideen in das Unternehmen einbringen.»

Ernst Meier