Interview

Managing Director über Zukunftspläne: «Bürgenstock» will weitere Hotels kaufen

Saeid Heidari hat sich als Managing Director der Bürgenstock-Hotelgruppe viel vorgenommen. Auch eine Expansion ins Ausland.

Rainer Rickenbach
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Saeid Heidari in der Presidential Suite des Hotels Bürgenstock. (Bild: Jakob Ineichen, 9. Juli 2019)

Saeid Heidari in der Presidential Suite des Hotels Bürgenstock. (Bild: Jakob Ineichen, 9. Juli 2019)

Als Scheich Nawaf bin Jassim 
bin Jabor Al-Thani von der Resortbesitzerin Katara Hospitality im vergangenen Herbst am grossen Eröffnungsfest auf dem Bürgenstock teilnahm, sagte er: «Die Eröffnung ist für mich, als würde mein eigenes Kind den Universitätsabschluss feiern.» Wie kommt das Kind im Berufsleben zurecht?

Saeid Heidari: Sehr gut. Die Anzahl Gäste und Veranstaltungen übertreffen unsere Erwartungen. Der Juni war der beste Monat seit der Wiedereröffnung vor eineinhalb Jahren. Um beim Vergleich seiner Exzellenz zu bleiben: Das Kind hatte eine ausgezeichnete Hochschulbildung genossen. Nach dem Abschluss gelang es ihm, nahtlos an die Reputation anzuknüpfen, den dieses traditionsreiche Resort auf dem Bürgenberg seit über hundert Jahren geniesst. Die Marke ist auf gutem Weg, ihre alte Strahlkraft zu entfalten.

Früher stiegen Filmstars wie 
Sophia Loren, Audrey Hepburn, Sean Connery oder bekannte Politiker in den Bürgenstock-Hotels ab. Haben seit der Wiedereröffnung prominente Gäste eingecheckt?

Ja, wir durften wieder einige weltbekannte Persönlichkeiten bei uns begrüssen. Doch wir reden nicht darüber. Diskretion ist in unserem Geschäft sehr zentral. Wir arbeiten auch daran, das Bürgenstock Resort wieder zum Schauplatz für internationale politische Treffen und Verhandlungen zu machen. Die Voraussetzungen dafür sind ideal: Die Schweiz geniesst als neutrales Land das dafür notwendige Vertrauen, das Resort ist sicherheitstechnisch für solche Grossveranstaltungen geeignet und wir verfügen bis hin zu Helikopterlandeplätzen über das Angebot, das notwendig ist. Ich bin überzeugt: Haben wir erst einmal ein internationales Treffen erfolgreich durchgeführt, werden schnell weitere folgen.

Luzern Tourismus arbeitet daran, die Zentralschweiz als Ausgangspunkt für Ausflüge in die ganze Schweiz und ins nahe Ausland zu positionieren. So würden die Gäste länger als nur eine oder zwei Nächte bleiben. Wie passt der Bürgenstock in dieses Konzept?

Diese Positionierung kommt uns entgegen. Selbstverständlich bieten wir Hand dafür. Die ganze Region ist mit ihrer Lage nahe beim Flughafen Zürich als Ausgangspunkt für Tagesreisen geeignet. Die Hotelgruppe «The Bürgenstock Selection» hat mit dem Royal Savoy in Lausanne und dem Schweizerhof in Bern selber weitere Reiseziele zu bieten. Wir haben zudem vor, noch mehr Hotels in der Schweiz zu erwerben, sollten sich passende Gelegenheiten dazu ergeben.

Der Hotelgruppen-Besitzer Katara Hospitality wird expandieren?

Ja, wenn sich die richtigen Objekte finden lassen. Wir denken dabei an Zürich, Genf oder Basel. Vor allem im Wellnessbereich erkenne ich in diesen Städten noch Marktlücken. Meine Vision geht sogar über die Landesgrenze hinaus: Warum kaufen wir nicht weitere Hotels in Europa und tragen die Marke «The Bürgenstock Selection» in die ganze Welt hinaus? Wir verfügen mit dem Bürgenstock über eine starke Marke, die es zu nutzen gilt. Sie steht für die Schweiz. Also für ein Land, das sich mit Qualitätsbewusstsein, Verlässlichkeit, weltweit bekannten Marken und Vielseitigkeit einen Namen gemacht hat.

Der Besitzer des «Palace» in 
Luzern verhandelt mit Mandarin Oriental über einen Betreibervertrag. Kommt der Deal zustande, haben Sie einen renommierten Konkurrenten vor der eigenen Haustüre.

In Persien gibt es das Sprichwort: «Auch andere Mütter haben hübsche Töchter.» Genauso verhält es sich in der Hotelbranche. Andere Unternehmen verfügen ebenfalls über eindrückliche Produkte. Ich würde es sehr begrüssen, wenn Mandarin Oriental in Luzern Fuss fasst. Konkurrenz belebt das Geschäft und ihre Präsenz würde neue Gäste in die Zentralschweiz bringen, die sonst kaum hierherkämen. Davon profitiert die ganze Region.

Woher kommen die Gäste der Bürgenstock-Hotels?

Unsere wichtigsten Märkte sind die Schweiz, Deutschland, Grossbritannien, verschiedene weitere europäische Länder sowie der Nahe Osten. Es benötigt noch drei bis fünf Jahre, bis wir uns international vollständig positioniert haben. In den USA und der Golfregion haben Verkaufsleiter damit begonnen, für uns zu arbeiten. Im Fernen Osten und Indien knüpften wir ebenfalls Kontakte. Im Premium-Segment ist es wichtig, mit dem richtigen Produkt über die richtigen Netzwerke am Markt zu sein. Die Preise sind zweitrangig.

Für die Tagesausflügler aus der Schweiz und dem nahen Ausland sind Preise nicht zweitrangig. Sie sind fester Bestandteil der Bürgenstock-Strategie. Geht sie auf?

Das Tagesgäste-Geschäft übertrifft die Erwartungen. Die Tagesangebote verkaufen sich gut und die gute Auslastung des SGV-Verbindungsschiffes von Luzern nach Kehrsiten ist ein weiterer Beleg dafür. Das Bürgenstock Resort ist Teil dieser Region, es besteht eine emotionale Bindung. Kürzlich erzählte mir ein junger Mitarbeiter, wie ihn sein Grossvater oft auf den Bürgenberg mitgenommen hatte, als er noch ein Kind war. Der Glanz in seinen Augen verriet mir den Stolz, den er empfindet. Ich denke, die Verbundenheit mit dem Traditionshaus ist gross. Das macht uns authentisch.

Die Hotels und Restaurants zogen nach der Wiedereröffnung vor allem Schweizer Gäste an. Fürchten Sie nicht, dass die Neugier mit der Zeit abebbt?

Würde ich mich von Ängsten treiben lassen, wäre ich hier fehl am Platz. Wir müssen unsere Hotelanlagen stets weiterentwickeln und den Gästen Neues bieten. Das bedeutet allerdings nicht, auf jede Modeströmung aufzuspringen. Denn das Bürgenstock Resort muss authentisch bleiben. Nicht die Revolution ist unser Weg, sondern die Evolution.

Ihr Vorgänger Bruno H. Schöpfer sagte, die Hotels und Gastronomie hätten einen Schnellstart hingelegt. Im Medicalbereich sei das hingegen nicht gelungen. Warum nicht?

Im Medical-Tourismusgeschäft dauert es drei bis zu fünf Jahre, sich zu etablieren. Heute sind vor allem die USA und Deutschland beliebte Zielländer für Medicaltouristen. Unser Angebot braucht den Vergleich mit den Einrichtungen in diesen Ländern fachlich und technisch nicht zu scheuen, aber es braucht Zeit, bis es sich einen Namen gemacht hat. Es lohnt sich jedenfalls, im Marketing grossen Wert auf den Medicalbereich zu legen, denn das Potenzial ist enorm. Heute werden in diesem Geschäftsbereich weltweit mehr als 60 Milliarden Franken umgesetzt. Das Wachstumspotenzial für die nächsten zehn Jahre wird auf 25 Prozent geschätzt. Erfreulicherweise ist die Zusammenarbeit mit den Schweizer Krankenversicherern sowie Spitälern für Reha-Kuren und medizinische Kontrollen schon weit gediehen.

Wie läuft das Geschäft mit den Firmenkunden, die für Tagungen, Seminare und Bankette buchen?

Fast alle an der SMI-Börse kotierten Unternehmen waren schon einmal auf dem Bürgenberg, einige bereits mehrmals. Auch Firmen aus dem Ausland waren zu Gast. Die grossen Unternehmen kommen in der Regel mit 400 bis 500 Personen, buchen 200 bis 250 Zimmer und bleiben zwei bis drei Tage lang. Fast täglich halten zudem kleinere Betriebe ihre Meetings für rund ein Dutzend Personen hier ab. Mit dem Firmenkundengeschäft sind wir ebenfalls zufrieden.

Zur Person

Saeid Heidari, 52, wuchs als Sohn iranischer Eltern in Deutschland auf. Er studierte dort Chemie- und Rechtswissenschaften. Ins Hotelleriegeschäft kam Heidari eher zufällig, als er als Student in einem Hotel arbeitete. Der deutsche Staatsbürger verfügt über 30 Jahre Erfahrung bei der Fünf-Sterne-Hotelgruppe Marriott International. Zuletzt war er Cluster General Manager bei Marriott International in Katar.

Seit diesem Frühling ist Heidari als Nachfolger von Bruno H. Schöpfer Managing Director von «The Bürgenstock Selection». Diese betreibt das Bürgenstock Resort, das Hotel Schweizerhof Bern und das Royal Savoy Hotel in Lausanne. Direktor im Bürgenstock Resort ist Robert P. Herr. Die drei Hotels von «The Bürgenstock Selection» gehören Katara Hospitality, dem Hotelleriearm des katarischen Staatsfonds, der weltweit rund 40 Luxushotels besitzt. In die drei Schweizer Hotels hat der Fonds rund 1 Milliarde Franken investiert. (rr)