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Manor eröffnet neues «Labor» in Bern

Die erste Berner Filiale der Warenhauskette soll für Händler wegweisend werden. Der neue Manor-Chef will die Grenze zwischen online und Filiale aufbrechen.
Benjamin Weinmann
Blick in die neue – die erste – Berner Filiale der Warenhauskette Manor. Bild: Christine Strub/PD (23. April 2019)

Blick in die neue – die erste – Berner Filiale der Warenhauskette Manor. Bild: Christine Strub/PD (23. April 2019)

Der Stolz war Jérôme Gilg anzumerken. Gestern lud der neue Manor-Chef zu einem Mediengespräch im ersten Manor-Warenhaus der Stadt Bern, das heute seine Türen öffnet. «Es hat uns immer geschmerzt, dass wir hier nicht präsent waren.» Bern – das war bisher das Territorium der einheimischen Warenhauskette Loeb. Manor, im Besitz der verschwiegenen Maus-Frères-Gruppe, gelang die Expansion in die Hauptstadt nie. Doch nun ist es so weit. In der Altstadt, wo einst der Modehändler Charles Vögele und dessen Nachfolger OVS hausten, konnte Manor auf sechs Etagen einziehen – inklusive Restaurant mit Dachterrasse.

Zuletzt machte Manor mit Negativmeldungen Schlagzeilen: Stellenabbau, der Abgang von CEO Stéphane Maquaire und weiterer Kaderleute sowie der juristische Streit um das Geschäft an der Zürcher Bahnhofstrasse (Manor soll ausziehen; Status: noch immer ungelöst). Geschäftszahlen gibt die Gruppe seit 2016 nicht mehr bekannt. Doch in der Branche ist bekannt, dass die Umsätze in den vergangenen Jahren stark geschrumpft sind. Insofern ist die heutige Neueröffnung etwas Balsam für die Seele der Basler. Er hoffe, dass die Neueröffnung den Umsatz etwas ankurbeln werde, sagte Gilg. Denn das bisherige Geschäftsjahr sei nach wie vor schwierig, das erste Quartal negativ.

Sport- und Papeterie­abteilung fehlen

Dem 61. Warenhaus von Manor gilt nicht nur wegen der örtlichen Premiere besonderes Augenmerk: «Das neue Geschäft ist für uns ein Testladen», so der 44-jährige Gilg, der zuvor die Do-it-yourself-Kette Jumbo führte, die ebenfalls zu Maus Frères gehört. Anhand des Berner Geschäfts will Gilg neue Konzepte testen, um gegen die Online-Konkurrenz zu bestehen. Am augenfälligsten ist die Grösse: Während die Manor-Häuser in Zürich oder Genf eine Fläche von über 10000 Quadratmetern aufweisen, sind es in Bern nur 4500.

Heute müsse man nicht mehr das ganze Sortiment im Geschäft physisch präsentieren, sagt Gilg. Eine Sport- oder Papeterieabteilung fehlen zum Beispiel, da die Konkurrenz vor Ort in diesem Bereich gross ist. Bei allfälligen Neueröffnungen werde man auf ähnliche grosse Flächen setzen mit 4000 bis 5000 Quadratmetern, sagte Gilg. «Oder sogar noch weniger.»

Neuer CEO von Manor: Jérôme Gilg. (Bild: PD)

Neuer CEO von Manor: Jérôme Gilg. (Bild: PD)

Das Verkaufspersonal ist zudem mit Tablet-Computern ausgerüstet, um die Kunden auf das grössere Online-Sortiment aufmerksam machen zu können. Online bestellte Modeartikel lassen sich in einem separaten Bereich abholen. Dort können die Kunden die Kleider anprobieren und allenfalls gleich wieder retournieren. «Wir müssen die Grenze zwischen Onlineshop und Filiale aufbrechen», so Gilg.

Mehr hippe Marken im Laden haben

Und was ist mit den bestehenden, deutlich grösseren Warenhäusern? Hier müsse man agiler werden, sagt der im Kanton Zürich wohnhafte Elsässer. Man wolle vermehrt exklusive Partnerschaften mit Herstellern eingehen, die einzelne Flächen im Warenhaus für sich selber mieten können. Heute würden viele Marken durch Influencer auf Instagram quasi über Nacht hip. «Diese Marken wollen wir im ­Laden haben, aber auch schnell reagieren können, wenn sie nicht mehr ‹in› sind», so Gilg.

Bedeutender werde auch die Inszenierung. So bietet aktuell ein französisches Start-up im Berner Geschäft die Möglichkeit, Pullis und T-Shirt im Geschäft individuell bedrucken zu lassen.

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